Kultstatus fordert eine Menge Arbeit

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Fr, 13. April 2018

Schliengen

Seit rund 30 Jahren veranstaltet der Männergesangverein Eggenertal das Blütenfest auf der Stelli – so auch am kommenden Sonntag.

SCHLIENGEN-NIEDEREGGENEN. Immer zur Kirschblütenzeit wird das Blütenfest auf der Stelli gefeiert. Seit rund 30 Jahren veranstaltet der Männergesangverein Eggenertal das Freiluftfest, das mittlerweile Kultstatus hat. Die Badische Zeitung fragte die Vorstandsmitglieder Hans-Rudi Heinrich und Michael Deiss, welcher Aufwand dahinter steckt.

"Das Fest hat sich aus kleinen Anfängen entwickelt", erinnert sich Heinrich. Anfangs bewarb man es noch mit vielen Plakaten. Dies hat der Verein mittlerweile kräftig begrenzt. Das Fest hat sich zum Selbstläufer entwickelt, sagt Deiss: "Die Besucherzahlen haben sich in den letzten drei bis vier Jahren extrem gesteigert." Infolge von Mundpropaganda und Medienberichten über die Kirschblüte im Eggenertal pilgern mittlerweile Besucher aus drei Ländern aus einem Umkreis von 50 Kilometern zum Blütenfest, dazu kommen viele Feriengäste. Über die Festbesucher kann Heinrich nur Gutes sagen: "Das sind Leute, die laufen und Freude haben an der Natur. Und es hat noch nie irgendwelche Streitereien gegeben."

Wie die Besucherzahlen wuchsen auch die Aufgaben für die Helfer. Schließlich liegt der Waldparkplatz Stelli außerhalb von Niedereggenen. Es gibt weder Stromanschluss noch fließendes Wasser, nur die einst von Vereinsmitgliedern errichtete Hütte. Hans-Rudi Heinrich, Cheforganisator des Festes, hat daher bereits vor Jahren eine Checkliste erstellt, und eine ausgefeilte Logistik sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Der Festtermin, so Heinrich, wird knapp 14 Tage vorher bestimmt: "Wenn Sie im Ort aufgewachsen sind, können Sie das mit der Blütezeit abschätzen." Eine Woche vor dem Fest beginnen die Vorbereitungen, Speis und Trank werden bestellt, und der Festplatz wird gesäubert. Am Samstag dann werden die Anhänger der Helfer mit Fest-Mobiliar beladen, bei den Kuchenbäckerinnen laufen die Backöfen heiß und in der Hofladen-Backstube backt Edwin Jung bis zu 80 Brote. Am Festtag, um 8.30 Uhr in der Frühe, gilt es, Theken festzuschrauben, Glasscheiben in die Hüttenfenster einzusetzen sowie Grills, Kuchentheke, Tische, Bänke, Pavillons, Zelte, 1000-Liter-Wassertanks und Dixie-WCs aufzustellen. "In einer Stunde ist alles aufgebaut. Da weiß jeder, was er zu tun hat. Das fördert auch den Zusammenhalt im Verein", findet Heinrich.

24 Vereinsmitglieder, dazu eine Handvoll Männer und zwölf Frauen aus dem Dorf haben beim Fest von morgens bis abends alle Hände voll zu tun, darunter Spezialisten wie Grillmeister Manfred Rufer, Chefbierzapfer Karl Sprich und Kassierer Rainer Mähler. "Bei schönem Wetter ist der Festplatz von 11.30 bis etwa 16 Uhr komplett voll", sagt Deiss.

Die Getränke lagern im Kühlwagen vor Ort, Kuchen, Salat und die vakuumverpackten Steaks und Würste indes können hier nur in kleineren Mengen kühl gelagert werden. Daher sind zwei Kuriere mit ihren Autos den ganzen Tag zwischen der Stelli und dem Kühlraum im Dorf unterwegs und holen den in Kühlboxen verpackten Nachschub.

Abends um 20 Uhr ist der Platz wieder besenrein, die Helfer ruhen sich aus und essen etwas – Pizza zum Beispiel. "Über die Lieferadresse hat sich der Pizzabote schon gewundert", lacht Heinrich. Entstanden ist das Fest übrigens als Einnahmequelle für den Verein. "Die Altersstruktur im Verein geht immer mehr nach oben", sagt Heinrich, doch: "Das Fest werden wir schon noch weiter machen." Zudem gebe es, wie er nüchtern feststellt, "etliche Vereine, die schon mit den Hufen scharren."

Blütenfest: Am Sonntag, 15. April, 11 Uhr, beginnt das Blütenfest auf dem Waldparkplatz Stelli auf der Anhöhe zwischen Niedereggenen und Feuerbach. Es gibt Steaks vom Grill, Grillwurst, Salat, Bauernbrot, selbstgemachte Kuchen und Torten, Bier vom Fass, Markgräfler Wein und alkoholfreie Getränke. Der Parkraum am Festgelände ist äußerst knapp; die Veranstalter empfehlen, in den umliegenden Dörfern zu parken.