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22. September 2016

Bau von "Weiermatten" verzögert sich

Probleme bei Ankauf eines Grundstücks / Siegerentwurf für Schallschutzriegel in Schallstadt gekürt.

  1. Mit diesem Entwurf für den Riegelbau im Neubaugebiet „Weiermatten“ hat Architekt Rolf Disch den Gemeinderat überzeugt. Foto: Visualisierung: Disch

SCHALLSTADT. Um das Neubaugebiet "Weiermatten" in Schallstadt realisieren zu können, muss aus emissionsrechtlichen Gründen eine Schallschutzwand in Richtung des nördlich angrenzenden Gewerbegebietes errichtet werden (die BZ berichtete). Zunächst hatten sich sechs Interessenten für die bauliche Lösung des Lärmproblems in Form eines bewohnbaren Schallschutzriegels gefunden. Wann, wie und ob auf den "Weiermatten" gebaut werden kann, ist jedoch im Moment fraglich, da eine Eigentümergemeinschaft ihren Anteil am rund drei Hektar großen Areal nicht verkaufen möchte.

Das Ergebnis der mit der Entwurfsbewertung befassten Auswahlkommission, der neben Bürgermeister Jörg Czybulka und den Architekten Volker Rosenstiel und Bernd Fahle auch Jürgen Wohlgemuth vom Bauamt und Mitglieder aller Gemeinderatsfraktionen angehörten, wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung von Jurymitglied Fahle präsentiert. Favorit ist der Freiburger "Solararchitekt" Rolf Disch, der anhand des zehn Gesichtspunkte umfassenden Kriterienkataloges 88 von 100 möglichen Punkten erhielt.

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Auf Platz zwei landete mit 78 Punkten Planer Joachim Eble, der für den Investor Gisinger Wohnbau ins Rennen gegangen war. 75 Punkte und damit Rang drei erreichten die Archimedes Architekten und Investor Müller Gewerbe- und Wohnbau. Drei weitere Investoren hatten ihre Teilnahme am Wettbewerb noch vor der Gremiumssitzung am 4. August abgesagt.

Überzeugt hatte der Entwurf von Rolf Disch nicht nur aufgrund der Tatsache, dass das Gebäude mehr Energie erzeugen als verbrauchen wird. Der leicht gebogene Baukörper, der drei Stockwerke plus Attikageschoss und insgesamt 56 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe erhalten soll, punkte über eine "angenehme Vielfalt in den Fassadenelementen", führte Fahle aus. Durch die Bogenform würde "der Länge die Wucht genommen".

Die "urbanste Lösung" habe Architekt Eble angeboten, so Fahle weiter. Der moderne Gebäudekomplex sei ein "sehr hochwertiger Ansatz" mit "skulpturalen Formen". Jedoch schon unter dem Gesichtspunkt Energiestandard hatte sich Disch mit stolzen fünf Punkten gegenüber Eble durchsetzen können. Ein "Abgleiten in die Beliebigkeit" in Sachen Fassadengestaltung war den Archimedes Architekten zum Verhängnis geworden. Die Grundidee, sich mit vielen verschiedenen Fassadentypen an die umgebende Bestandsbebauung anzupassen, hatte die Jury letztlich nicht zu überzeugen vermocht, schloss Stadtplaner Bernd Fahle. Die Entscheidung über die Vergabe an Planer Disch und dessen Firma Solarsiedlung als Investor soll in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen beschlossen werden, kündigte der Bürgermeister an.

Zusage der Eigentümer ist nicht rechtsverbindlich

Schon bevor man in die Planung für die Bebauung der Fläche zwischen Waldseemüllerstraße und Brandhof eingestiegen war, hatte sich die Gemeinde im Jahr 2011 über eine so genannte Grundzustimmungsunterzeichnung seitens der 14 Eigentümer beziehungsweise Eigentümergemeinschaften vorversichert, dass diese einem späteren Verkauf ihrer Grundstücksanteile und einer damit verbundenen Grundstücksumlegung im Falle der Realisierung des Bauvorhabens zustimmen würden. Rechtsverbindlich allerdings ist eine solche Zusage nicht.

Zunächst war auf den im Laufe der Folgejahre veranstalteten Sachstandstreffen, bei denen die Gemeindeverwaltung die Eigentümer über die Planungsfortschritte informiert hatte, jedoch weiterhin allseits Einverständnis signalisiert worden, erinnert sich Kämmerer Heribert Weirich. Dies änderte sich erst im Juli 2016, als die Grundstückswerte festgelegt worden seien und die Notartermine vereinbart werden sollten. "Es scheitert derzeit an einem Grundstück", bedauert Bürgermeister Jörg Czybulka die Tatsache, dass eine Eigentümergemeinschaft kurz vorm Verkauf ausgeschert sei.

Die Partei, so die Begründung gegenüber der Gemeindeverwaltung für den plötzlichen Entschluss zum Nichtverkauf, fühle sich gegenüber anderen Eigentümern benachteiligt. Ihre rund 2500 Quadratmeter große Fläche, von der die Gemeinde 25 Prozent, also rund 600 Quadratmeter erwerben würde und die Restfläche den Eigentümern zur Selbstvermarktung oder -nutzung verbliebe, liege hauptsächlich im aus lärmschutzrechtlichen Gründen als Mischgebiet ausgewiesenen Streifen entlang der Waldseemüllerstraße. Ein Grundstück im dahinter befindlichen Wohngebiet jedoch ließe sich hochpreisiger vermarkten, erklärt Rechnungsamtsleiter Weirich die Einwände der Eigentümergemeinschaft.

Dies würde zwar im Rahmen der Umlegung durch einen Flächenzuschlag ausgeglichen, so Weirich weiter. Das habe die Eigentümergemeinschaft bis dato jedoch nicht umstimmen können. Derzeit würden die Grundstückseigentümer offenbar versuchen, das Areal privat zu verkaufen. Der Gemeinde bliebe in diesem Falle die Möglichkeit, mit dem neuen Besitzer zu verhandeln. Schlimmstenfalls müsse eine nahezu komplette Neuplanung unter Aussparung der fraglichen Fläche erfolgen, so Bürgermeister Czybulka über verrinnende Zeit und – im letzteren Falle – verschwendetes Geld.

Autor: Julius Steckmeister