Macht auf die Tür...

Schallstadts Pfarrerin Christine Heimburger gewährt überraschende Einblicke

Sophia Hesser

Von Sophia Hesser

Sa, 02. Dezember 2017

Schallstadt

Im Pfarrhaus in Wolfenweiler zeugt ein Zebramuster an der Wand von wilden Zeiten. In den 70ern wurde der Gewölbekeller für Partys genutzt.

SCHALLSTADT. Der Adventskalender darf in der Vorweihnachtszeit in vielen Haushalten nicht fehlen. Jeden Tag wird ein Türchen geöffnet, hinter dem sich ein Bild, häufig auch Süßes verbirgt, dessen Genuss die Zeit bis zum Heiligabend verkürzt. Auch die Breisgau-Redaktion öffnet an jedem Erscheinungstag der BZ eine Tür und erzählt den Leserinnen und Lesern, was sich dahinter versteckt. Heute: das evangelische Pfarrhaus in Schallstadt.

Eine dicke Holztür hat das herrschaftliche Haus gegenüber der evangelischen Kirche in Schallstadt-Wolfenweiler. Ein verschnörkelter Knauf ziert sie. Darüber ein Wappen. Als Christine Heimburger die Tür öffnet und mit warmer Stimme einen "Guten Morgen" wünscht, hallt es hinter ihr. Der Eingangsbereich des evangelischen Pfarrhauses ist riesig und alte Schachbrett-Fliesen zieren den Boden. Die fallen jedem auf, weiß die 57-jährige Pfarrerin. "Die sind ja schon immer hier", sagen viele. So manch einer erinnert sich beim Gang in das Pfarrhaus an vergangene Begegnungen – und die waren zum Teil so gar nicht fromm.

Was kaum einer vermutet, der nicht selbst Teil der wilden Zeit im Pfarrhaus war: In den 70er-Jahren war der Gewölbekeller ein Partyraum für die Jugendlichen im Ort. Das für einen Kellerraum und noch dazu einen unter geistlichem Dach eher untypische Zebramuster an den Wänden der alten Steine zeugt noch heute davon. Neben einem Regal mit Einmachgläsern haben die Jugendlichen Holzlatten an der Wand befestigt, Christine Heimburger vermutet, dass der Bereich als Bühne genutzt wurde.

Der damalige Pfarrer Traugott Heuser hat das Haus damals für die Jugendlichen geöffnet – Christine Heimburger geht davon aus, dass er das nur unter der Voraussetzung eines Rauch- und Alkoholverbots tat. Noch heute erzählen die Eltern ihrer Konfirmanden vom Jugendraum.

Diese Verbindung, die viele zum Pfarrhaus haben, ist es, was der Pfarrerin, die seit zweieinhalb Jahren mit ihrem Mann im Obergeschoss des Pfarrhauses lebt und im Erdgeschoss arbeitet, so an diesem Gebäude gefällt. "Hier wird gelebt, gearbeitet und begegnet." Denn das Pfarrhaus steht auch für wichtige Stationen im Leben der Schallstadter. Sie kommen zum Taufgespräch, zum Traugespräch oder zum Trauergespräch. "Hier haben Freude und Leid Platz", sagt sie. Und das schon sehr lange.

Davon zeugen alte Dokumente, die in Schränken in der großen Eingangshalle lagern. Christine Heimburger kann das meiste nicht lesen – ist es doch in Sütterlin-Schrift geschrieben. Alte Taufbücher, Nachlass-Regelungen, Schriftverkehr, Dokumente von Sitzungen und andere Akten liegen in Form von vergilbtem Papier im Pfarrhaus. Die Pfarrerin ist froh, dass im Auftrag der Landeskirche die Akten bald von Archivaren gesichtet und geordnet werden sollen. Denn sie wisse nicht, ob die Papiere sachgemäß gelagert werden, ob sie historisch relevant sind.

Und es könnte sich Spannendes in den Unterlagen verbergen. Schließlich gingen schon 26 Pfarrer durch die Tür. Und sogar Johann Peter Hebel, Schriftsteller, Theologe und Prälat der evangelischen Kirche, kehrte gelegentlich auf seinen Fahrten vom Oberland in die Residenz Karlsruhe im Pfarrhaus ein.

Auch die Tür des Pfarrhauses selbst erzählt von früher: Das Wappen über der Eingangstür ist das des Klosters St. Peter. Denn Abt Philipp Jacob Steyrer sorgte dafür, dass das Pfarrhaus nach langjährigen Diskussionen 1759 fertig gebaut wurde. Selbst nach der Aufhebung des Klosters blieb das Wappen hängen. Ein Ärgernis im Ort.

Doch zurück in die Gegenwart: Mit den Konfirmanden, deren Eltern wohl im schrillen Pfarrhauskeller schon Party gemacht haben, wird Christine Heimburger bald Plätzchen backen, die die 30 Jugendlichen dann nach den Gottesdiensten verkaufen werden. Das Geld geht an die Hilfsorganisation Brot für die Welt, denn in der Weihnachtszeit sollte jeder überlegen, was er für andere tun kann, sagt die Pfarrerin. "Wenn ich Licht empfangen habe, wie kann ich es dann anderen bringen?"