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09. Dezember 2015 18:37 Uhr

Neubau

SC Freiburg bekommt wohl doch kein Holzstadion

Nizza und Sochaux haben eins – doch Freiburg wird wohl keins bekommen: ein Stadion aus Holz. Ein Expertengespräch endete ohne klare Empfehlung. Möglich scheint allein eine kleine Lösung.

  1. Ein Holzdach wie im 8000 Besucher fassenden Stadion von St. Pölten kommt für den Sportclub nicht in Frage. Foto: Alpinebau

Ein Expertengespräch am Dienstag ergab keine eindeutige Empfehlung für den Baustoff Holz. Der SC Freiburg machte danach deutlich, dass für ihn Holz in all den Bereichen nicht in Frage kommt, die der Witterung ausgesetzt sind – also weder für Dach- und Tragwerkkonstruktion noch für Außenfassade und Tribünen. Möglich scheint dem Club allein eine kleine Holzlösung, bei welcher der Baustoff für den Innenausbau verwandt wird.

Die grüne Ratsfraktion hatte das Thema Holzstadion aufgebracht und für einen entsprechenden Antrag auch viel Unterstützer in anderen Fraktionen gefunden – und auch beim Forstpräsidenten. Die gemeinderätliche Arbeitsgruppe Stadion diskutierte das Thema nun mit einer namhaften Riege von Experten, ob – wie gefordert – "eine maßgebliche Verwendung" von Holz möglich ist.

Prinzipiell möglich, aber selten erprobt

Nach Freiburg gekommen waren Landesforstpräsident Max Reger, der Ibbenbürener Stadionarchitekt Stefan Nixdorf, der an neun großen Stadionprojekten maßgeblich mitgewirkt hat und zwei Vertreter des Unternehmens Vinci Constructions, das in Frankreich die Stadien in Nizza und Sochaux überwiegend in Holz errichtet hat.

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Über das Ergebnis des Expertengesprächs informierten Stadtverwaltung und Sportclub am Mittwoch in einer Pressemitteilung. Die wichtigste Kernaussage der Experten lautete danach: Grundsätzlich sei der Einsatz von Holz technisch möglich, allerdings sei er bisher bei Stadionprojekten erst sehr selten realisiert und erprobt. Der Einsatz sei danach immer davon abhängig, wie viel Geld für den Bau und die Folgekosten zur Verfügung stehe, sowie von der Größe des Stadionkörpers.

Eine Frage des Geldes

Die von den Fachleuten dargestellten Stadien waren alle kleiner als die für den SC geplante Arena für 35.000 Zuschauer. Ausnahme ist das EM-Stadion im südfranzösischen Nizza, das allerdings 200 Millionen Euro gekostet hat. Keiner der 36 deutschen Bundesligisten spielt in einem Stadion aus Holz. Laut Pressemitteilung führte denn auch die Diskussion mit den Experten bei den entscheidenden Punkten Langlebigkeit und Kosten zu keiner eindeutigen Empfehlung für den Einsatz von Holz.

SC-Vorstand Oliver Leki formulierte am Ende klar die Rahmenbedingungen des Clubs, der das neue Stadion bekanntlich finanzieren muss. Demnach kommt für den SC der Baustoff nur im Innenbereich in Frage. Beim Deckenbau oder bei der Gestaltung des Eingangsbereiches könnte Holz in "innovativer Form" berücksichtigt werden, wird Leki zitiert. Allerdings gelte auch hier die Maßgabe: Der Einsatz von Holz dürfe nicht teurer als andere Baustoffe sein und dürfe auch den Zeitplan nicht verzögern. Der SC-Vorstand nannte denn auch als wichtigstes Kriterium, dass das beim Bürgerentscheid abgesegnete Budget von 70 Millionen Euro eingehalten werden müsse. Es dürfe, trotz aller Gewährleistungen, kein Restrisiko beim Verein verbleiben. Auf den finanziellen Rahmen hatten laut Pressetext "mit Nachdruck" auch Baubürgermeister Martin Haag und Rechtsamtsleiter Matthias Müller hingewiesen, der an die Vorgaben der Kommunalaufsicht erinnerte: Die im Bürgerentscheid genannte Summe sei bindend.

Europaweite Ausschreibung

Wie geht es weiter mit dem Stadion? Anfang des Jahres 2016 wird die europaweite Ausschreibung eines Vergabeverfahrens aller Planungs- und Bauleistungen erfolgen. SC und Stadt suchen also einen "Totalunternehmer", der alle Leistungen aus einer Hand bietet. Parallel wird dann die Gründung der Stadion Freiburg Objektträgergesellschaft auf den Weg gebracht, die von April 2016 an als gemeinsame Gesellschaft der Stadt und des SC als Betreiberin des neuen Stadions fungiert.
Hintergrund: Das Allianz-Riviera-Stadion in Nizza

4000 Solarpaneele auf dem Dach und ein netzartiges Tragwerk aus Holz und Metall: Im Nizza wurde nach zwei Jahren Bauzeit am 22. September 2013 das Allianz-Riviera-Stadion eröffnet. Beim Holztragwerk wurden 4000 Kubikmeter Rohholz verbaut, mehr als 8000 Stunden flossen in die Planung der Konstruktion. Das Stadion hat 35.624 Sitze und 44 private Sitzbereiche. Die Kosten beliefen sich auf 243 Millionen Euro.

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Autor: Joachim Röderer