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15. November 2017

Ein Missgeschick als roter Faden

Musikverein Wolfenweiler-Schallstadt erinnert mit einem Konzert an seine Reise durch die USA.

  1. Musikalische Reiseerinnerungen: Konzert des Musikvereins Wolfenweiler-Schallstadt Foto: Anne Freyer

SCHALLSTADT. Draußen kühles Herbstwetter, drinnen fröhliche, leichtbekleidete Menschen vor herrlicher Kulisse bei schönstem Spätsommerwetter – wenn auch nur auf zahlreichen Fotos. Eine Diashow machte es dem Publikum in der Johann-Philipp-Glock-Halle möglich, das herausragende Erlebnis für den Musikverein Wolfenweiler-Schallstadt in seinem Jubiläumsjahr beim Doppelkonzert mit dem Musikverein aus Schlatt mitzuerleben: eine zehntägige Tour durch die USA, gekrönt von der Teilnahme an der berühmten Steubenparade in New York.

In seiner Begrüßung der Gäste im vollbesetzten Saal erinnerte Vereinsvorsitzender Peter Ingold daran, dass eine Reise nach Übersee mit 40 Musikerinnen und Musikern samt entsprechendem Instrumentarium und ergänzt durch eine Trachtengruppe, langer Vorbereitungen bedarf. Sie begannen bereits Jahre zuvor, als der MV Wolfenweiler-Schallstadt bei zwei Konzerten – im Frühjahr 2013 und im Herbst 2015 – mit dem Ensemble "German Brass" in der Ebringer Schönberghalle auftrat. Erklärtes Ziel: Den finanziellen Aufwand für die einzelnen MV-Mitglieder so niedrig wie möglich zu halten. Diese Rechnung ging auf, die Einkünfte aus den Konzerten bildeten den Grundstock für die zu erwartenden Kosten. Darüber hinaus unternahm man alles, um weitere Mittel zu generieren: durch Verkaufsaktionen bei verschiedenen Veranstaltungen. Peter Ingold dankte allen – MV-Aktiven und Unterstützern – für ihre Hilfe.

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Beim Konzert nahm Moderatorin Isabelle Balge immer wieder charmant und witzig Bezug auf die Reise, bei der kleine Pannen nicht ausblieben, etwa das plötzliche Verschwinden der Trommelstöcke für die große Pauke kurz vor der Parade, die dann aber doch noch ersetzt werden konnten. Nun amüsierte man sich gemeinsam über dieses Missgeschick, das sich wie ein roter Faden durch den Beitrag des gastgebenden Vereins zog.

Mit Musikern aus Schlatt durch Dirigent Hausen verbunden

Mit schwungvollen Melodien zeigten die Musiker ihr hohes Können, beginnend mit dem "Florentiner Marsch" zum Mitklatschen. Aber auch das Abba-Medley weckte viele Erinnerungen und kam gut an. Mit Blick auf Amerika und hier insbesondere auf New York hatte Dirigent Dirk Hausen mit seiner schlagkräftigen Truppe die Musik zum Film "The Day after Tomorrow" von Roland Emmerich aus dem Jahr 2004 gewählt, der auf dramatische Weise die Folgen der globalen Erwärmung für "die Stadt, die niemals schläft" zum Thema hat. Schwungvoll und dynamisch kam auch die Musik zum seit Jahren mit Erfolg in Bochum gespielten Musical "Starlight Express" daher.

Was die Musikvereine Wolfenweiler-Schallstadt und Schlatt verbindet, ist nicht nur eine jahrelange Freundschaft, sondern auch ihr gemeinsamer Dirigent Dirk Hausen. Mit den Gästen aus dem Bad Krozinger Teilort hatte er ebenfalls ein ansehnliches Programm erarbeitet: von einer Huldigung an Salem und sein alljährliches Schlossseefest, für das Kurt Gäble eine Komposition namens "Salemonia" geschrieben hat, über vorwiegend gängigen Musicals entnommene Swing-Nummern, neu arrangiert von Steve McMillan, und den Ohrwurm "Fever" bis zu Perlen aus dem einst als Protest gedachten, nun aber offenbar bei bodenständigen Blasmusikkapellen angekommenen Genre "Hard Rock". Ehrengast Bernhard Metzger, Präsident des Markgräfler Musikverbandes, merkte lobend an, dass es dem Dirigenten Dirk Hausen gelungen sei, sowohl in der Auswahl der Stücke als auch in der Umsetzung auf den jeweiligen Charakter der beiden Ensembles einzugehen.

Wie gut sie aber auch im Zusammenspiel harmonieren, zeigte sich im dritten Teil, in dem sich nicht weniger als 80 Instrumentalisten die Bühne teilten. Man habe sich gleich verstanden, ließ Schlatts Musikvereins-Vorsitzender Marco Nolde das Publikum wissen. Die verbindende Kraft der Musik wurde dann überzeugend offenbar mit einem Streifzug durch die Blasmusikliteratur aus verschiedenen Epochen, die über Portugal ("O Vitinho"), über das Allgäu ("Patria") nach Wien ("Annen-Polka"), in die unvergessenen Höhepunkte der siebziger Jahre führte ("Grease").

Erst nach mehreren Zugaben ließ das begeisterte Publikum das "Projekt-Orchester" von der Bühne.

Autor: Anne Freyer