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19. Juli 2012

Satte Farben, tiergesichtige Menschen

Gabi Streile und Rolf Zimmermann in Durbach im Museum für aktuelle Kunst.

Beide haben sie sich seit Jahrzehnten in die Kunst des Oberrheins "eingemalt", beide haben an der Freiburger Außenstelle der Karlsruher Kunstakademie bei Peter Dreher studiert, beide bewegen sich mit virtuoser Beherrschung ihrer malerischen Mittel am Umschlagpunkt von Gegenständlichkeit in "peinture pure".

Jetzt präsentiert der Sammler Rüdiger Hurrle in seinem Privatmuseum im badischen Durbach unter dem Serientitel "Profile in der Kunst am Oberrhein" auch die beiden Malerfreunde Gabi Streile und Rolf Zimmermann.

Fast gleichaltrig, gelingt es ihnen, mit stupender Farbsicherheit die Materialität der Welt in große Tableaus zu übersetzen – Gabi Streile allerdings würde wohl eher von malerischer Anverwandlung sprechen. Offenkundig ist die klassische Landschaftsmalerei ein entscheidender Ausgangspunkt ihrer Kunst, doch die Horizontlinie in ihren Bildern ist meist nur noch vage auszumachen. Es dominiert der leidenschaftliche breite Pinselstrich, der – das Pathos nicht scheuend – die permanente Spannung zwischen Flächigkeit und Raumillusion beschreibt. Delikat sind auch ihre großen Stillleben in der Nachfolge von Dieter Krieg: die riesige Forelle, die zwei farbsatten Blumenstillleben, eines mit pastos modellierendem, das andere mit flächig verwischtem Auftrag. Natur wird mit größter Selbstverständlichkeit in Farbe transformiert, ohne je ans gefällige Klischee zu rühren.

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Baut Gabi Streile in ihren Kompositionen auf heftige Pinselbahnen, die vermeintliche Spontaneität des Ausdrucks, konstituieren sich Rolf Zimmermanns Bilder weit eher aus dem Zusammenklang sich durchdringender vielschichtiger Farbflächen. Sein Sujet sind Dinge und Menschen – beide nahezu austauschbar. Das ganze Spektrum dieses vorzüglichen, politisch motivierten Malers, dessen Motivrepertoire sich in den letzten Jahren auf die groteske Darstellung von Kriegstätern und Opfern verengt hat, wird in dieser Ausstellung offenbar: Zerknüllte und gefaltete Papiere behaupten im offenen Bildraum eine verblüffende Präsenz, verwischte Stillleben stemmen sich vehement gegen die Tendenz, mit ihrer Umgebung zu verschmelzen, ein nur vage angedeuteter Totenschädel hat gleichwohl die Wucht eines Memento mori.

Auf einem schlammfarbenen Bild treten ein schweinsgesichtiger Hund und ein Radioapparat in einen grotesken Dialog, ein virtuoses Farbgespinst ruft Erinnerungen an das Taubergießen wach, und in einem mit feinen grünen Strichen dicht verwobenen Bild erscheint erstmals das Motiv, welches noch heute Zimmermanns Bildwelt beherrscht: ein totenschädeliges und ein tiergesichtiges Antlitz repräsentieren den Kriegsdienstverweigerer Ludwig Baumann und einen seiner Verfolger.

Die Deformierung des Menschen – eines seiner Lieblingsthemen, beinahe eine Obsession, die die Übermacht des Motivs garantiert – gestaltet sich bei Rolf Zimmermann in bezwingender Ausdruckskraft.
– Museum für aktuelle Kunst, Sammlung Hurrle, Durbach. Bis 12. August, Mittwoch bis Freitag 14–18, Samstag, Sonntag 11–18 Uhr.

Autor: Stefan Tolksdorf


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