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14. September 2017

Wölfe, Wein und etwas Woodstock

Dritte Weinwanderung der WG Wolfenweiler und des Winzerhauses St. Georg – zum ersten Mal in Begleitung einer Musikgruppe.

  1. Auch viele junge Leute waren bei der Weinwanderung in Schallstadt mit dabei – und machten es sich kurzerhand gemütlich. Foto: Julius Steckmeister

  2. Wandern in Musikbegleitung Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

SCHALLSTADT/ST. GEORGEN. Im ersten Jahr leicht verhangen, im zweiten Jahr ordentlich heiß, präsentierte sich das Wetter im dritten Jahr wie bestellt: Strahlend blauen Himmel und beste Sichtverhältnisse gab es am Sonntag zur Weinwanderung der Winzergenossenschaft Wolfenweiler (WG) und des Winzerhauses St. Georg. Unter dem Motto "Auf den Spuren der Wölfe" wurde die Strecke zwischen WG und Winzerhaus zum Paradies für Panoramafreunde. Erstmals kamen unterwegs auch Musikliebhaber auf ihre Kosten.

"Es ist wie im Bilderbuch", sagte WG-Geschäftsführer Ernst Nickel und strahlte mit der Sonne um die Wette. Was im Jahre 2015 als Versuch ins Leben gerufen wurde, hat binnen nur dreier Jahre offensichtlich bereits Kultstatus erlangt. "2016 haben wir 550 Weintickets verkauft, in diesem Jahr 800 – und viele auf der Strecke haben ja gar kein Ticket", bilanzierte ein glücklicher WG-Chef. Denn wer wollte, konnte seinen Wein an der Strecke auch einzeln bezahlen. Was Nickel besonders freute: dass in diesem Jahr erstaunlich viele junge Leute auf den Spuren der Wölfe wandern wollten.

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So herrschte gegen 14 Uhr an der Station "Rebhisli" schon fast Woodstock-Stimmung. In Ermangelung von ausreichend Bänken – der Ansturm war schlicht zu groß – hatten es sich ganze Grüppchen einfach auf dem Asphalt gemütlich gemacht. Drumherum tobten wahlweise Kinder und Hunde.

In Bewegung war auch Rolf Ingold. Er war für den Weinnachschub verantwortlich. "Allein an dieser Station sind wir jetzt das zweite Mal", berichtete Ingold – und das "Rebhisli" war nur eine von vier Anlaufstellen im Weinberg. Hinzu kamen die Start- beziehungsweise Zielorte Winzergenossenschaft in Schallstadt und Winzerhaus St. Georg im Freiburger Stadtteil St. Georgen. Fast wie eine Eimerkette – nur eben mit Wein – schafften fleißige Hände Leergut in den Transporter und kühlten Wein zum improvisierten Ausschank inmitten der Weinlandschaft. Am "Rebhisli" gab es nun wieder Gutedel und Müller-Thurgau, auch für den kleinen Hunger zwischendurch wurde Sorge getragen.

Wer die rund fünf Kilometer von der WG Richtung Winzerhaus zurücklegte, hatte den "Schanzbuck" mit Sauvignon Blanc, Spätburgunder Rosé, Bauernwürsten und weiteren Traumblicken in die Rheinebene als zweite Station auf dem Wolfspfad. Es folgte wie die Jahre zuvor der "Panorama-Platz", der seinem Namen alle Ehre machte. Käsewürfel waren hier gegen 16 Uhr nicht mehr zu bekommen – der Hunger war offenbar zu mächtig gewesen. Also hinab zum "Winzerhisli", denn dort gab es noch Speckgugelhupf und der Weg bis zum Winzerhaus mit Speisenvollversorgung war auch nicht mehr weit.

Wer umgekehrt laufen wollte, konnte dies erstmals geführt und mit musikalischer Untermalung tun. In Wehr hatte Ernst Nickel die Chio Maico Band aufgetan. Wie das Wetter ein echter Glücksfall. Die Jungs in Lederhosen heizten den Wanderern ordentlich ein und ließen etwaige müde Füße ins Wippen kommen.

Wippende Füße und kaum mehr freie Plätze gab es auch vor dem Winzerhaus St. Georg. Hier spielte wie schon die vergangenen Jahre die Rentnerband. Neben Freunden von Schweinshaxen kamen dank der rüstigen Pensionäre vor allem Freunde des klassischen Dixieland-Jazz auf ihre Kosten. Und Wein gab es natürlich auch. Beim Winzerhaus war der Weinwandertag der krönende Abschluss eines dreitägigen Herbstfestes. Auch an den beiden Abenden zuvor war mit viel Musik gefeiert worden.

Spätestens bei der Ankunft des zwischen Winzergenossenschaft und Winzerhaus pendelnden Oldtimerbus-Shuttles musste zwischen Vernunft – Haxen-Kalorien wegwandern – und Faulheit – mit dem Bus ist man so schön schnell an der WG – gewählt werden. Oder aber man blieb einfach sitzen und verschob die Entscheidung auf einen Bus später.

Auf der Bühne vor der Winzergenossenschaft waren mittlerweile die Jungs der Chio Maico Band angekommen. Müde vom Wandern waren diese offenbar nicht, denn es wurde nahtlos weitergespielt. Hier und da brütete der ein oder andere Ratefuchs noch über dem ebenfalls wieder erdachten Weinquiz. Ja, auch vegane Weine gibt es in der WG Wolfenweiler – die Frage ist nur, wie viele?

Wie viele Menschen die Weinwanderung tatsächlich angelockt hat, wird letztlich nicht zu beantworten sein. Aber Hauptsache, "die Leute sind richtig gut drauf", fand Ernst Nickel. Auch für ihn gab es übrigens eine Premiere: Erstmals war der WG-Geschäftsführer selbst auf den Spuren der Wölfe unterwegs.

Autor: Julius Steckmeister