Von Frostschäden am Obst bis zur neuen Ortsmitte

Nikola Vogt

Von Nikola Vogt

Fr, 19. Mai 2017

Schallstadt

Baden-Württembergs Finanzministerin Edith Sitzmann besucht Schallstadt und diskutiert über aktuelle Themen in der Gemeinde.

SCHALLSTADT. Landesfinanzministerin Edith Sitzmann (Bündnis 90/Die Grünen) hat sich zu einem Gemeindebesuch nach Schallstadt aufgemacht. Während es zunächst unter anderem um Neuigkeiten zur neuen Ortsmitte ging, waren später die Frostschäden beim Obst Thema. Schallstädter Landwirte sprachen Sitzmann bei einem Betriebsbesuch auf die finanziellen Hilfen für die Ernteausfälle an, die das Land in Aussicht gestellt hat.

Frostschäden
"Es ist so schlimm wie eigentlich noch nie und vor allem so flächendeckend wie noch nie" – das machten Bernd Kiechle, Joel Siegel und Kurt Sehringer ihrer Besucherin in Bezug auf die Frostschäden deutlich. Treffpunkt war der Gemüsehof Schmelzer in Mengen, dessen Betriebsleiter Siegel ist. Hinzugekommen waren die benachbarten Obstbauern Kiechle und Sehringer. Am stärksten seien Äpfel- und Birnenbäume von den frostigen Nächten im April betroffen, erzählen sie. Auch das Zukaufen von Obst von anderen Betrieben helfe nicht, "weil überall schwere Schäden entstanden sind".

"Wir gucken, dass wir da mit steuerlichen Maßnahmen helfen können", sagte Sitzmann. Sie verwies auf einen Erlass des Finanzministeriums, der unter anderem die Stundung oder den Erlass von Steuern beinhaltet. Die Landwirte erklärten, dass es ihnen mehr helfe, Tilgungen aussetzen zu können. Außerdem sei es für sie interessant, eine Risikorücklage bilden zu können. Die Ministerin wolle diese Punkte "mitnehmen". Sie fragte auch, wie man solchen Frostereignissen künftig vorbeugen könne. "In 17 europäischen Ländern werden Frostversicherungen vom Staat unterstützt, in Deutschland nicht", erklärten die Betroffenen. "Ich gehe davon aus, dass der Landwirtschaftsminister im Gespräch mit der Versicherungsbranche ist", entgegnete Sitzmann.

Joel Siegel erkundigte sich, wer den Ausfall eines Betriebes bewerten wolle und ob schon Beträge für die Hilfen im Raum stünden. Ein Kriterium für die Bewertung sei laut Sitzmann, "wenn Ertrag und Einkünfte um 30 Prozent niedriger als sonst üblich sind". Über die Beträge könne man erst später im Jahr entscheiden. Siegel befürchtete, dass diese Hilfen nicht ausreichen würden.

Neue Ortsmitte
Der Besuch der Finanzministerin fiel auf den gleichen Tag wie ein wichtiger Notartermin für Schallstadt, erklärte Bürgermeister Jörg Czybulka. So sei nun ein Grundstück der neuen Ortsmitte an den Bauverein Breisgau veräußert worden. Und so war auch Gerhard Kiechle, nebenamtlicher Vorstand des Bauvereins, zum Gespräch mit Edith Sitzmann gekommen, um von den Plänen zu berichten. Es handle sich um einen "richtigen Konzeptvertrag, das ist mehr als ein Grundstücksvertrag", erklärte Kiechle. Entstehen sollen unter anderem Bürgertreff, Tagespflege, Kita, 35 Mietwohnungen, "50 Prozent Belegungsrechte davon hat Schallstadt". Hinzu kämen 16 Eigentumswohnungen. Die Investition betrage 16 Millionen Euro. Kiechle rechne damit, dass im nächsten Frühjahr mit dem Bau begonnen werden könne, 2020 könne der Bezug stattfinden. Man hoffe auf Fördergelder. Sitzmann sagte, dass die Landesregierung 2,5 Millionen Euro für kommunale Konzepte zur altersgerechten Quartiersentwicklung zur Verfügung stelle.