"Gefühl, sehr willkommen zu sein"

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mi, 12. September 2018

Schliengen

Eindrücke des Schliengeners Frank Mehlin, der mit Bundespräsident Steinmeier feiern durfte.

SCHLIENGEN/BERLIN. Einmal im Jahr ist Bürgerfest auf Schloss Bellevue. Hierher kamen am vergangenen Freitag rund 4000 Gäste, um im Park des Amtssitzes von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu feiern und sich feiern zu lassen. Eingeladen waren ehrenamtlich Aktive aus ganz Deutschland, aus Vereinen, Stiftungen und Verbänden, aus den Bereichen Umwelt, Kultur, Integration, Inklusion, Sport und Bildung. Dazu kamen ihre Begleiter und Kinder.

Zu den Geehrten gehörte Frank Mehlin aus Schliengen, begleitet von der Berichterstatterin. Mehlin sorgt seit zehn Jahren dafür, dass schützenswerte Gebiete in drei Landkreisen befreit werden vom alles überwuchernden Indischen Springkraut (BZ vom 18. August). Offizielle Ehrungen gab es beim Bürgerfest nicht. "Man kann sich dadurch geehrt fühlen, dass man eingeladen ist", sagt Mehlin dazu. Der Ehrungsgedanke jedenfalls kam auf vielfältige Weise zum Tragen. Nachdem die festlich gekleideten Gäste – ein bunter Querschnitt der Gesellschaft von jung bis alt, von thüringischen Trachtenträgern bis zu Bürgern mit Migrationshintergrund – die Sicherheitsschleuse passiert hatten und über den roten Teppich hinab schritten in den Schlosspark, wurden sie mit Häppchen und Getränken begrüßt. Mehlin dazu: "Es war cool, wie die Helfer alle Spalier standen mit ihren Tabletts. Man hatte das Gefühl, sehr willkommen zu sein."

Auf dem mit Zelten, Sitzgarnituren und zwei Bühnen bestückten Parkareal gab es viel Bewegungsfreiheit, zum üppigen Unterhaltungsprogramm gehörten Auftritte unter anderem von Gianna Nannini, den Youtube-Promis "Lochis" und der Big Band der Bundeswehr, Führungen durch das Schloss und zuletzt eine opulente Lasershow. Das traditionelle Feuerwerk fiel wegen der Dürre aus – nach vier Tagen in Berlin sah die Berichterstatterin im Schlosspark erstmals wieder grünes Gras. Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt an Ständen mit landestypischen Spezialitäten, unter anderem der Partnerländer des Festes, Italien und Sachsen. Insgesamt präsentierten sich 46 Vereine, Institutionen, Länder und Firmen, für die Kinder gab es ein eigenes Programm.

Nicht zuletzt konnte man hier dem Bundespräsidenten und seiner Frau Elke Büdenbender einmal ganz nahe kommen. Immer wieder mischte sich das Staatsoberhaupt unter das Volk, umringt von kompakten Menschentrauben mit gezückten Smartphones, in ihrer Mitte der lächelnde Bundespräsident und seine Leibwächter. "Dies ist vor allem Ihr Fest. Danke für Ihre Ideen, Ihre Initiativen und die vielen tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die Sie unserem Land und den Menschen in unserem Land schenken", sagte Steinmeier zur Eröffnung und nahm auch Bezug auf die Vorkommnisse in Chemnitz. "Zusammenstehen" sei das Motto dieses Bürgerfests, so Steinmeier: "In Zeiten, in denen immer öfter von Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft und Verrohung der Sprache gesprochen wird, von Ressentiments und Fremdenfeindlichkeit, da wollen wir ein anderes Zeichen setzen, ein Zeichen gegen Spaltung und für Zusammenhalt. Wir machen die Spalterei nicht mit!"