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17. Dezember 2011
Polizei greift bei jungen Ultras ein
Nach verschiedenen Zwischenfällen: Jugendschutzgesetz soll bei minderjährigen Problemfans angewandt werden.
Bei Bundesligaspielen des SC Freiburg hat die Polizei minderjährige Mitglieder unter den Ultras im Blick. Kinder und Jugendliche sollen aus der Gruppe herausgeholt werden – zu ihrer eigenen Sicherheit, sagt Gabriel Winterer, der Leiter des Polizeireviers Süd. Die Polizei stützt sich dabei auf einen Paragrafen des Jugendschutzgesetzes und hat ihr Vorgehen mit dem Jugendamt der Stadt Freiburg abgestimmt. Nach Beobachtung der Polizei hat die Zahl der Ultras in Freiburg zugenommen – und auch die Zahl der "gruppendynamischen Auseinandersetzungen".
Der SC Freiburg stand bislang immer am Ende der Bundesligatabelle, wenn es um Anzahl und Heftigkeit von Fankrawallen geht. Aber es ist unruhiger geworden: Gabriel Winterer hat eine Liste von Zwischenfällen, die bei insgesamt zehn Fußballspielen in diesem Jahr registriert wurden. Danach gab es Schlägereien nach Auswärtsspielen in Hamburg, Stuttgart und Hoffenheim sowie jüngst nach dem Heimspiel gegen Hertha BSC. 30 Freiburger Fans und vier Polizeibeamte wurden beim schlimmsten Zwischenfall des Jahres, bei der Partie in Kaiserslautern, verletzt. Die Ermittlungen laufen noch. Augenzeugen berichteten, dass in der Pfalz weder ein privater Sicherheitsdienst noch die Polizei zur Deeskalation beigetragen haben.Werbung
In Freiburg hat man das Problem erkannt, dass die Gruppe der Ultras wächst – von der lange konstanten Zahl von 100 Hardcore-Fans auf die doppelte Zahl. Darunter befinden sich auch Kinder, die erst 13 oder 14 Jahre alt sind und auch Jugendliche. Hier sieht die Polizei eine Gefährdung für diese jungen Fans und wendet in Abstimmung mit dem Jugendamt den Paragrafen 8 des Jugendschutzgesetzes an. Der fordert ein Eingreifen, wenn sich Kinder oder Jugendliche an einem Ort aufhalten, an dem "eine unmittelbare Gefahr für körperliche, geistige oder seelische Wohl droht". Die Polizei hat bereits in drei Fällen eingegriffen und ganz junge Fans zu ihren Eltern gebracht: "Die sind aus allen Wolken gefallen", so Winterer. Die Reaktionen seien positiv gewesen.
Winterer sagt auch: "Es geht uns nicht darum, Stimmung gegen die Ultras zu machen, sondern um Jugendschutz- maßnahmen im Umfeld von Problemfangruppen." Im Arbeitskreis Sport und Sicherheit ist das Vorgehen der Polizei abgesprochen worden: "Man kann nicht immer nur sagen, bei uns ist heile Welt und die Augen zumachen", so Her- bert Mayer vom Sportreferat der Stadt. Michael Weber, der hauptamtliche SC-Fankoordinator ist, findet "nicht falsch" wie die Polizei vorgeht, will aber kein zu offensives Auftreten. "Die Ultras gehören dazu, man darf sie jetzt auch nicht verteufeln."
Die Polizei wünscht sich, dass sich der Verein um die jungen Fans kümmert. Detelf Romeiko, der Verwaltungsleiter des Sportclubs, könnte sich eine Art Juniorenclub für die Jugendlichen vorstellen, analog zum Füchsleclub, der bei den ganz kleinen SC-Fans schon 900 Anhänger gefunden hat. Aber Romeiko dämpft auch die Erwartungen: "Wir können keine Sozialarbeit machen". Zu den Ultras will er nichts sagen: "Wir wollen mit den Verantwortlichen der Ultras sprechen nicht über sie und es gibt immer Gespräche."
Die Fangemeinschaft des SC äußert sich in einem in der aktuellen Ausgabe der Stadionzeitschrift Heimspiel in einem von 50 Fanclubs unterschriebenen offenen Brief, in dem sich deutliche Abgrenzungen zur Ultraszene finden: "Die überwiegende Mehrheit der Freiburger Anhänger ist weder aggressiv noch gewaltbereit."
Die Fangemeinschaft stellt sich auch ohne Wenn und Aber hinter das Pyrotechnikverbot. Alle Fans müssten auf den Weg der Kommunikation zurückkehren, heißt es.
DER SC UND SEINE FANS
Der SC Freiburg hat rund 2200 organisierte Fans in 60 Fanclubs unter dem Dach der Fangemeinschaft. Daneben gibt es zwei Fangruppen, die zu den Ultras gehören: Die Wilden Jungs Freiburg und die National Born Ultras. Dazu gibt es die Supporters Crew Freiburg, die sich als Interessenverband verschiedener SC-Fans versteht und zu der auch Teile der beiden Ultragruppen gehören.
Autor: rö
Autor: Joachim Röderer
