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29. Juli 2010 11:36 Uhr

Trainingslager in Schruns

Papiss Cissé – Alleinunterhalter im Sturm des SC Freiburg?

Beim SC Freiburg nimmt der Senegalese Papiss Cissé eine Sonderstellung im Konzept von Trainer Robin Dutt ein. Was es damit auf sich hat und wie es um Tommy Bechmanns Blessur steht, hat René Kübler im Trainingslager erfahren.

  1. Hat viel Spaß: Papiss Cissé (vorne) im Alpine-Coaster am Golm Foto: heuberger

SCHRUNS. Dass Papiss Cissé einen Dickschädel hat, würde Simon Pouplin wohl jederzeit bestätigen. Seit er sich beim Fußballtennis ein Kopf-an-Kopf-Duell mit seinem Kollegen geliefert hat, ziert den Torhüter des SC Freiburg ein prächtiges Veilchen am linken Auge. "Das war Pech", sagt Cissé, "ein blöder Unfall." Das Missgeschick ist ihm sichtlich unangenehm, sein Blick geht zu Boden, wie der eines kleinen Jungen, der gerade beim Schuleschwänzen erwischt wurde. Für Cissé selbst blieb der Zusammenprall ohne Folgen. Gott sei Dank, dürfte manch einer der Sportclub-Verantwortlichen gedacht haben. Denn Cissé nimmt in dieser Saison eine Schlüsselrolle im taktischen Konzept von Robin Dutt ein. Der Senegalese ist momentan der einzige Angreifer im SC-Kader, der den Job als stürmender Alleinunterhalter im geplanten 4-1-4-1-System des Trainers erledigen kann.

Im Fachbereich Attacke fokussiert alles auf Cissé

Stefan Reisinger und Tommy Bechmann sind andere Spielertypen, sie brauchen einen zweiten Mann an ihrer Seite. Zudem sind sie angeschlagen. Reisinger plagen muskuläre Probleme, Bechmann musste wegen Kniebeschwerden gestern sogar aus dem Trainingslager im österreichischen Schruns abreisen. Die Diagnose nach der Kernspintomographie ließ Dutt aufatmen: Bluterguss im Knie.

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Und da sich zumindest momentan keine weitere Spielerverpflichtung abzeichnet, fokussiert sich im Fachbereich Attacke somit alles auf Papiss Cissé. Was natürlich in erster Linie mit dessen außergewöhnlichen Qualitäten zu tun hat. "Obwohl er eigentlich nicht die Statur dafür hat, behauptet Papiss die Bälle sensationell", findet sein Zimmerkollege Cedrick Makiadi. Doch damit nicht genug. Cissés Ballbehandlung, seine Wendigkeit, seine Präsenz sind auffallend gut.

"Er ist immer anspielbar, kann die Bälle verteilen und kommt selbst immer wieder zu Chancen", lobte Robin Dutt den 25-Jährigen nach dem 3:0-Sieg im Testspiel gegen den Schweizer Zweitligisten FC Wil, in dem Cissé eine Vielzahl guter Aktionen hatte und dazu noch einen Treffer erzielte. Auch im Training fällt auf, dass aus dem schon recht guten Cissé der vergangenen Rückrunde ein noch viel besserer Cissé geworden ist.

Nicht ohne Grund. "Er hat im athletischen Bereich deutlich zugelegt", erklärt Dutt. "Früher war er schnell müde und dann unkonzentriert, konnte nicht über die volle Distanz spielen. Jetzt will er gar nicht mehr runter vom Platz." Auch Cissé selbst weiß um seine Entwicklung. "Als ich nach Freiburg kam, war ich nicht so fit. Deshalb war mein Start auch nicht so wie ich ihn mir vorgestellt hatte", gesteht er, fügt aber umgehend an: "Ich merke, dass mir die Arbeit beim SC Freiburg gut tut. Ich fühle mich jetzt viel besser und bin sicher, dass ich es diesmal besser machen werde." Spiele wie das bittere 1:2 im März diesen Jahres gegen Hannover 96, als Cissé reichlich Chancen vergab und letztlich noch ein Eigentor erzielte, will er nicht mehr erleben. "Das zu verarbeiten, war nicht einfach", sagt er und schüttelt nachdenklich den Kopf: "Diese Partie ist mir noch lange in Erinnerung Die

Anzahl der hohen Bälle hat abgenommen

Inzwischen blickt Cissé aber längst nach vorn. Er fühlt sich angekommen in Freiburg – nicht nur fußballerisch. Cedrick Makiadi hat als Dolmetscher immer weniger Arbeit mit ihm. "Papiss versteht inzwischen schon ganz gut Deutsch", berichtet er. Cissés Kontakte zu anderen Teamkollegen werden häufiger, der von Natur aus eher zurückhaltende junge Mann ist in der einen oder anderen lustigen Runde mittendrin und nicht mehr nur dabei. "Wenn wir auf dem Zimmer mit Felix Bastians oder anderen Konsolenspiele machen, dann schimpft er sogar manchmal schon ein bisschen auf Deutsch", verrät Makiadi.

Auch ganz vorne im SC-Spiel ist Cissé nicht so allein, wie es scheint. Zwar hat er in Mohamadou Idrissou einen Unterstützer verloren, aber die Anzahl der hohen Zuspiele in die Spitze hat nach dessen Wechsel zum Liga-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach deutlich abgenommen. Ohne Idrissou versuchen es die SC-Profis nun vermehrt mit dem flachen Pass. Das kommt Cissé entgegen. Das Kombinationsspiel wird sicherer, die Anzahl der Ballverluste sinkt. Auch, weil Cissé in Jan Rosenthal einen idealen Anspielpartner gefunden hat. "Papiss profitiert von nachrückenden Mittelfeldspielern, wie Jan einer ist", bestätigt Robin Dutt. Auch wenn er es zum jetzigen Zeitpunkt nie zugeben würde: Der Fußballlehrer weiß um das große spielerische Potenzial seiner Mannschaft, aber genauso um den Mangel an personellen Alternativen – speziell zu Cissé.

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Autor: René Kübler