Rundum gelungene Unterhaltung

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mo, 14. Januar 2019

Schallbach

Die Schallbacher Sänger ernten reichlich Applaus / Rehverlosung heutzutage ohne Rehpräsentation.

SCHALLBACH (sil). Zarte Töne zur Eröffnung, eine überraschende Sketcheinlage samt glitzerndem Knalleffekt zum Abschluss: Schallbachs Sänger und ihr Chorleiter Alexander Sehringer sorgten vor vollem Haus für ein rundum unterhaltsames Jahreskonzert. Unter Sehringers inspirierter Leitung gestalteten der gemischte Chor und der Jugendchor "Singing Revolution" gleichberechtigt den Abend.

Eröffnet wurde das Konzert durch den Jugendchor. Ohne Notenblätter und mit kleinen Choreografieeinlagen sangen die sieben jungen Mädchen querbeet das, was ihnen Spaß macht: Moderne Titel aus dem Film "The Hunger Games", dazu Musicalhits und Hits von Ray Charles über die Beatles bis zu Abba und Adele.

Der Jugendchor, der beim Jahreskonzert 2018 seinen ersten großen Auftritt hatte, präsentierte sich mit gutem Rhythmusgefühl und sicherer Intonation. Jetzt müssen die jungen Sängerinnen nur noch ihre Schüchternheit ablegen, ihren Stimmen vertrauen und diesen mehr Nachdruck geben– was im zweiten Programmteil stellenweise bereits passierte. Dort kam etwa Ray Charles‘ "Hit the road Jack" mit einer guten Portion Soul herüber. Dafür gab es starken Applaus, ebenso für den Abba-Hit "Mama mia". Schön waren auch das eindringliche "The Hanging Tree" und Elena Tiedemann Abellas und Nele Wursters Duett bei "Only hope" .

Souverän begleitet wurden beide Chöre von Julian Moreen am Piano und Johannes Pfeiffer am Schlagzeug. Unter dem Motto "Was uns zusammen hält" widmete sich der gemischte Chor Liedern über Sehnsucht, Liebe und Hoffnung wie dem dramatisch-bewegenden "Adiemus". Kontrastreich ging es weiter, mit "Major Tom" und "völlig losgelöst von der Erde" zum Volkslied "Oh Täler weit, oh Höhen". Mit homogenem Klang und viel Gefühl folgten das melodische "Mehr will ich nicht von Dir". Auch Udo Jürgens "Mit 66 Jahren" machte den Sängern hörbar großen Spaß – und zum Gospel "O Happy Day" wippte und klatschte das Publikum beschwingt mit. Mittendrin im großen Applaus betrat "Kriminalobermeister Staller" alias Klaus Kiesewetter die Bühne und verhaftete den Chorleiter wegen "Rauschgift", vorgebliches Corpus Delicti waren Kräuterteebeutel. Nahezu widerstandslos ließ sich Sehringer abführen, um gleich darauf rehabilitiert als "Seine Majestät, der Dirigent" zurückzukehren. Die Freude über das Wiedersehen feierte der Chor mit dem Partykracher "Das geht ab" und Goldkonfettiregen. Mit anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum und bekam zwei schwungvolle Zugaben zum Mitsingen.

Mit der traditionellen Rehverlosung folgte der letzte Höhepunkt des Abends. Schallbachs Jagdpächter Helmut Sütterlin hatte das fachgerecht zerlegte Reh gestiftet. An dieser Verlosung zeigt sich der Wandel der Zeiten: Bis 2007 wurde das Stück Wildbret vor der Verlosung direkt auf der Bühne präsentiert. Es folgte ein Intermezzo mit einem ausgestopften Reh. Hiermit jedoch seien einige Bürger nicht einverstanden gewesen, wie Alt-Chorvorsitzender Erich Meier erzählte: "Aus Pietätsgründen". Seitdem stellt man einfach ein Reh-Bild auf.