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10. Februar 2012 20:18 Uhr
Auswärtsniederlage
SC Freiburg verliert in Wolfsburg mit 2:3
Der SC Freiburg hat die Chance verpasst, wichtige Punkte im Abstiegskampf zu sammeln. Beim VfL Wolfsburg unterlag der Tabellenletzte mit 2:3. Individuelle Fehler und der Schiedsrichter gaben den Ausschlag.
Normalerweise sind die Profis des SC Freiburg bis ins kleinste Detail auf den Gegner vorbereitet. Nach intensiven Spielbeobachtungen kann die Konkurrenz so gut wie nichts vor den Breisgauern verheimlichen. Beim VfL Wolfsburg ist es jedoch nichts so einfach mit der Informationsbeschaffung. Was nicht daran liegt, dass es bei den Niedersachsen geheimer zugeht als anderswo. Sie haben nur einen, der gerne Verwirrung stiftet. Nicht bewusst, sondern einfach weil es zu seinem Arbeitsstil gehört. Felix Magath ist der berüchtigtste Personalaustauscher der Bundesliga. Nicht nur, weil er während Transferperioden enorm aktiv ist – zuletzt verpflichtete der VfL-Coach acht neue Spieler. Magath hat auch keinerlei Probleme, seine Startelf von Spiel zu Spiel durcheinander zu wirbeln. Wer im Verlauf der Woche nicht nach dem Geschmack des dominanten Chefs trainiert hat, findet sich schnell auf Ersatzbank oder gar Tribüne. Deswegen musste Christian Streich, Magaths Freiburger Gegenüber, vor der Partie einräumen: "Wir wissen nicht so genau, wie Wolfsburg spielt."
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Es sollte sich recht schnell zeigen, dass die Gastgeber nicht sonderlich beeindruckend spielten. Es lag jedenfalls nicht an der Wolfsburger Spielkultur, dass die Freiburger schnell zurücklagen – und das gleich zweimal. Es war vielmehr erneut die unheilvolle Mischung aus unerträglicher Schlafmützigkeit des SC in der Anfangsphase und einer Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns. Wie freistehend Jiracek in der 5. Minute nach einem Eckball zum 1:0 einschießen durfte, war nicht zu glauben. Sollte es – wovon auszugehen ist – eine Zuteilung bei Standards des VfL gegeben haben, in diesem Moment hatte zumindest ein SC-Akteur seinen Bewachungsauftrag vergessen.
Immerhin reagierten die Gäste auf den Rückschlag ebenso zuverlässig engagiert wie sie zuvor defensiv versagten. Bereits in der 11. Minute glich Johannes Flum aus. Weil die Unparteiischen dann aber eine doppelte Abseitsstellung übersahen, durfte Schäfer zum 2:1 abstauben (14.). Wieder mussten die Südbadener etwas entgegnen – und taten es: Der äußerst aktive Daniel Caligiuri zirkelte den Ball zum 2:2 in die Maschen (38.). Danach schien der Sportclub endgültig die Kurve zu kriegen, agierte ballsicherer und druckvoller als die Wolfsburger. Allerdings hatte die Elf von Christian Streich auf den Außenpositionen in der Viererabwehrkette weiter Probleme, besonders Michael Lumb wurde das eine oder andere Mal überlaufen. Kurz vor der Pause konnten seine Kollegen nur mit großer Mühe den erneuten Rückstand vermeiden.
Dem neuformierten und dadurch noch unharmonischen Magath-Team blieb die individuelle Klasse. Speziell der athletische Neuzugang Giovanni Sio hatte einige gute Aktionen. Nach Wiederanpfiff setzte sich der Angreifer gegen drei Kontrahenten durch, SC-Schlussmann Oliver Baumann wehrte Sios Schuss aufmerksam ab (53.). Die Freiburger verpassten derweil erneut ihren Einsatz. Durch ihre Passivität ermöglichten sie den engagierten "Wölfen" die Spielkontrolle – und das 3:2. Wieder hatte sich Jiracek der Bewachung entzogen, sein abgefälschter Schuss senkte sich hinter Baumann ins Tor (61.).
Der Sportclub benötigte ein drittes Comeback in diesem Spiel. Doch mit zunehmender Dauer schwanden die Kräfte, das Unterfangen wurde von Minute zu Minute aussichtsloser. Die Wolfsburger waren auch weiterhin kein übermächtiger Gegner. Das mussten sie nun aber auch nicht mehr sein. Einigermaßen solides Verteidigen genügte, um den Gegner in Schach zu halten. Caligiuri bot sich zwar noch eine gute Gelegenheit (78.), diesmal bekam er aber keinen vernünftigen Abschluss mehr hin. Und Makiadis Schuss von halbrechts wurde von der VfL-Abwehr geblockt. Die Punkte waren weg.
Was den Freiburgern blieb, waren zwei Erkenntnisse: Im Offensivspiel haben sie sich verbessert, sind in der Lage, auf Schwächen ihrer Kontrahenten zu reagieren und diese in Bedrängnis zu bringen. Defensiv arbeitet der SC im Kollektiv mittlerweile ganz ordentlich, macht sich gute Ansätze aber immer wieder durch individuelles Fehlverhalten kaputt.
Gegen mäßige Wolfsburger waren die Freiburger trotzdem konkurrenzfähig. Doch am nächsten Samstag (18.30 Uhr) kommt der deutsche Rekordmeister FC Bayern München.
