Anekdoten und ein vielstimmiges Erlebnis

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mi, 23. Mai 2018

Schallbach

Programm des Gesangvereins und Gisela Sütterlins Geschichten krönen Kulturtage-Abschlusss.

SCHALLBACH (sil). Schallbachs Gesangerein schuf einen eindrucksvoll-vielstimmigen Ausklang der Kulturtage. Der gemischte Chor unter Alexander Sehringers Leitung geht seit seinem Jahreskonzert im Januar erklärtermaßen "auf neuen Wegen" und kam damit sehr gut an beim Publikum in der nahezu voll besetzten Peter- und Paulkirche.

Noch traditionell eröffnete der Chor der Erwachsenen das Konzert mit "Abendstille in den Bergen", modern machte der Jugendchor weiter. Unter Sehringers inspirierter Leitung sangen die sieben jungen Mädchen Enyas "Only time" und Adeles "Make you feel my love" – zwei romantische Popballaden, die gut zu den süßen Stimmen des noch recht neuen Jugendchors passten.

Passend zur sakralen Umgebung hatte der gemischte Chor etliche Lieder mit hymnischem Charakter im Repertoire, die auch gut zu Gisela Sütterlins "Anekdoten aus dem Ortsfamilienbuch" passten. Hier hatte die Gesangvereinsvorsitzende interessante Einträge entdeckt, in denen sich die Auswirkungen des großen Weltgeschehens auf das Leben der kleinen Leute wieder spiegeln: Etwa dann, wenn die Truppen der Franzosen und der österreichischen Habsburger hier in der Region immer wieder aufeinander trafen. "S‘ Land isch grundsätzlich zwische de Stüehl vo de Herrschende g‘sesse", sagte Sütterlin dazu. Auch in Schallbach waren Söldner einquartiert, zwei von ihnen wurden 1793 im Wirtshaus von einem Korporal erstochen.

Dazu passte Udo Lindenbergs melancholisches "Durch die schweren Zeiten" und Udo Jürgens anrührende Hymne "Ihr von Morgen" – eindrucksvoll und mit ausgeprägter Dynamik gesungen. Und wieder erzählte Sütterlin, vom "Jahr ohne Sommer" 1816, als sich infolge eines Vulkanausbruchs im fernen Indonesien ein Schleier aus Staub, Asche und Schwefelverbindungen um den gesamten Erdball gelegt hatte. "Am 17. Oktober 1816 fiel der erste Schnee und dieser blieb", wurde in Schallbach notiert. Hungersnöte und Auswanderungen folgten – und auch Familienzusammenführungen: So bat eine Ausgewanderte die Gemeinde mit Erfolg um Unterstützung, damit ihr kleines Kind nachkommen konnte.

Es folgte das traditionelle "Morgenrot" und John Lennons Vision einer besseren Welt: "Imagine". Hier verliehen die etwas später einsetzenden Männerstimmen dem Lied großen Nachdruck und mitreißende Fülle. Die 446 Jahre alte Geschichte vom betrogenen Ehemann, über den das ganze Dorf spricht "Je ne l’ose dire", mit ausgefeilter Mehrstimmigkeit gesungen, passte wiederum zu den Anekdoten darüber, wie das scharfe Auge der Kirche früher über dem täglichen Leben wachte und das "liederliche Sauleben" eines Brüderpaares kritisierte. Doch es gab auch Grenzen. "Der Seelsorger mischt sich in Gemeindedinge, die ihn nichts angehen", wurde etwa 1699 vermerkt.

Der Jugendchor trat im Konzertverlauf immer wieder auf, gewann dabei hörbar an Selbstsicherheit und bekam starken Applaus für Rita Oras lebhaft und dynamisch abwechslungsreich interpretierten Song "Anywhere".

Eva Grether, eine der jungen Sängerinnen, fing vor zehn Jahren im damaligen Kinderchor an und singt bis heute. Hierfür wurde sie von Doris Ludin, Präsidiumsmitglied des Obermarkgräfler Chorverbandes, mit Ehrungsurkunde und Eintrittskarte in den Europapark Rust ausgezeichnet.

Zuletzt vereinten sich Jugend- und gemischter Chor zum großen Klangkörper. Für ihr suggestives "Adiemus", wirkungsvoll umrahmt durch Tilman Fehses Pianobegleitung und Laurina Fuchs‘ Flötenspiel, gab es großen Beifall, beim Gospel "Oh happy day" animierte Solist Sehringer erfolgreich die Zuhörerschar zum Mitsingen und -klatschen – und nach langem, starken Beifall ging es in der Kirche nochmals mitreißend und schwungvoll zu mit der Zugabe "Say the world".