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25. August 2010 10:45 Uhr

Interview

Dutt: Verletzungsmisere schuld am Fehlstart

Nach dem 1:3 des SC Freiburg gegen St. Pauli hat Robin Dutt offen bekannt: "Läuferisch sind wir erst bei 70 bis 80 Prozent." Auch technisch und taktisch sei sein Team nicht dort, wo es sein sollte. Wie kann das sein?

  1. Robin Dutt hofft, dass die Spieler des SC Freiburg schnell ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen. Foto: Achim Keller

BZ: Wenn ein Trainer nach acht Wochen Vorbereitung sagt, seine Mannschaft stehe läuferisch bei gerade Mal 70 bis 80 Prozent, dann stellt sich die Frage: Haben Sie schlecht gearbeitet, Herr Dutt?

Dutt: Diese Frage stellt sich nur für diejenigen, die dem Trainer vor dem Spiel gegen St. Pauli nicht zugehört haben. Oder sie wollten nicht wahrhaben, was er sagt. Die letzten zwei Wochen der Vorbereitung sind alles andere als glücklich verlaufen. Wenn zum Teil sechs, sieben Spieler der Anfangsformation nicht im Trainingsbetrieb sind, dann würden auch vier Monate Vorbereitung wenig nutzen.

BZ: Aber es kann doch nicht alles weg sein, was zuvor trainiert wurde.

Dutt: Nein, aber gerade in den letzten zwei Wochen steht viel Intervalltraining auf dem Programm, da geht es dann um die nötige Spritzigkeit und taktisch um die Umsetzung beispielsweise des Konterspiels. Wenn das alles wegfällt, dann wird es so schwierig, wie wir es gegen St. Pauli gesehen haben. Ich selbst habe schon in der Woche zuvor angedeutet, dass diese Probleme existieren. Wir bräuchten auch keine qualifizierten Fußball-Lehrer, wenn das Training keinen Effekt hätte und es egal wäre, wenn sechs, sieben Spieler fehlen.

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BZ: Spieler wie Julian Schuster oder Daniel Caligiuri mussten aber nicht pausieren und haben gegen St. Pauli ebenfalls nicht gut gespielt. Wie kann das sein?

Dutt: Da haben wir es mit dem anderen Extrem zu tun. Dadurch, dass viele ihrer Kollegen ausfielen, mussten die anderen in Testspielen ständig ran. Anstatt in den Tagen danach Intervalltraining machen zu können, mussten sie regenerieren. Jan Rosenthal hätte ich beispielsweise beim Kaiserstuhlcup überhaupt nicht spielen lassen dürfen. Unser Vorbereitungsplan wurde am Ende total auf den Kopf gestellt, aber wir konnten doch nicht unsere Teilnahme am Kaiserstuhlcup oder die Saisoneröffnung gegen Basel absagen.

BZ: Wenn läuferisch nichts gehen kann, dann muss man von einer Mannschaft, die inzwischen ein Jahr erste Liga hinter sich hat, zumindest aber erwarten können, dass sie sich taktisch besser verhält als gegen St. Pauli – speziell bei einer 1:0-Führung zwölf Minuten vor Spielende.

Dutt: Da gibt es keine zwei Meinungen. Unsere Mannschaft hatte individualtaktisch gravierende Aussetzer, die es nicht geben darf. Das hat nichts mit der schwierigen Vorbereitung zu tun. Dieses 1:0 hätten wir über die Zeit bringen müssen.

BZ: Hätten da nicht ein, zwei erfahrene Spieler entsprechende Anweisungen geben und sagen müssen: Wenn wir schon nicht laufen können, dann stehen wir wenigstens defensiv gut?

