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16. Januar 2012

Kofferauktion

Auktionator versteigert Fundsachen der Lufthansa

Einen Riesenzulauf hat am Samstag die erste Kofferauktion im Schliengener Bürger- und Gästehaus erlebt. Im Auftrag der Lufthansa versteigerte Auktionator Martin Clesle vom gleichnamigen Auktionshaus herrenlose Gepäckstücke vom Trolley über Zelte, Koffer, Kinderwagen und Schlafsäcke bis hin zu Kartons mit unbekanntem Inhalt.

  1. Foto: Dorothee Philipp

  2. Foto: Dorothee Philipp

Clesle ist seit einem Jahr mit der Lufthansa im Geschäft, sein Auktionshaus gibt es schon seit 1996. "Das ist ein schöner Beruf", sagte er gegenüber der BZ mit Blick auf die bunte Mischung des Publikums, das teilweise mit Kind und Kegel aus allen Teilen des Dreiecklandes angereist war. Die Lufthansa mache es sich nicht einfach, herrenlose Gepäckstücke zur Versteigerung freizugeben, sagte Clesle. Aber oft fruchten auch die penibelsten Recherchen nicht, und dann kommt der Auktionator zum Zug. Über Internet, Facebook und Zeitungsanzeigen aufmerksam gemacht, kamen die Leute in Scharen, nicht nur um ein Schnäppchen zu machen, sondern auch der Atmosphäre und des Spaßes wegen. "Man kennt so was ja aus dem Fernsehen, aber live ist es natürlich noch viel spannender", erklärt eine Frau aus Neuenburg. Kathrin Stark aus Kandern ist mit der Familie da. Sie hofft auf einen schönen großen Koffer, weil sie gerne verreist. Der Inhalt, den auch der Auktionator nicht kennt, ist ihr nicht so wichtig, und mehr als 40 oder 50 Euro will sie auch nicht ausgeben. Ihre Schwiegertochter hat es auf einen der zahlreichen Kinderwagen abgesehen.

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Daniel aus Rheinfelden hat sich mit ein paar Freunden getroffen und liebäugelt mit einem Rucksack, Uwe aus Merdingen hat sich zum Spaß eine Bieternummer gegen die Kaution von fünf Euro geben lassen. Vielleicht ersteigert er einen Koffer oder einen der Überraschungs-Kartons, mal sehen. Dann geht es los. Rund 100 Posten schaffe er in der Stunde, hat Clesle zuvor erklärt – und wenn man sieht, wie der Mann loslegt, dann glaubt man ihm das aufs Wort. Schließlich stehen heute auch rund 400 Posten an. Schnell und präzise wie bei einem Zungenbrecher kommentiert er die Gebote, die sich zeitweise fast überschlagen, wenn der Helfer auf dem Podium was richtig Nettes her- zeigt, beispielsweise den putzigen Mini-Trolley, angesetzt für zehn Euro, der dann bei 105 Euro den Besitzer wechselt. 38 Euro werden noch für einen Trolley bezahlt, der buchstäblich "ein Rad ab" hat.

Clesle kann nicht nur wahnsinnig schnell sprechen, er entwickelt auch Entertainerqualitäten, wenn er die Sachen anpreist. "Denken Sie daran, bald ist Fasnacht, und man weiß nie, wie oder ob man nach Hause kommt", macht er eine Outdoor-Ausrüstung mit Schlafsack, Isomatte und Zelt schmackhaft. Ein Druckbleistift von Faber-Castell geht für 40 Euro weg, eine mäßig schöne Jeansjacke für zehn. Ein Karton mit einer Ladung Brillen bringt immerhin 80 Euro.

Nach etwa einer Stunde ziehen die ersten Bieter mit ihrer Beute ab, während im Saal munter weitergeboten wird. "Wir sind mit Freunden gekommen, die auch gesteigert haben", berichtet eine Frau aus Munzingen. Jetzt geht es zu ihr nach Hause, und dann machen alle ihre ersteigerten Koffer, Taschen und Trolleys gemeinsam auf. "Das gibt noch mal einen Extra-Spaß", freut sie sich.

Und noch jemand hat seine Freude an der Aktion: Die Jugend der Sportfreunde Schliengen, die hier bei der Bewirtung hilft, kann mit dem Erlös ein Trainingslager finanzieren. "Wir haben erst am Mittwoch erfahren, dass wir an der Auktion bewirten sollen", sagt Silvia Büche, die zusammen mit Doris Meier die Organisation auf die Beine gestellt hat. Doch mit dem Nachschub an Getränken und belegten Brötchen klappt es gut – und für eine vielfältige Kuchentheke haben die Vereinsmitglieder selbst bestens gesorgt.

Autor: Dorothee Philipp