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27. August 2013 21:54 Uhr

Remis

SC Freiburg gelingt Coup gegen den FC Bayern München

Überraschung an der Dreisam: Der SC Freiburg hat dem FC Bayern München ein Unentschieden abgerungen. 1:1 "gewannen" die mutigen Breisgauer gegen fehleranfällige Bayern.

  1. Nicolas Höfler schoss den SC Freiburg zum 1:1. Foto: dpa

Das ist der Tag, auf den viele lange gewartet haben. Der FC Bayern ist in der Stadt, der Meister aller Klassen. Gerne messen sich die Spieler mit den Branchenbesten, Trainer erhoffen sich Einblicke und Erkenntnisse in taktischer Hinsicht und die Klubchefs reiben sich die Hände: "Ausverkauft" steht draußen an den Kassenhäuschen. Zahltag ist. Am Dienstagabend war das alles in Freiburg zu erleben und zu besichtigen. Das Stadion rappelvoll, die Besucher in froher Erwartung eines Spektakels. Frei nach dem Motto: Wenn es schon, wie vor wenigen Tagen geschehen, bei einem Team wie der TSG Hoffenheim (3:3) richtig rundgeht, was erwartet uns dann erst gegen die Bayern?

Laprévotte spielt überraschend von Anfang an

Zunächst einmal eine interessante Aufstellung: Charles Laprévotte, eigentlich bei den Amateuren zu Hause und dort schon mehrfach positiv aufgefallen, durfte beim Sportclub von Anfang an ran. Auf der linken Seite vertrat er den in Hoffenheim mit Gelb-Rot bedachten Francis Coquelin. Auch Mensur Mujdza fehlte. Für ihn rückte Christian Günter in den Defensivverband.
Mag dies den einen oder anderen überrascht haben, so wurden die Gesichter doch ein bisschen lang, als die Formation der Bayern bekannt gegeben wurde. Ohne Lahm, Alaba, Boateng und Mandzukic, vor allem aber ohne Ribéry und Robben. Eine Provokation, keine Wertschätzung für den Gegner aus Freiburg? Wohl kaum: Trainerfuchs Pep Guardiola wird sein Stammpersonal am Freitag in Prag dringender und vor allem gesund benötigen, wenn es gegen den FC Chelsea um den europäischen Supercup geht. Van Buyten, Shaqiri, Rafinha, Pizarro, Contento und Götze rückten dafür in die Elf von Trainer-Guru Pep Guardiola – auch nicht gerade Namenlose, irgendwie. Immerhin: ein kleines Spektakel schon vor dem Anpfiff.

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Bayern brauchte Zeit, sich zu organisieren

Was folgte, war zunächst ein erfrischender Schlagabtausch (Fotos). Der Sportclub nutzte die anfängliche Findungsphase der Bayern, attackierte hoch, und versuchte, den Spielfluss der Isar-Kicker gleich im Ansatz zu ersticken. Erstaunlich oft blickten sich Münchner dann auch dem Ball nach. Mit zunehmender Spielzeit organisierte sich das ballsichere Ensemble um Bastian Scheinsteiger dann aber doch. Vor allem Xherdan Shaqiri und Toni Kroos taten sich als Gestalter hervor, ohne jedoch die Freiburger Abwehr in die Bredouille bringen zu können. Zwingende Chancen erarbeitete sich keine der beiden Mannschaften, das Spiel fand fast ausschließlich im Mittelfeld statt, wo der Raum zum Kombinieren folglich extrem eng wurde.



Nach 20, 25 Minuten zogen die Münchner dann etwa das Tempo an. Mit der Folge, dass sich die eine oder andere Unkonzentriertheit bei den Gastgebern bemerkbar machte, die Fehlpassquote zunahm. Insbesondere in der 33. Minute. Günter ließ nach einer schnellen Ballstafette der Bayern Thomas Müller ungestört flanken, während vor dem Tor Oliver Sorg den in seinem Rücken auftauchenden Shaqiri aus den Augen verlor. Mit dem Ergebnis, dass der Schweizer in aller Ruhe ausholte und den Ball via Pfosten vorbei an Baumann ins Tor drosch. Mit dem 0:1 aus SC-Sicht ging’s auch in die Kabinen.

Die zweiten 45 Minuten schienen zunächst die Befürchtungen so mancher Zuschauer zu bestätigen. Die Bayern ließen den Ball in ihren Reihen kreisen, sie trieben den Sportclub vor sich her – und erspielten sich gleich drei Großchancen binnen kürzester Zeit. Nur Dank Baumanns großartiger Paraden blieben die Freiburger im Spiel. Der Keeper machte sich groß, machte sich breit – wie ein Goalie im Eishockey. "Oliver Baumann! Oliver Baumann!" tönte es nach der 74. Minute von den Rängen.

Im letzten Drittel schienen dann bei den Freiburger Feldspielern die Kräfte nach dem anstrengenden Schlagabtausch zuletzt gegen Hoffenheim (3:3) etwas zu schwinden. Auch ein Grund dafür, dass Christian Streich nach einer Stunde zu rotieren begann. Kerk kam für Laprévotte, Höfler für den plattgelaufenen Schuster – später noch Hanke für Guédé.



Frischzellenkur wirkt Wunder

Die Frischzellenkur wirkte Wunder, während die Bayern zunehmend versuchten, das Ding über die Runden zu schaukeln. Das ging gut bis in die 86. Minute, als die Freiburger einen elanvollen Konter starteten. Freis durfte schließlich auf den freistehenden Höfler flanken, der in aller Seelenruhe den Ball ins Bayern-Netz platzierte. Der Jubel war grenzenlos, auf dem Feld, den Tribünen. Damit hatte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr gerechnet. Der Sportclub war belohnt worden für nicht nachlassenden Eifer und den unbändigen Willen, nicht noch ein Spiel zu verlieren.

Julian Schuster findet das 1:1 gut für die Psyche

Hinterher herrschte auf Freiburger Seite – natürlich – eitel Sonnenschein. "Dass wir das erleben durften, hat seinen Grund darin, dass die Spieler mit der Frustration des Hinterherlaufens gut zurechtgekommen sind", analysierte Christian Streich hinterher. Wäre das 0:2 gekommen, so war er sich sicher, "hätten wir mit Sicherheit verloren".

Dass man das nicht hatte, fand auch Julian Schuster prima. "Zum ersten Mal habe ich überhaupt gegen die Bayern einen Punkt geholt", sagte der Kapitän. Schuster fand es auch wichtig, dass man mit diesem Punktgewinn jetzt in die Länderspielpause gehen kann; "gut für die Psyche". Und Torschütze Nicols Höfler? Der hatte ein freches Lächeln im Gesicht und befand: "Von so etwas träumt man als Spieler, auch ich habe von einem solchen Tor geträumt."

So mancher Zuschauer wohl auch. Zumindest die Freiburger Fans gingen hochzufrieden nach Hause. Der SC scheint nach den Niederlagen gegen Leverkusen (1:3) und Mainz (1:2) und dem Remis in Hoffenheim wieder in die Spur zu kommen.

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Autor: Michael Dörfler