Dutt: Jetzt sind wir doch wieder bei der Personallage. Im vergangenen Jahr haben wir in einer solchen Spielsituation stets Oliver Barth eingewechselt und auf der Position sechs vor der Abwehr agieren lassen. Da mussten wir von außen gar keine zusätzlichen taktischen Anweisungen mehr geben. Wenn Oliver Barth rein kam, war für alle klar, um was es nun geht: defensive Stabilität. Diese Wechseloption hatten wir diesmal nicht. Das entschuldigt natürlich nicht das taktische Fehlverhalten der Mannschaft. Wir waren am Samstag einfach personell, läuferisch und taktisch nicht auf der Höhe.

"Ich glaube, dass die Mannschaft bis Samstag körperlich deutlich besser dastehen wird."

BZ: Aber Ihre Spieler müssten inzwischen doch in der Lage sein, sich taktisch den Gegebenheiten anzupassen.

Dutt: Wenn man körperlich nicht in Form ist, dann tut man sich auch mental schwer.

BZ: Sie haben fehlende Wechseloptionen angesprochen. Ist Ihr Kader zu dünn besetzt?

Dutt: Wir haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass wir noch ein, zwei Spieler verpflichten möchten. Der eine wäre Anton Putsilo, den wir nicht erst im Winter, sondern nach Möglichkeit gleich von Dinamo Minsk loseisen wollen. Dazu suchen wir weiter einen Stürmer, zumal es eine neue Hiobsbotschaft gibt: Tommy Bechmann fällt mindestens acht Wochen aus, ist bereits in Dänemark, wo er am Knie operiert wird. Rechnen wir aber zwei Neuzugänge plus die noch verletzten Ömer Torpak und Johannes Flum dazu, sieht die Lage gravierend anders aus.

BZ: Wann ist denn mit den neuen Spielern zu rechnen?

Dutt: Wir hoffen, dass wir das diese Woche noch hinbekommen, spätestens zum Spiel gegen den VfB Stuttgart sollten Flum und Toprak wieder zur Verfügung stehen. Dann ist die Welt wieder eine andere.

BZ: Derzeit trainiert Yacine Abdessadki, ein alter Bekannter, bei Ihnen mit. Offiziell, um sich fit zu halten. Kann mehr daraus werden, obwohl man sich im Sommer für eine Trennung entschieden hat?

Dutt: Wir sind nicht im Streit auseinander gegangen und haben ein gutes Verhältnis. Jetzt warten wir mal ab. Vielleicht können wir uns ja gegenseitig helfen. Warum sollte ich in unserer Situation etwas ausschließen?

BZ: Dann schließen Sie auch nicht aus, dass Olivier Kapo demnächst für den SC Freiburg spielt. Der ist 29 Jahre alt, hat die Staatsangehörigkeit Frankreichs und der Elfenbeinküste und ist ein Offensivmann, der schon im 4-4-2 ganz vorn gespielt hat. Zudem ist die Liste seiner bisherigen Vereine – AJ Auxerre, Juventus Turin, AS Monaco, UD Levante, Birmingham City, Wigan Athletic und zuletzt US Boulogne – recht beeindruckend. Könnte Kapo einer für den Sportclub sein?

Dutt: Er ist derzeit als Gastspieler bei uns und hat im Training einen guten Eindruck hinterlassen. Wenn ein Spieler ein gewisses Alter hat, muss man aber schon überlegen, ob und was er in Freiburg noch bewegen will. Das muss er mir vermitteln können. Wir sind kein Verein, bei dem man sich mal eben so einen Vertrag abholen kann.

BZ: Aber eine Verpflichtung Kapos könnten Sie sich vorstellen?

Dutt: Theoretisch ja, wobei es natürlich wie immer auch um die finanziellen Rahmenbedingungen geht.

BZ: Für das Auswärtsspiel am Samstag beim 1. FC Nürnberg wird es dennoch knapp mit Hilfe von außen. Sehen Sie wieder schwarz?

Dutt: Ich glaube, dass die Mannschaft bis Samstag körperlich deutlich besser dastehen wird. Und gegen den VfB Stuttgart am 11. September sollten wir dann voll auf der Höhe sein.
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Autor: René Kübler