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06. März 2017

"Die Leute waren alle sehr nett zu mir"

Nach fünf Jahren wird Alfred Moto-poh die Kirche in Schallstadt in Richtung Kamerun verlassen.

  1. und 2017 auf der Kanzel in der Kirche. Foto: Nikola Vogt

  2. Alfred Moto-poh 2012 bei der Begrüßung in der Kirche in Wolfenweiler mit Kirchenrätin Susanne Labsch und Pfarrer Eberhard Deusch Foto: Lukas Fuhr

SCHALLSTADT. In Schallstadt ist Alfred Moto-poh ein bekanntes Gesicht. 2012 kam er aus der presbyterianischen Kirche in Kamerun als ökumenischer Mitarbeiter nach Deutschland und unterstützt seither die evangelische Kirchengemeinde Wolfenweiler. Doch sein Auslandsaufenthalt rückt dem Ende entgegen. Im August geht es für den 46-Jährigen, seine Frau und die drei Kinder zurück in die Heimat. Darauf freut sich Moto-poh.

Doch die Situation in Kamerun bereitet ihm Sorgen. "Viele Leute hier wissen nicht, was in Kamerun los ist", sagt er. In den Medien werde wenig über sein afrikanisches Heimatland transportiert. In den englischsprachigen Regionen Kameruns kam es nach Streiks der Lehrkräfte und Juristen zu gewalttätigen Demonstrationen. Sie sehen sich gegenüber den französischsprachigen Landsleuten benachteiligt. "Die Regierung will keinen Dialog mit den Menschen", sagt Moto-poh. Auf dem Smartphone zeigt er Bilder der Zerstörung, die ihn aus Kamerun erreicht haben. Was ihn und seine Familie dort im Sommer erwartet, weiß er nicht. Das verpasst der Freude auf die Rückkehr einen bitteren Beigeschmack.

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Doch nicht nur Sorgen, sondern vor allem viele positive Erfahrungen aus Deutschland werden Alfred Moto-poh zurück nach Afrika begleiten. "Die Leute waren alle sehr nett zu mir", sagt er – auch wenn es anfangs hier und da Berührungsängste gegeben habe. So wollte der Geistliche einmal eine alte Frau besuchen, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Sie kannte ihn nicht und habe ihm die Tür vor der Nase zugehauen. Als er erneut klingelte, habe sie ihm zwei Euro in die Hand gedrückt und ihn weggeschickt. Moto-poh kann darüber lachen.

Deutschland und Kamerun, das seien zwei unterschiedliche Welten. "Ich habe ein unterentwickeltes Land verlassen und bin in ein hochentwickeltes Land gekommen", sagt er. In Deutschland sei alles sauber und ordentlich, die Infrastruktur im Gegensatz zu seiner Heimat sehr gut. "In Kamerun wartet der Bus auf die Leute, in Deutschland warten die Leute auf den Bus", sagt der 46-Jährige. Dass er hierherkommen durfte, sei für ihn damals eine Überraschung gewesen. In den bald fünf Jahren hat er viel erlebt und gesehen. Zu 50 Prozent war er bei der evangelischen Kirchengemeinde Wolfenweiler beschäftigt, zur anderen Hälfte bei der evangelischen Landeskirche in Baden. Die Arbeit führte ihn nach Hamburg, Berlin und jetzt im Lutherjahr auch nach Wittenberg, Eisenach und Erfurt.

Nach seinen ersten drei Monaten in Deutschland hielt Moto-poh seine erste deutsche Predigt – daran erinnert er sich noch gut. "Ich war sehr nervös", sagt er. Das Deutsche hatte er schließlich ganz neu lernen müssen. Als er während einer Predigt das Wort "Selbstverwirklichung" nicht richtig habe aussprechen können, habe die Gemeinde ihm dabei geholfen, wie er sich mit einem Lächeln erinnert.

Doch nicht nur die Sprache war anders, auch der Gottesdienst an sich. "Bei uns in Kamerun ist Kirche sehr lebendig und der Gottesdienst dauert lange – drei bis fünf Stunden", sagt er. Außerdem nähmen viel mehr Menschen daran teil als in Schallstadt. "Da sind es manchmal 1500 Leute. Hier sind es vielleicht 50." Aber Alfred Moto-poh hat das Leben in der kleinen Gemeinde sehr genossen. "Kirche, Schule, Bahnhof, Apotheke, Supermarkt – es ist alles in der Nähe", sagt er. Seine Familie – die während der fünf Jahre in Deutschland um zwei weitere Kinder gewachsen ist – habe in Deutschland Freundschaften geschlossen. Zu den Taufen seiner Kinder seien zahlreiche Menschen gekommen. Das sind besonders schöne Erinnerungen für Moto-poh. "Ich wusste gar nicht, dass ich im Dorf so bekannt bin", sagt er lachend.

Autor: Nikola Vogt