"Trauben sind in gesundem Zustand"

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Sa, 08. September 2018

Schallstadt

Bei den Winzern aus Pfaffenweiler, Ebringen und Ehrenstetten steht jetzt die Hauptlese an / Zufrieden mit Menge und Qualität.

SÜDLICHER BREISGAU. An Batzenberg und Schönberg hat die Weinlese begonnen. Der 2018er wird ein guter Weinjahrgang, trotz Trockenheit im Juni und Juli. Die Trauben sind gesund, die Mengen stimmen. Die Winzer schauen optimistisch in die Zukunft und freuen sich, dass der 2018er die leeren Keller gut füllen wird. Während die Trauben in Toplagen schon weitgehend geerntet sind, fängt die Hauptlese der Winzer in Pfaffenweiler und Ehrenstetten kommende Woche an.

WG Wolfenweiler
Für Geschäftsführer Ernst Nickel ist der 33. Herbst zugleich sein letzter. Nachfolger Florian Joos arbeitet sich bereits ein. Erster Lesetag, an dem Selektionsweine der Sorten Weiß- und Grauburgunder geerntet wurden, war der 30. August. In dieser Woche wurden schon Müller-Thurgau, Weißburgunder, Grauburgunder und Spätburgunder gelesen. "Die Stimmung ist gut, wir erwarten einen überdurchschnittlichen Jahrgang, trotz der Trockenheit. Die 50 Liter Niederschlag in der letzten Woche waren förderlich für die Reife der Trauben", sagt Nickel. Da die Keller ziemlich leer seien, freue er sich darüber, dass die Winzer mehr Gutedel und Müller-Thurgau ernten werden als im langjährigen Schnitt, in den anderen Sorten liege man bei durchschnittlichen Mengen. Über alle Sorten rechnet Nickel mit 95 bis 100 Litern Wein pro Ar.

Pfaffenweiler Weinhaus
Die Hauptlese der Pfaffenweiler Winzergenossenschaft startet am kommenden Montag mit dem Müller-Thurgau. Anschließend folgen Trauben für Sektgrundweine. "Die Trauben sind in einem guten, gesunden Zustand, so können wir für jede Sorte den optimalen Erntezeitpunkt wählen", sagt Lothar Scherer, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft. "Wir fahren auf Sicht und entscheiden jeweils in einem kleinen Team, mit welcher Sorte wir weitermachen, nachdem wir einen Rundgang durch die Reben gemacht haben." Scherer erwartet einen Wein guter bis sehr guter Qualität. Schon die Rebblüte sei gut verlaufen, im Frühjahr habe es genug Feuchtigkeit gegeben. Die Trockenheit im Juni und Juli hätten die Reben gut weggesteckt, auch dank des Regens Ende August. "Nur die Junganlagen waren im Trockenstress, deshalb haben wir am 24. August schon einmal Wein von Junganlagen geherbstet", sagt er.

Winzerhof und Schlossgut Ebringen
So richtig startet die Lese bei den Winzern des Winzerhofs Ebringen in der kommenden Woche mit Gutedel, Müller-Thurgau und Spätburgunder. Vergangene Woche wurden Trauben für Sektgrundweine und am Donnerstag dieser Woche die ersten Grauburgunder- und Spätburgundertrauben geerntet. "Die Mostgewichte sind gut, wir werden Weine aller Qualitätsklassen ernten können", freut sich Klaus Ruh, Geschäftsführer und Kellermeister des Winzerhofs. "Wir erwarten gute Mengen, die Keller sind leer, ich gehe davon aus, dass wir Wein für eineinhalb Verkaufsjahre ernten können."

Das ebenfalls genossenschaftlich organisierte Schlossgut Ebringen setzt auf hochwertige Weine aus Toplagen. Gutsverwalter und Oenologe Andreas Engelmann schwört auf konsequente Ertragsreduzierung. Jede Traube wird deshalb sogar geteilt, das Laub stark zurückgeschnitten. Die Weine des Schlossguts sollen genug Säure haben und nicht zu alkoholreich, auch das ein Grund für die frühere Ernte. "Wir sind schon fast mit der Ernte fertig, wir haben nach dem Weinfest am 25. August angefangen. Hier in unserer Toplage Leinele haben wir alte Rebstöcke von 1964, sie haben tiefe Wurzeln, die sorgen für eine gleichmäßige Nährstoffversorgung", sagt Engelmann. Die Spätburgunderrebstöcke im Gewann Leinele werden einen Ertrag von 50 Liter Wein pro Ar geben. "Das ist unsere Top-Selektion, der Wein wird von Hand gelesen und in kleinen Kisten schonend transportiert. Der fertige Wein kommt anschließend für eineinhalb Jahre in neue Barriquefässer", so der Fachmann, dessen Selektions- und Lagen-Weine bestens bewertet werden.
Weingut Hug, Pfaffenweiler
Auch beim Öko-Weingut Hug in Pfaffenweiler, das seine Wein ausschließlich an Endverbraucher vermarktet, startet die Hauptlese – mit Grau- und Weißburgunder – nächste Woche. Geöffnet hat seit Donnerstag die Straußwirtschaft, auch wurden schon Trauben für Sektgrundweine geerntet. "Der Ertrag ist gut, die Mostgewichte auch, die Trauben sind gesund, für mich persönlich ist 2018 bislang ein sehr angenehmes Weinjahr. Wir hatten keine Probleme mit Pilzkrankheiten, das ist gerade für mich als Bio-Winzer sehr wichtig", sagt Mario Hug. Auch Frost gab es 2018 keinen, und die Kirschessigfliege verschonte die Winzer ebenfalls. "Die Trockenheit haben wir überraschend gut überstanden, selbst die Junganlagen."

Bezirkskellerei Markgräflerland
"Wir haben in Ehrenstetten bereits vergangene Woche begonnen mit Junganlagen über alle Sorten, aber die Hauptlese beginnt kommende Woche", sagt Hagen Rüdlin, geschäftsführender Vorstand der Bezirkskellerei Markgräflerland. "Ich erwarte eine sehr gute Qualität, wir haben sehr gesundes Traubengut und haben konsequent ertragsreguliert. Die Trauben konnten und können sehr gut ausreifen." Rüdlin erwartet gute Mengen.