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22. Oktober 2013

Kleidung, Handys und ein großes "Ü"

Erneut hieß es "Zum Ersten, zum Zweiten . . . " bei einer unterhaltsamen Versteigerung von Reisegepäck in Schliengen.

  1. Voll war das Schliengener Bürger- und Gästehaus, als die Auktion von Reisegepäck im Auftrag der Lufthansa über die Bühne ging. Und so manche Überraschung offenbarte sich dann beim Öffnen der Koffer, etwa in Form exotischer Damengewänder aus Dubai. Foto: Silke Hartenstein

  2. Foto: Silke Hartenstein

SCHLIENGEN. Zum zweiten Mal in knapp zwei Jahren gab es bei einer Versteigerung herrenloser Gepäckstücke Spaß, Spannung und Schnäppchen in Schliengens Bürger- und Gästehaus. Im Auftrag der Lufthansa kamen am Wochenende 371 Posten unter den Hammer: Koffer, Kleidung, Kinderwagen, Parfüms, Portwein, iPods, Labtops und Digitalkameras, Handys und Kartons voller Brillen, Schals oder Überraschungen – letztere gekennzeichnet mit einem großen "Ü".

Seit 1996 führt Auktionator Martin Clesle sein gleichnamiges Auktionshaus, inzwischen ist er auch mit der Lufthansa im Geschäft. "80 Millionen Gepäckstücke gehen da pro Jahr über die Bänder. Was zur Versteigerung kommt, ist im Promillebereich", sagt er. Eine Schar Mitarbeiter lenkt das wuselige Geschehen in der vollen Halle in geordnete Bahnen. Wie ein Blick auf die Autokennzeichen zeigte, kamen die Kaufinteressenten von nah und fern. "Es gibt Kunden, die kommen regelmäßig. Die haben ein neues Hobby gefunden", schmunzelt Clesle. Überhaupt kommt seine humorvolle Ader immer mal wieder durch. Zur Eröffnung reimt er: "Was wär’n wir ohne Koffer heute, das frage ich euch, liebe Leute?" Dann begrüßt er die "Sportfreunde Schliengen, die heute wieder das Beste aus Küche und Keller bereit halten." Angesichts der stundenlangen Auktion ist klar: Ohne Bewirtung mit Baguettes, Kuchen und Getränken geht es nicht. Auch die Helferinnen vom SF Schliengen finden die Auktion spannend. Silvia Büchel, die 2012 mitsteigerte, sagt: "Das war schon faszinierend".

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Mit dem Schlager "Ich hätt’ gern einen Koffer" geht die Auktion um 12 Uhr los, und Clesle ruft in atemberaubendem Tempo die Gebote aus. "Meine Herren, denken Sie daran: Bald ist Weihnachten", versucht er, ein Kosmetikset an den Mann zu bringen. Stattdessen bieten die Damen; für 34 Euro geht das Set weg. Manches gibt Rätsel auf, wie die Reisetasche mit ausnahmsweise bekanntem Inhalt. Hier bilden Skihelme und -schuhe eine schlüssige Einheit – doch wie passen die Gartenclogs ins Bild? Und manchmal geht auch gar nichts: Den grauen unscheinbaren Herrenmantel unbekannter Größe will selbst für 10 Euro keiner haben.

Im Vorfeld suchen die Kunden ihre Favoriten aus. Eine junge Freiburgerin hat ein Auge auf die Bilderrollen mit der Aufschrift "Metropolitan Museum" geworfen, eine Frau aus Blansingen sagt: "Ich bin Wiederholungstäter. Vor zwei Jahren habe ich hier einen Trolley ersteigert mit nagelneuen Kinderkleidern drin. Die hab’ ich dann auf dem Flohmarkt verkauft und hab’ jetzt immer noch den tollen Trolley". Ruth und Franz Dold aus Villingen sind Neulinge: "Wir sind hier, weil’s uns interessiert. Das kennen wir nur vom Fernsehen."

Rund vier Stunden dauert das Spektakel, nach einer Stunde machen sich die ersten Kunden auf den Heimweg, die meisten packen ihre guten Stücke erst daheim aus. Eine Seniorin aus St. Gallen hat für 68 Euro eine Reisetasche ersteigert. "Ich weiß nicht, was drin ist. Vielleicht dreckige Wäsche", lacht sie.

Andere plagt der "Wunderfitz", und so freut sich ein junger Thurgauer vor Ort über seinen Seesack mit nagelneuen Stiefeln und Military- Kleidungsstücken. Im Foyer widmet sich eine Schweizer Familie ihrer Tasche mit Spielsachen und ihrem Koffer voller exotischer Damengewänder aus Dubai.

Eine junge Frau hat weniger Glück: Das geheime Innenleben ihres Trolleys besteht aus alten Herrenschuhen und Socken. Sie nimmt’s mit Humor. Ein Hertinger dagegen ist hoch zufrieden mit seinem iPod. Im Laden hätte er das sechsfache dafür hingelegt, strahlt er: "Wenn’s nächste Mal Auktion ist, geh’ ich wieder hin."

Autor: Silke Hartenstein