Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

01. September 2010

SC-neuzugang

Kisho Yano will in der Bundesliga auf sich aufmerksam machen

Keine Sekunde gezögert hat Kisho Yano, als der Anruf aus dem Breisgau kam. Der SC-Neuzugang fühlt sich jetzt schon in Freiburg wohl. Und möchte die Bundesliga ordentlich aufmischen.

  1. Da geht’s lang: SC-Coach Robin Dutt gibt Neuzugang Kisho Yano die Richtung vor. Foto: Keller

FREIBURG. Der Mann hat Manieren: freundliches Lächeln, fester Händedruck, leichte Verbeugung. Gestatten: Kisho Yano, Neuzugang beim SC Freiburg. Der 26 Jahre alte japanische Fußballnationalspieler hat sich einen Traum erfüllt. Sagt er jedenfalls, denn die sprichwörtliche Höflichkeit, die Japanern in die Wiege gelegt scheint, klingt aus jedem seiner Worte. Ein langgehegter Traum also ist für ihn in Erfüllung gegangen: einmal in einer der großen Top-Ligen des internationalen Fußballs zu spielen. Seit vergangenen Donnerstag ist er in Freiburg, demnächst wird man ihn in der Bundesliga bewundern können.

Und warum gerade Freiburg? "Als der Anruf kam, habe ich keine Sekunde gezögert und mich sofort ins Flugzeug gesetzt", sagt Yano. Sein Berater habe ihn von der Anfrage aus dem Breisgau unterrichtet – und ab sei’s gegangen. Von Freiburg habe er zu diesem Zeitpunkt nichts gewusst, gar nichts. Er habe gar keine Zeit gehabt, mit irgend jemand darüber zu sprechen. Die Zeit habe gedrängt.

"Ich möchte dazu beitragen, dass der Sportclub

die Klasse hält."

Kisho Yano

Werbung

Natürlich hat Yano doch etwas gewusst. Beispielsweise, dass Volker Finke früher einmal für lange Jahre an der Dreisam gearbeitet hat, der jetzige Trainer der Urawa Red Diamonds in der japanischen J-League. Doch Yano hat Finke nie persönlich kennen gelernt, er hat ihn auch nie kontaktiert. Yano sagt: "Ich wollte das alles selbst sehen und erleben, mir einen eigenen Eindruck machen."

Was er bislang in Augenschein nehmen konnte, hat ihm sehr gefallen. Zuvorderst das Stadion. Er habe sich sagen lassen, dass die Arena fast immer ausverkauft sei und prima Stimmung herrsche auf den Rängen. Fast sehnsüchtig blickt er die Stufen auf den Rasen hinab. Es scheint, als stelle er sich gerade vor, wie es ist dort unten, hinter sich die brodelnde Masse. Doch noch trägt er Turnschuhe und Jeans, dazu ein modisches T-Shirt. Und sagt: "Ich möchte dazu beitragen, dass der Sportclub die Klasse hält." Längst weiß er, dass es in Freiburg weniger um Meisterschafts- und Pokal-Ehren geht, als vielmehr ums nackte Überleben in der Liga. Doch findet er das nicht weiter schlimm: "Das bietet wenigstens die Gelegenheit, uns nach oben zu orientieren."

Zunächst will der 1,85 Meter große Modellathlet Stammspieler werden, er möchte – wenn möglich – viele Tore schießen und sich damit empfehlen – für eine der Top-Adressen in Europa. Namen nennt er keine, doch man spürt: Freiburg soll für Yano eine Art Sprungbrett darstellen. Eines, das ihn in die große Welt des Fußballs katapultiert.

Ein bisschen hat er daran schon geschnuppert. Yano stand in Japans Kader bei der WM in Südafrika. Gespielt hat er indes nur acht, neun Minuten. Die waren dennoch wichtig für ihn. Weil: "Ich habe das Gefühl bekommen, dass ich mich noch mehr entwickeln muss, mein Niveau steigern." Der SC Freiburg, die Bundesliga sollen ihm dabei helfen. Und fast entschuldigend sagt Yano, dass er dem Klub und seinen Fans natürlich auch etwas zurückgeben möchte – viel Einsatz und möglichst viele Tore. Träume sind erlaubt, auch in diesem Geschäft.

Von den anderen in der Bundesliga tätigen Landsleuten kennt er den beim VfL Wolfsburger spielenden Makoto Hasebe am besten. Mit ihm telefoniere er gelegentlich. Seit seiner Ankunft in Freiburg habe er ihn aber nicht mehr gesprochen – der Eindrücke seien derzeit zu viele. Die Stadt, das Stadion, die Mannschaft, alles gefalle ihm ausgezeichnet. Prima sei er aufgenommen worden. Nun ja, nur mit der Sprache hapere es ein wenig. Weshalb stets Kichinosuke Nakano in seiner Nähe weilt. Der Trainer der U16 des Ortsrivalen Freiburger FC und Inhaber der A-Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes fungiert als Dolmetscher und Fremdenführer. Er ist Yano ein unerlässlicher Beistand in diesen Tagen. "Guten Tag" und "auf Wiedersehen" kann Yano bereits unfallfrei sagen, "danke" und "bitte" dazu. Natürlich, fügt er mit ein wenig Stolz in der Stimme hinzu, verstehe er auch schon ein paar Fachbegriffe aus der Fußballsprache. Die Grundsteine für eine erfolgreiche Zeit im Breisgau will Yano möglichst schnell legen.

Vergleiche mit seinem bisherigen Klub Albirex Niigata, für den er 152 Spiele in Japans höchster Spielklasse bestritt, will Yano keine anstellen; "erstmal will ich hier mitspielen". Das Spiel seines neuen Klubs in Nürnberg hat er im Fernsehen verfolgt und dabei hat ihn die Ahnung beschlichen, "dass es hier etwas robuster zugeht." Doch einschüchtern lassen will er sich deshalb nicht. Er möchte in Freiburg vielmehr zeigen, dass auch in Japan guter Fußball gespielt wird. Beim Sportclub soll man ihn einmal in guter Erinnerung behalten. Yano wünscht sich, dass auch dieser Traum für ihn in Erfüllung geht. "Ciao", sagt er zum Abschied – und es klingt, als sei er schon lange hier.

Autor: Michael Dörfler