DFB-Pokal

SC Freiburg verliert unglücklich mit 2:3 gegen Werder Bremen

René Kübler

Von René Kübler

Mi, 20. Dezember 2017 um 20:41 Uhr

SC Freiburg

Zwei Tore im Weserstadion reichen dem SC Freiburg im DFB-Pokal-Achtelfinale nicht, weil das Schiedsrichtergespann einen Bremer Treffer trotz Abseitsstellung gibt.

Zugegeben. Die Serie mit der Werder Bremen in Sachen DFB-Pokal aufwarten konnte, war beeindruckend. Seit 29 Jahren und 36 Spielen waren die Grün-Weißen in diesem Wettbewerb zu Hause ungeschlagen. Die letzte Pokalheimniederlage hatten die Bremer im April 1988 kassiert. Andererseits hatte der SC Freiburg an der Weser seit sechs Jahren nicht mehr verloren, zudem das zuvor letzte Pokal-Aufeinandertreffen beider Teams im Jahr 2000 1:0 gewonnen. Daten und Fakten, die für die aktuelle Partie keine Rolle spielten. Bedeutender waren einige Personalien. Der Ex-Freiburger und Werder-Topstürmer Max Kruse saß angeschlagen nur auf der Bank. Der SC war noch weitaus stärker dezimiert. Zu den Langzeitverletzten Florian Niederlechner, Mike Frantz und Marc Oliver Kempf gesellten sich Nicolas Höfler, Tim Kleindienst und Caglar Söyüncü, der ebenfalls nur auf der Bank Platz nehmen konnte. Übrig blieb eine eher experimentelle Startaufstellung, in der sich Caleb Stanko, Vincent Sierro und Bartosz Kapustka wiederfanden.

Schwierigkeiten im Freiburger Aufbauspiel

Es liegt in der Natur der Sache, dass man sich nicht so gut versteht, wenn (auf dem Platz) wenig Zeit zusammen verbringt. Die viel besagten Automatismen, die sich in der Regel durch regelmäßiges Zusammenspiel ergeben, fallen dann erstmal weg. Besonders dann, wenn der etatmäßige Taktgeber fehlt. Ohne Nicolas Höfler taten sich die Gäste schwer - im Aufbau- und im Umschaltspiel.

Dass der Sportclub nach drei Minuten bereits zurücklag, war dennoch nicht zwangsläufig. Sierros misslungener Kopfball zurück in Richtung Strafraum hätte nicht sein müssen. Jerome Gondorf nahm in dankend auf, setzte Ishak Belfodil in Szene, der sich die unverhoffte Chance knickt entgehen ließ und flach einschoss. Nachdem sich Lukas Kübler in der 20. Minute dann noch von Florian Kainz hatte ausstanzen lassen und dem Bremer Mittelfeldspieler das 2:0 gelungen war, schien die Sache klar. Zumal die Freiburger bis zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige vernünftige Offensivaktion initiiert hatten.

Petersen ist wieder erfolgreich

Zwei steile Pässe in die Tiefe entrissen den Gastgebern dann aber ihre vermeintliche Überlegenheit. Nach Kapustkas Zuspiel scheiterte Nils Petersen noch an Werder-Keeper Pavlenka. Als Stenzel Kübler schickte und dieser querlegte, ging Bargfrede im Duell mit Yoric Ravet etwas zu robust zur Sache. Den daraus resultierenden Elfmeter verwandelte Petersen zum 1:2 (28.). Vier Spiele (Köln, Gladbach, Bremen), vier Strafstöße, vier Treffer - der SC-Torjäger hat derzeit reichlich Übung. Es war zudem sein siebter Treffer in den vergangenen fünf Spielen.

Was dieses Anschlusstor bewirkte, war deutlich zu erkennen: Die Bremer, bis dahin mit einem durchaus energischen Offensivpressing aktiv, zogen sich zurück, reagierte nur noch, anstatt zu agieren. Der Sportclub war zurück bin der Partie. Und Christian Streich versuchte, den Effekt zu verstärken. In der Pause ersetzte er Sierro und Kapustka, die sich nicht sonderlich erfolgreich bemüht hatten, durch Söyüncü und Terrazzino. Koch rückte aus der Innenverteidigung ins Mittelfeld.

Treffer zählt trotz Abseitsstellung

Die Freiburger waren nun auf Augenhöhe. Weil auch Werder wieder wieder zu mehr Courage fand, entwickelte sich kein hochwertiges, aber ein durchaus packendes Pokalspiel. Eins, das durch einen weiteren krassen Fehler dann doch vorzeitig entschieden wurde. Nach Kochs Fehlpass konnte Bargfrede das 3:1 erzielen (69.), allerdings hatte Gondorf, der im Abseits stand, aktiv ins Geschehen eingegriffen - und der Linienrichter korrekt die Fahne gehoben. Nur Schiedsrichter Guido Winkmann war das alles egal. Auch, dass die Bremer Stadionregie unbedarft den Videobeweis (den es im DFB-Pokal nicht gibt) antrat und die Szene auf der Anzeigetafel wiederholte. Winkmann ignorierte alles und gab den Treffer. Was umso ärgerlicher war, da Ravet noch der zweite Freiburger Treffer gelang (87.).

Als sich nach Spielende alle wieder beruhigt hatten, schaute Nils Petersen nochmal kurz in der Schiedsrichter-Kabine vorbei. Das Ergebnis seines Besuchs verkündete er kurz danach. "Ich wollte mich kurz entschuldigen und er hat sich für seinen Fehler entschuldigt", berichtete Petersen. Genau wie Christian Streich, sein Trainer, wollte der Angreifer im Fehlurteil des Schiedsrichters nicht den Grund für die Niederlage sehen. "Wir hatten uns vor dem Spiel eigentlich nochmal darauf eingeschworen, dass das nicht mehr passiert", verrät Petersen: "Und dann liegen wir gleich wieder 0:2 hinten. So viele Tore kannst du gar nicht schießen." Stand jetzt seien die Freiburger Auswärtsauftritte in dieser Saison viel zu dürftig ausgefallen. Es klang wie ein Arbeitsauftrag für die kurze Vorbereitung auf die Rückrunde.

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