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16. Januar 2015 18:45 Uhr

Freiburg

SC-Stadion: Segelflieger könnten wohl doch am Flugplatz bleiben

Überraschende Wende: Die Freiburger Segelflieger könnten auch bei einem Neubau des SC-Stadions am Flugplatz bleiben. Die Grasbahn soll verlegt werden. Die Flieger lehnen die neuen Pläne jedoch ab.

  1. Derzeit starten die Segelflieger links der Asphaltbahn der Motorflieger. Künftig sollen sie zwischen der Asphaltbahn und dem Rollweg starten und landen. Foto: Patrick Seeger

Die Segelflieger müssen wohl doch nicht den Abflug am Flugplatz machen, sollte dort das SC-Stadion gebaut werden. Dies geht aus Plänen der neuen Leitung der Flugplatz Freiburg GmbH hervor. Die Grasstart- und -landebahn der Segelflieger soll nach Osten zwischen die Asphaltbahn der Motorflieger und den Rollweg verlegt werden. Die Verlegung werde auch kommen, wenn das Stadion nicht gebaut wird, so Michael Broglin, Geschäftsführer des Flugplatzes. Denn derzeit müssten die Segelflieger die Motorfliegerbahn kreuzen, was ein großes Risiko darstelle.

Zu Jahresbeginn hat es einen Wechsel an der Spitze der städtischen Flugplatz-GmbH gegeben. Michael Broglin, im Hauptberuf Chef der Stadtreinigung (ASF), als sein Stellvertreter amtiert Frank Uekermann, der Chef des Garten- und Tiefbauamtes. Die beiden Neuen, die selbst keine Flieger sind, unterzogen alle Planfeststellungsunterlagen und sicherheitsrelevanten Fragen einer Prüfung. Und kündigen nun Änderungen für den Flugplatz an, ganz unabhängig von der Stadionfrage. So soll künftig ein GPS-Landesanflug möglich sein und nicht nur wie bisher ein Anflug auf Sicht. Eine Landebahnbefeuerung mit roten Lampen wird installiert. Am Ende der Landebahn wird ein sogenannter Blastzaun installiert, der zum Beispiel vorbeifahrende Radler von durch Flugzeuge verursachten Aufwirbelungen schützt.

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Die neue Geschäftsführung hat auch noch einmal die Abstandsflächen zur neuen Messe-Straßenbahnlinie untersucht. Und jetzt wird es spannend: Bisher war man von einem Landebahn-Mindestabstand von 50 Metern ausgegangen. Aber: Tatsächlich liegt gesetzliche Vorgabe seit 2001 nur noch bei 40 Metern. Diese Vorgabe erleichtert nicht nur die Nachbarschaft von Landebahn und Tramlinie, sondern sie eröffnet eine neue Möglichkeit fürs Segelfug-Dilemma: Die Grasstart- und Landebahn liegt westlich der Asphaltbahn, schon auf möglichem künftigem Stadionareal. Deswegen schien es für die Segelflieger genauso wie für die Fallschirmspringer keinen Platz mehr zu geben, sollte die SC-Arena kommen.

Segelfliegerbahn wird auf jeden Fall verlegt

Die Segelfliegerbahn könnte nun aber, da es nur noch 40 Metzer Abstand braucht, zwischen den Rollweg, der als Anfahrt für Starts- und Landungen dient, und die Asphaltlandebahn gesetzt werden. Alle gesetzlichen Vorgaben seien jedenfalls erfüllt, so die Flugplatz-Chefs. In dieser Woche haben sie die Pläne auch den Fliegern vorgestellt. Broglin und Uekermann bekräftigen, dass ihre Pläne nichts mit der Stadion-Abstimmung zu tun haben. Sie seien erst seit knapp zwei Wochen im Amt. Warum der geänderte Abstand zuvor nicht aufgefallen ist, wissen sie nicht. Michael Broglin betont, dass man das notwendige Planverfahren für alle nötigen Änderungen bereits eingeleitet habe.Nach dem Bürgerentscheid sollen dann alle Betroffenen in diesem Verfahren gehört werden.

Denn verlegt werden soll die Segelfliegerbahn auf jeden Fall – schon aus Sicherheitsgründen: "Es ist ein großes Risiko, wenn die Segelflieger immer erst über die Motorflugpiste geschleppt werden müssen", so Broglin.Teils geschehe dies ohne Funkkontakt. Einen Vorteil hätten sowohl Segel- und als auch Motorflieger, weil künftig mehr Starts und Landungen auf den Bahnen möglich seien, da das Kreuzen wegfalle, was den Betrieb einschränkt. Ein Parallelbetrieb ist nicht möglich.

Das Regierungspräsidium als zuständige Behörde ist informiert und wird ein förmliches Verfahren einleiten. Dass dies positiv beschieden werden kann, dafür sieht die Flugplatz-GmbH alle Voraussetzungen erfüllt. Mit Blick auf den Bürgerentscheid am 1. Februar will das Regierungspräsidium zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben, sagt dessen Sprecher Matthias Henrich.

Flieger lehnen Verlegung der Landebahn ab

Und die Flieger? Die lehnen die neue Idee ab. Gert Schütt, erfahrener Pilot und Vorsitzender des Breisgauvereins für Segelflug, hält die Landebahn am neuen Platz für zu eingeengt: "Aus reinen Sicherheitsaspekten ist das fragwürdig. Das ist hochriskant, Unfälle wären vorprogrammiert." Er sagt auch, auf die derzeitige Grasstart- und landebahn könne nicht verzichtet werden, weil man sie als Notlandemöglichkeit brauche. Und Schütt bezweifelt, dass eine 600 Meter lange Startbahn für größere und schwerere Segelflugzeuge ausreicht: "Es liegt ja hinter der Bahn keine freie Fläche, sondern Mooswald-Baumbestand."

Udo Harter, Betreiber der FFH Flugschule, verweist darauf, dass die Ost-Verlegung schon einmal untersucht und verworfen worden sei. "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagt Harter und kündigt Widerstand auch aus Sicht der Motorflieger an. Zudem hätte erst einmal der Flugleiter gehört werden müssen. Dass es Probleme durch das Kreuzen der Landebahnen gegeben hat, weist er zurück.

Im Rathaus sieht man dagegen die neue Entwicklung positiv. Es sei zwar unangenehm, dass diese Variante erst jetzt auf den Tisch komme, sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon: "Es hat uns ja immer leid getan, dass wir den Segelfliegern nichts bieten konnten". Der Oberbürgermeister geht fest davon aus, dass nun eine Lösung gefunden ist. Dass die Flieger sich im Moment skeptisch geben, überrascht ihn nicht. Salomon: "Ich glaube aber, dass nach dem 1. Februar alle glücklich über diese Lösung sind."
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Autor: Joachim Röderer