Wolfsburg: Benaglio, Träsch, Russ, Felipe Lopes, Rodriguez, Josué (46. Hasebe), Jiracek, Dejagah (73. P. Ochs), M. Schäfer, Mandzukic, Sio (62. Polter). Freiburg: Baumann, Sorg, Diagne, Höhn, Lumb (79. Freis), Flum, Makiadi, Schmid (62. Rosenthal), D. Caligiuri, Jendrisek, Santini (65. Reisinger). Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg). Tore: 1:0 Jiracek (5.), 1:1 Flum (11.), 2:1 M. Schäfer (14.), 2:2 D. Caligiuri (38.), 3:2 Jiracek (61.). Zuschauer: 23000. Gelbe Karten: Dejagah (4), Rodriguez / Freis.
22.20 Uhr: Abpfiff. Wolfsburg gewinnt gegen den SC Freiburg mit 3:2.
90. Minute: Zwei Minuten werden nachgespielt.
86. Minute: Die Zeit verrinnt ohne die ganz zwingenden Chancen für den SC.
80. Minute: Der SC Freiburg rüstet sich zur Schlussoffensive. Trainer Christian Streich hat mit Sebastian Freis einen weiteren Stürmer gebracht.
65. Minute: Jokertime beim SC Freiburg. Reisinger kommt für Santini
62. Minute: Freiburg bringt Rosenthal für Schmid
59. Minute: 3:2 für Wolfsburg. Jiracek schießt aus 18. Metern. Der Ball wird von Diagné abgefälscht und senkt sich hinter Baumann ins Freiburger Tor.
21.33 Uhr: Die zweite Halbzeit beginnt mit Anstoß für Wolfsburg. Der VfL bringt Hasebe für Josué, der SC Freiburg macht mit den selben elf Mann weiter, die bisher auf dem Platz standen.
21.16 Uhr: Halbzeit nach turbulenten ersten 45 Minuten.
43. Minute: Riesenchance für den SC Freiburg. Nach einem Angriff über links bis zur Grundlinie, kommt der Ball in den Fünf-Meter-Raum, aber ein Wolfsburger schlägt ihn kurz vor der Linie aus der Gefahrenzone.
38. Minute: Das 2:2 für Freiburg durch Daniel Caliguri. Eine Flanke von rechts saust durch den Wolfsburger Fünf-Meter-Raum und erreicht an dessen linker Ecke den freistehenden Caliguri. Der schlenzt den Ball aus sieben Metern ins lange Eck.
30. Minute: Das Spiel ist nun etwas ausgeglichener. Wolfsburg kommt aber immer wieder mit Flankenläufen bis zur Grundlinie gefährlicher vor das Freiburger Tor.
20. Minute: Kleine Zwischenbilanz. Der zweite Treffer war zwar nicht regelgerecht, die Führung für Wolfsburg aber ist verdient.
13. Minute: 2:1 für Wolfsburg durch Marcel Schäfer. Angriff über die rechte Seite. Flanke in die Mitte. Am Fünf-Meter-Raum der Freiburger verlängert Sio den Ball mit der Hacke, Marcel Schäfer schiebt den Ball mit einem Ausfallschritt aus wenigen Metern ins Freiburger Tor. Aber war der Treffer auch regulär? Im Moment, als er angespielt wurde, stand Sio im Abseits.
10. Minute: 1:1 durch Flum nach dem ersten vorzeigbaren Angriff der Freiburger. Flum erwischt im Wolfsburger Strafraum einen Abpraller zwei Meter hinter dem Elfmeterpunkt und platziert ihn im rechten unteren Eck.
9. Minute: Hat sich Wolfsburg von den Mainzern inspirieren lassen, die den SC Freiburg kürzlich mit einer furiosen Anfangsoffensive in die Knie zwangen? Die Mannschaft von Felix Magath legt los wie die Feuerwehr und setzt die Freiburger enorm unterm Druck.
5. Minute: Das 1:0 für Wolfsburg. Jiracek trifft nach einem zu kurz abgewehrten Eckball vom linken Fünfmeter-Eck mit einem Flachschuss ins lange Eck.
20.31 Uhr: Anpfiff
Freiburgs Trainer Christian Streich ist im Vergleich zum vergangenen Spieltag zu Änderungen in der Startformation gezwungen. Der verletzte Pavel Krmas und Anton Putsila, der eine Zahn-OP hatte, fallen aus. Diagné kehrt nach seiner Rotsperre in die Abwehr zurück. Neuzugang Santini spielt von Anfang im Sturm an. Daniel Caliguri ersetzt Jan Rosenthal, der auf der Bank sitzt. Dort nimmt nach seiner langen Verletzungspause erstmals wieder Oliver Barth Platz. Sebastian Freis, der gegen Werder Bremen vergangenen Sonntag passen musste, gehört ebenfalls zu den Ersatzspielern.
Die Aufstellungen
VfL Wolfsburg: Benaglio, Träsch, Russ, Felipe, Rodriguez, Josué (45., Hasebe), Jiracek, Dejagah (63., Ochs), M. Schäfer, Mandzukic, Sio (62., Polter)
SC Freiburg: Baumann, Sorg, Diagné, Höhn , Lumb (77., Freis), Flum, Makiadi, Schmid (62. Rosenthal), D. Caligiuri, Jendrisek, Santini (65., Reisinger)
Autor: René Kübler, Peter Disch (Ticker)
