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03. August 2012

Sachverhalte falsch wiedergegeben?

Architekt Matthias Schuster nimmt Stellung zur Kurparkbesichtigung des Gemeinderates / Keine Einladung erhalten.

  1. Alle Wege im Kurpark führen über eine Brücke, auf der ein Unimog gerade noch fahren kann. Allerdings ohne Ladewagen. Foto: Wilfried Dieckmann

  2. Der Teich im Kurpark wurde im letzten Jahr drei Mal von wuchernden Pflanzen befreit. Auch in den vergangenen Tagen war der Bauhof erneut tätig. Foto: Wilfried Dieckmann

GRAFENHAUSEN. Bürgermeister Christian Behringer hatte vor der letzten Gemeinderatssitzung gemeinsam mit dem kompletten Gremium die massiven Schäden im Natur- und Skulpturenpark besichtigt. Einige Sorgenkinder können durch den Einsatz vom Bauhof, andere nur mit aufwendigen Sanierungsarbeiten beseitigt werden. Nun hat der planende Architekt Matthias Schuster zum BZ-Artikel "War Verputzen des Betons ein Fehler" Stellung bezogen.

"Da die Gemeinderäte schwere Vorwürfe gegen uns als Architekten erheben, halten wir es für wichtig, die Möglichkeit einer Stellungnahme zu erhalten", so Architekt Matthias Schuster vom Architekturbüro "Lehen drei" in einem Schreiben an die Badische Zeitung. Nach seiner Meinung sind Sachverhalte falsch wieder gegeben und verschiedene Aussagen nicht zutreffend dargestellt. Bei der Begutachtung, so Schuster, wurden Ergebnisse, Abstimmungen und Vorgehensweisen bei früheren Besprechungen ignoriert. "Entgegen der lange Jahre gepflegten Praxis, die Planer bei Fachthemen einzubinden, wurde der Ortstermin ohne unser Wissen angesetzt", klagt der Architekt und teilt weiterhin mit, dass sich Bürgermeister Christian Behringer in einem geführten Telefongespräch erst auf direkte Nachfrage bereiterklärt habe, die Architekten von "Lehen drei" eventuell in einer Gemeinderatssitzung im Herbst anzuhören.

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Bürgermeister und Gemeinderat haben Kurpark ohne Architekten besichtigt

Schuster: "Aus gutem Grund sieht die Gemeindeordnung des Landes Baden-Württemberg vor, bei Fachthemen Sachverständige in Gemeinderatssitzungen zu bitten. Wenn es um den Kurpark Grafenhausen geht, scheint das Gremium in jüngster Zeit jedoch keinen Bedarf mehr zu sehen". In der Tat: Der Gemeinderat hat die Begehung am Donnerstag, 26. Juli, ohne den Architekten durchgeführt, der vor rund zehn Jahren von der Gemeinde Grafenhausen mit der Planung des Kurparks beauftragt wurde. Und wie der planende Architekt heute richtig feststellt, können "Kenntnisse des Gremiums hierbei durchaus vorausgesetzt werden, da die meisten Ratsmitglieder bereits an der Realisierung des Parks beteiligt waren und einige Handwerker im Gremium vertreten sind".

"Die Brücke ist für Fahrzeuge des Bauhofs ausgelegt und nicht für Lastwagen

mit ungeübten Piloten"

Matthias Schuster, Architekt
Die Verlautbarungen, schreibt Schuster, die nun der Presse zu entnehmen sind, überraschen allerdings: "Der Unterschied zwischen fehlendem Bauunterhalt, Sanierungsbedarf und Ausführungsfehler wird nicht erkannt. Mit Enttäuschung stellt man fest, dass sich die Natur bei mangelnder Pflege zunehmend des Parks bemächtigt und den Teich überwuchert. Es werden Rankpflanzen vermisst, die man vor Jahren entfernen ließ, und erinnert sich nicht mehr daran, dass die Brücke für die Fahrzeuge des Bauhofs ausgelegt wurde und nicht für Lastwagen mit ungeübten Piloten.

Man weiß, dass das Konzertdach ein Meter zu niedrig ist, ohne jemals in die Pläne gesehen zu haben und ist überrascht, dass eine Parkanlage genauso gepflegt und unterhalten werden muss wie ein Gebäude. Für die nun plötzlich festgestellten Schäden wird erwartungsgemäß der Architekt verantwortlich gemacht. Man nimmt dabei in Kauf, dass auch das Ansehen der beteiligten Handwerker nicht ohne Kratzer bleibt. Aber: Vermutungen und unzutreffende Bewertungen werden durch lautstarke Wiederholungen nicht zur Gewissheit. Viel besser sind Sachverstand und Analyse. Zum Beispiel im Zusammenspiel von Gremium und Architekten. So, wie es während der Planungs- und Bauzeit sehr produktiv praktiziert wurde".

Autor: Wilfried Dieckmann