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20. August 2015

Dachmarke für die Region?

Landwirte und Winzer berichten in Schliengen CDU-Politikern über ihre Sorgen und Wünsche.

  1. Alois Gerig (stehend), Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Bundestag, beantwortet im Keller der Einzergenossenschaft Fragen von Winzern und Landwirten. Links daneben Landrätin Marion Dammann, rechts Bundestagsabgeordneter Armin Schuster (CDU). Foto: Jutta Schütz

SCHLIENGEN. Landwirte nutzten jüngst die Gelegenheit, CDU-Politikern zu berichten, welche Sorgen und Wünsche sie derzeit haben. Ganz oben auf der Themenliste standen Probleme mit dem Mindestlohn, die Exportverbote nach Russland und der Wunsch nach einer Dachmarke für die Region. In der Winzergenossenschaft Schliengen war auf Einladung des hiesigen Bundestagsabgeordneten Armin Schuster auch Alois Gerig, der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Bundestag, zu Gast.

In der Diskussionsrunde waren zudem Bürgermeister Werner Bundschuh, Landrätin Marion Dammann und der Landtagsabgeordnete Patrick Rapp; außerdem neben Landwirten und Winzern auch Vertreter des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) und des Maschinenrings.

Eine Dachmarke für Produkte aus der Region, speziell dem Markgräflerland, schlug WG-Geschäftsführer Wolfgang Grether vor. Wobei der Begriff Produkte weit gefasst ist und darunter von Lebensmitteln, Landwirtschaft und Weinbau über Gastronomie, Hotels und Ferienwohnungen bis hin zu Ausflugszielen alles übersichtlich für Verbraucher und Touristen zusammengefasst werden soll. Als Vorbild dient Südtirol, das es geschafft hat, verschiedene Aspekte erfolgreich unter einem Begriff zu vermarkten. In der hiesigen Region ist es aber oft so, dass bisher jeder Ort und jeder Betrieb versucht, eigene Pfründe zu sichern, lautete ein Einwand. "Will man solch eine Dachmarke kreieren, die die Region als Ganzes in anderen Teilen Deutschlands und im Ausland bekannt macht, dann müssen alle an einem Strang ziehen und Eigeninteressen zugunsten des großen Ganzen zurückstecken", so Armin Schuster.

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Die Landwirte und Winzer treiben immer noch die Auswirkungen des Mindestlohns um. Friedrich Fröhlin, Aufsichtsratsvorsitzender der WG Schliengen, kritisierte mit Heinz Kaufmann, BLHV-Kreisvorsitzender, den Aufwand zur Dokumentation der Arbeitszeiten. "Der Mindestlohn war eine Bedingung der Koalitionsvereinbarung, daran ist nicht zu rütteln", legte Schuster dar. Gerig und Schuster erklärten, man habe in Verhandlungen mit der SPD erreicht, dass etwa Erleichterungen bei der Mitarbeit von Familienangehörigen durchgesetzt worden seien. Albert Zimmermann, Geschäftsführer der BLHV-Bezirksstelle Müllheim, setzt sich für eine Vereinfachung der Ausnahmeregelungen bei der Arbeitszeitbegrenzung ein, was insbesondere den Einsatz von Saisonarbeitskräften bei der Spargel-, Erdbeer- und Obsternte sowie Weinlese betrifft, und plädiert für einen Sammelantrag aller davon betroffenen Betriebe im Kreis. Marion Dammann konnte aktuell mitteilen, dass dieser Sammelantrag seitens des Landratsamtes unterstützt wird und nun nach Prüfung sofort genehmigungsfähig sei. Mit dem Sammelantrag könnte die Arbeitszeit für Saisonarbeitskräfte von derzeit 48 auf 72 Wochenstunden ausgeweitet werden.

Neben dem Exportverbot nach Russland, das auch bei hiesigen Bauern zu Problemen wegen des plötzlichen Überangebots und dem damit verbundenen Preisverfall geführt hat, sorgen sich viele Landwirte um ihre Nachfolge. "Brauchen wir überhaupt noch Landwirtschaft und Weinbau angesichts des Preisdrucks durch den Lebensmittelhandel und einer überbordenden Bürokratie?", so Manfred Weber, WG-Vorstandsmitglied, provokativ. Viele Nachfolger sehen den Arbeitsaufwand und den geringen Ertrag der Väter und ergreifen andere Berufe, hieß es. "Ich setze mich in Berlin dafür ein, dass bäuerliche, familiengeführte Strukturen erhalten bleiben", so Schuster.

Autor: Jutta Schütz