Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

29. Juni 2012 23:58 Uhr

Bereichsnotärzte

Schlechtere Notarztversorgung – Große Teile des Hotzenwaldes betroffen

Es bleibt dabei: Ab Sonntag gibt es im Hotzenwald keine Bereichsnotärzte mehr. Große Teile müssen sich damit auf eine deutliche Verschlechterung der Notarztversorgung einstellen.

HOTZENWALD. Im Falle eines Falles werden die Notärzte aus dem Krankenhaus Bad Säckingen, aus dem Spital Waldshut oder per Hubschrauber aus Freiburg oder Villingen-Schwenningen kommen. Das bestätigte Peter Hofmeister, Vorsitzender des Bereichsausschusses in einem Pressegespräch. Die Umstrukturierung der Notarztversorgung im Landkreis war notwendig geworden, nachdem ein Teil der Bereichsnotärzte im Landkreis ihren Dienst aufgekündigt hatten.

Bisher waren in den drei Hotzenwald-Gemeinden die Bereichsnotärzte Olaf Boettcher aus Herrischried und Johannes Romacker aus Görwihl im Einsatz. Sie betrieben als niedergelassene Ärzte ihre eigenen Praxen und rückten daneben zu Notfällen aus. Waren sie mal nicht greifbar, alarmierte die Leitstelle Notärzte aus den umliegenden Krankenhäusern (Bad Säckingen oder Waldshut) oder rief einen Rettungshubschrauber samt Notarzt zur Hilfe. Wie oft die Bereichsnotärzte im Hotzenwald im Einsatz waren und wie oft die auswärtigen Einsatzkräfte, will Peter Hofmeister nicht sagen – man dürfe nicht auf einzelne Gemeinden schauen, sondern müsse den gesamten Landkreis im Blick haben, lautet sein Argument.

Werbung


Fakt ist, dass die beiden Bereichsnotärzte im Hotzenwald ab morgen ersatzlos wegfallen. Der Bereich, den die Notärzte aus den beiden Krankenhäusern zumindest theoretisch innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfrist (siehe Infokasten) erreichen können, lässt aber große Lücken. Die beiden Gemeinden Herrischried und Görwihl liegen fast komplett außerhalb der Gebiete, die innerhalb von 15 Minuten mit einem Notarzt aus den beiden Kliniken rechnen können (siehe Grafik). Die Situation der Gemeinde Rickenbach scheint dagegen, relativ unproblematisch zu sein.

Fahrtzeiten werden per Routenplaner bestimmt

Berechnet wurden die Fahrtzeiten mit Routenplanern, wie sie im Internet zu finden sind, sagte Peter Hofmeister der BZ. Er räumte ein, dass es auf den kurvigen Strecken und dem ab und an schneereichen Gebiet Situationen geben könne, in denen die Fahrtzeit nennenswert von den Computerberechnungen abweicht. Das sei aber nicht zu verhindern und durch die Definition der Hilfsfristen abgedeckt. Die besagen, dass in 95 Prozent aller Fälle die Hilfe nach spätestens 15 Minuten vor Ort sein soll.

Überall dort, wo ein Notarzt über die Straße nach den Berechnungen nicht nach 15 Minuten sein kann, wird ab morgen bei jedem Notarzteinsatz zusätzlich ein Rettungshubschrauber alarmiert. Der werde in aller Regel im Hotzenwald nicht aus der Schweiz kommen, sagt Peter Hofmeister, das habe die Praxis gezeigt. Der Hubschrauber aus Freiburg kann nach Auskunft der Betreiberin, der DRF Stiftung Luftrettung Notfallorte im Umkreis von 50 Kilometern Luftlinie in maximal 15 Minuten erreichen. Dadurch wäre der gesamte Hotzenwald abgedeckt. Der Heli aus Villingen-Schwenningen soll sogar in der gleichen Zeit einen Umkreis von 60 Kilometern erreichen können, käme damit aber gerade in den nordöstlichen Zipfel der Gemeinde Görwihl. Zudem können die Hubschrauber nur bei Tageslicht ausrücken und werden auch von Wettererscheinungen wie Starkregen, Schnee oder starkem Wind ausgebremst. In einem solchen Fall müsste in Kauf genommen werden, dass der von der Leitstelle angeforderte Notarzt mit deutlicher zeitlicher Verzögerung eintrifft.

Die Bereichsnotärzte unter anderem im Hotzenwald hatten zum 30. Juni ihren Dienst quittiert, nachdem sie sich nicht mit den Krankenkassen auf eine höhere Bezahlung ihrer Dienste einigen konnten. Der Bereichsausschuss, der für die Planung der Notarztversorgung in Landkreis Waldshut zuständig ist, hatte daraufhin kurzfristig alle Bereichsnotarzt-Standorte im Landkreis aufgelöst und am Krankenhaus in St. Blasien einen Notarztstandort eingerichtet, der schon jetzt (geplant war das erst ab 2012) rund um die Uhr besetzt ist und nun in etwa das Gebiet zwischen Bernau, Todtmoos, Häusern und Oberalpfen abdeckt.
Hilfsfrist

Die Hilfsfrist ist die Zeit zwischen dem Eingang der Notfallmeldung in der Rettungsleitstelle und dem Eintreffen der Hilfe (Rettungswagen und Notarzt) am Notfallort. Laut dem baden-württembergischen Rettungsdienstgesetz soll die Hilfsfrist "aus notfallmedizinischen Gründen möglichst nicht mehr als 10, höchstens 15 Minuten betragen". Laut dem Rettungsdienstplan von Baden-Württemberg gilt diese Vorgabe als erfüllt, wenn die Zeiten in 95 Prozent aller Einsätze innerhalb eines Jahres eingehalten werden.

Mehr zum Thema:

Autor: Katja Mielcarek