Fußball-Bundesliga

SC Freiburg gegen Hertha: enttäuschendes Unentschieden

René Kübler

Von René Kübler

So, 22. September 2013 um 19:40 Uhr

SC Freiburg

Der SC Freiburg wartet weiter auf den ersten Saisonsieg in der Bundesliga. Trotz der frühen Führung durch ein Tor von Admir Mehmedi (6. Minute) kommt der Sportclub nicht über ein Unentschieden hinaus.

Jos Luhukay ist ein freundlicher Mensch. Und ein netter Kollege. Der Trainer von Hertha BSC Berlin spricht nach dem 1:1 beim SC Freiburg von einem glücklichen Punktgewinn seiner Mannschaft. Er lobt die Arbeit seines Kollegen Christian Streich. Kritik hat der Niederländer nur für seine Spieler übrig. "Verunsichert, nicht zwingend, nichts für Fußball-Liebhaber", lautet Luhukays Urteil.

Was nett gemeint ist, verstärkt den Freiburger Frust. Gegen diesen Gegner, den der Hertha-Coach selbstkritisch-treffend beschreibt, sollte der SC gewinnen. Besonders dann, wenn das taktische Konzept grundsätzlich aufgeht. Die Berliner hatten in Halbzeit eins keine einzige nennenswerte Torchance. Und doch traf Per Skjelbred zum 1:1 (38.). Ein langer Einwurf und der Sekundenschlaf Christian Günters genügten dem Norweger, um den Ball ins Netz spitzeln zu können. Es war eine jener Szenen, die Sebastian Freis später wie folgt beschreibt: "Wir sind uns selbst im Weg gestanden." Dem Gegner dafür nicht.

Dabei hatte die Richtung zu Beginn der Partie gestimmt. Eine schnelle Balleroberung, Freis’ umgehender Steilpass und Mehmedis dynamisch-feine Vollendung waren im Freiburger 1:0 gemündet (6.). Eine zielstrebige Aktion, die Erwartungen weckte. Als Fernandes kurz danach das 2:0 nur knapp verpasste, schien die Zielrichtung des SC klar: druckvoll nach vorn. Ein Trugschluss. Anstatt den psychologischen Rückenwind zu nutzen, drehten die Gastgeber ab. Ängstlich, verunsichert wirkten sie phasenweise. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass sie in erster Linie die Vorgabe ihres Trainers umzusetzen versuchten. "Wir haben uns entschieden, nicht voll draufzugehen", erklärt Christian Streich später. Der Respekt vor den Umschaltkönnern aus der Hauptstadt hatte den SC-Trainer zu untypischer Vorsicht in der taktischen Ausrichtung seines Teams veranlasst. "Sonst", sagt Streich, "wären die Räume zu groß geworden."

Wütende Zuschauer durch die häufigen Rückpässe

Die Masse an Rückpässen trieb große Teile des Publikums in die Verzweiflung. Einige ließen auch ihrer Wut freien Lauf. Zurückhaltende Defensivtaktiken sind die Fans im Breisgau nicht gewöhnt. Streich dagegen war mit dem defensiven Teil des Konzepts durchaus zufrieden. "Immerhin haben wir es geschafft, eine spielstarke Mannschaft wie die Hertha nicht in die Partie zu lassen." Mehr als bescheidenen Realismus kann Streich in der aktuellen Findungsphase seiner Mannschaft nicht anbieten. Die devote Spielweise des Sportclubs hatte selbst die Konkurrenz irgendwie verwirrt. "Wir hatten Freiburg viel offensiver erwartet", gesteht Hertha-Akteur Johannes van den Bergh.

Offensiv – das funktioniert beim SC Freiburg derzeit nicht. Schnell nach vorne spielen? Zu riskant, findet Streich. Unmöglich sogar. "Wir mussten ruhig bleiben, es durfte nicht schneller gehen." Belege dafür gab es im weiteren Spielverlauf genügend. Selbst im Sicherheitsmodus unterliefen Streichs Akteuren reihenweise Fehlpässe. "Zu unruhig nach der Balleroberung, im Spielaufbau zu wenig Bälle angekommen", räumt Streich ein. Fallou Diagne, von den Berlinern dank geschickten Attackierens in die Rolle des SC-Profis mit den meisten Ballkontakten gedrängt, schlampte deutlich zu oft. Auch Julian Schuster tat sich schwer, Zuspiele an den (eigenen) Mann zu bringen. "Wir finden momentan einfach nicht die besten Lösungen", fasst Sebastian Freis zusammen.

Der Angreifer selbst hatte eine ordentlich Leistung geboten. Fleißig wie immer glänzte er zu Beginn einige Male als kreativer Passgeber. Auch Admir Mehmedi, sein offensiver Kollege, enttäuschte nicht. Der Schweizer traf erneut, verhielt sich zudem taktisch geschickter als zuletzt. Und er spulte ein beachtliches Laufpensum ab. Streichs Lob ist berechtigt: "Admir hat einen richtigen Schritt gemacht, um in der Bundesliga anzukommen."

Mehmedi fasst vor Pokalspiel einen kuriosen Entschluss

Für den Sportclub gilt das noch nicht. Drei Punkte nach sechs Spielen sind wenig. Genau wie das dämliche 2:2 in der Europa League gegen Slovan Liberec drücken sie aufs Gemüt. Selbst beim Torschützen. "Die beste Therapie wäre, wenn wir gewinnen. Aber immer, wenn ich treffe, gewinnen wir nicht", sagt Mehmedi. Vor dem DFB-Pokalspiel am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) gegen den VfB Stuttgart hat er deswegen einen kuriosen Entschluss gefasst. "Gegen Stuttgart treffe ich einfach mal nicht." Bleibt aus SC-Sicht zu hoffen, dass irgendeiner der Freiburger Protagonisten noch eine bessere Idee hat.

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