"Spielplatz für Visionen"

Silvia Faller

Von Silvia Faller

Di, 01. Juni 2010

Schallstadt

Ungewöhnliche Kunstausstellung in Schallstadt-Mengen / Vernissage ist am kommenden Samstag.

SCHALLSTADT. Vom 5. Juni bis 2. Oktober stellen 50 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien und aus der Schweiz in Mengen unter freiem Himmel rund 70 Skulpturen, Installationen und Land-Art-Objekte aus. Ihre Werke sind eingebettet in einen Wald von bis zu zehn Meter hohen Bambus, der von dem Gärtner und Ingenieur für Landschaftsarchitektur Uwe Geigele kultiviert wird.

Träger der Ausstellung ist der Verein "bambutopia", der von den Bildhauern Florian Struck, Martin Hunke und Imanuel Gengenbach aus Merdingen, Siegfried Haller und Christine Köhne aus Munzingen sowie Daniel Kuttner und Jessica Wegkamp aus Mengen mit dem Ziel gegründet wurde, gemeinsam Ausstellungen auszurichten, Künstler miteinander in Verbindung zu bringen und gemeinsam Kunstprojekte zu erarbeiten. Die jungen Leute sind Absolventen der Edith Maryon Kunstschule aus Munzingen.

Die Wortschöpfung "bambutopia" ist kein Zufall. "Der Begriff drückt aus, dass wir hier inmitten dieser faszinierenden Pflanzen einen Spielplatz für Visionen geschaffen haben", sagt Jessica Wegkamp. Betreten lässt sich diese Spielwelt durch ein stilisiertes Tor aus mächtigen roten Bambusstangen aus Übersee. Wer es durchschreitet, gelangt auf einen schmalen Pfad, der sich durch die Bambussprossen schlängelt, Freiflächen und Lichtungen passiert und dabei an den Kunstwerken vorbei führt.

Von Jessica Wegkamp ist unter anderem eine Installation mit goldener Folie umwickelten Sprossen zu sehen, von Florian Struck Skulpturen aus verschweißten Eisenstäben, von Daniel Kuttner die Sandsteinskulptur "Präsenz", von Christine Köhne das Werk "verbunden", wobei sich eine schmale Menschengestalt auf eine flache steinerne Raute schmiegt, und von Imanuel Gengenbach die Holzskulptur "Abuli" oder "Willenlosigkeit", bei der ein Menschenkopf aus einem bearbeiteten Holzpfahl erwächst. Bemerkenswert ist das Werk "Utopia" dreier Künstlerinnen aus Bonn: Hoch oben in den Bambussprossen haben sie hüttenartige Gebilde aus Sprossenteilen befestigt, die als Land-Art-Objekte in Mengen verbleiben, und zwar so lange bis sie durch natürliche Einflüsse untergehen.

Seinen Anfang nahm das Unternehmen "bambutopia" durch eine Zeitungsannonce vor eineinhalb Jahren, womit Jessica Wegkamp ein günstiges Wohnquartier gesucht und als Gegenleistung ihre Arbeitskraft angeboten hatte. Uwe Geigele, der in Mengen einen früheren landwirtschaftlichen Betrieb bewohnt, antwortete darauf. Jessica Wegkamp sah sich fasziniert von seinen Bambuskulturen. Auf einer Fläche von gut 6000 Quadratmetern gedeihen an die 30 verschiedene Sorten, deren Jungsprosse Geigele an Leute verkauft, die Freude an exotischen Pflanzen haben. Die Akteure von bambutopia haben inmitten der Kultur bemerkenswertes und in seiner Ausgestaltung wohl einzigartiges Forum geschaffen, Kunstwerke zu zeigen.

Vernissage ist am Samstag, 5. Juni, 14 Uhr. Hans-Peter Hagmann, Dozent für Kunstgeschichte, aus Freiburg wird sprechen. Der Skulpturengarten befindet sich am Ortsausgang von Mengen in Richtung Munzingen südlich der Kreisstraße. Er ist jederzeit zugänglich, an Wochenenden und Feiertagen gibt es Führungen.

Weitere Informationen unter    http://www.bambutopia.de