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23. November 2009

"Pragmatisch-kämpferische" Frau

Die Parteifreunde verabschieden Marion Caspers-Merk mit großer Hochachtung von der großen politischen Bühne.

SCHLIENGEN. Sie hat in Efringen-Kirchen ihren eigenen Bahntunnel, sie ist der Pfirsich-Typ und sie ist für die Hinterbank völlig ungeeignet. Als Älteste von vier Geschwistern wurde ihr Durchsetzungsvermögen frühkindlich angelegt und diese Charakterstärke war für die 19-jährige Bundestagsmitgliedschaft nicht hinderlich. Mit heiteren Worten verabschiedeten die SPD-Kreisverbände Breisgau-Hochschwarzwald und Lörrach bei einem Festakt am Samstag ihre langjährige Parlamentarische Staatssekretärin Marion Caspers-Merk.

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Gleichenstein-Saal auf Schloss Bürgeln. Eingefunden hatten sich Familienangehörige, Parteigenossen und Weggefährten. Die Einschätzung als Pfirsich-Typ trug Ex-Staatsminister Gernot Erler vor, der Ulla Schmidt zitierte: "Innen ein harter Kern und außen weich." Erler selbst maß Marion Caspers-Merk die Eigenschaften "pragmatisch-kämpferisch" bei. Ein besonderes Markenzeichen von M.C.M. – wie sie genannt wird – sei ihre Verlässlichkeit. Dieses Merkmal zog sich durch die Grußworte aller Redner. Trotz ihrer Hauptarbeit in Berlin und früher in Bonn hatte sie immer ein offenes Ohr für die Belange der regionalen Bindungen.

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Um die Anfänge der politischen Laufbahn rankten sich an dem Abend mehrere Erinnerungen. Mit 16 Jahren war die gebürtige Mannheimerin das jüngste SPD-Mitglied ihrer Heimatstadt. Sie arbeite als Dozentin, war Gemeinderätin in ihrem Wohnort March und bekleidete führende Positionen. Zunächst galt ihr Wirken der Umweltpolitik, neue Felder kamen dazu, zu einem der wichtigsten avancierte das Gesundheitsressort. Nicht ohne Zittern ging der Einzug ins Parlament vonstatten, denn Caspers-Merk lag auf Platz 22, teilte Gritli Hundorf aus Lörrach mit. Caspers-Merk selbst erinnerte sich, wie das "junge Frollein" vom Hausmeister des Bundestags in Bonn angesprochen wurde, was es denn da suche.

Von da ab ging es jedoch bergauf auf der Karriereleiter. Von sich reden machte M.C.M. als Drogenbeauftragte der Bundesregierung, bei der Legalisierung des Methadon-Programms, als Initiatorin der Programme "Halt" und "3000 Schritte", stark setzte sie sich für die damalige Gesundheitsreform ein. Auf den Weg brachte sie bundesweite Vorzeigeprojekte.

Dreimal holte Marion Caspers-Merk das Direktmandat, fünf Wahlkämpfe hat sie geführt, und mit "La Fontaine, Scharping und Schröder" erlebte sie drei Spitzenkandidaten. Die Spuren ihres Erfolgs zeichnete der Slogan "Besser kleine Schritte, als große Worte", meinte Erler, der auch erzählte, dass sie sich immer im Flieger trafen – er las Zeitung, sie Krimis. Nicht nur diese Begebenheiten würden sie zukünftig vermissen, sagten die Genossen einhellig. Auch auf die sehr geschätzte, aber neben den Amtsgeschäften in Berlin knappe persönliche Bindung werden sie verzichten müssen.

Ein mustergültige Abgeordnete

Der Hausherr auf Bürgeln, Werner Bundschuh, versicherte, Marion Caspers-Merk sei eine mustergültige Abgeordnete gewesen. Weitere Grußworte überbrachten die SPD-Ortsvorsitzenden: Aus Welmlingen Traudl Töpfer, aus Schopfheim Peter Ulrich, aus Müllheim Herbert Hitschler und aus Bad Krozingen Clara Heckmann. Die Grüße des SPD-Vorstands Südbaden kamen von der Stellvertreterin Elvira Drobinski-Weiß. Das letzte Wort hatte die Geehrte. Sie dankte für die stilvolle Verabschiedung, und reflektierte die "bewegte, schöne Zeit". Angesichts der Verantwortung für rund 80 000 Menschen hätte ihr das Amt der Abgeordneten ausgereicht. Nicht nur an ihre Nachfolgerin Jana Zirra, an alle Jungen sandte sie die Botschaft, die Chance zu Veränderung und Erneuerung zu ergreifen. Die Neuen dürfen nicht allein gelassen werden in der SPD-Familie, "damit die Botschaft beisammen bleibt."

Der Abschied von der Berliner Bühne – wie Gernot Erler formulierte – erfolgte natürlich nicht ohne Musik. Thematisch eingestimmt waren Tonio Passlick und Thomas Bergmann, unter anderem erklang ein immer optimistischer werdendes "Lamento" – sicher ein gutes Omen für die neue Tätigkeit Caspers-Merks in Lörrach als Kreisrätin, als Dozentin an der Dualen Hochschule sowie als Präsidentin des Deutschen Kneipp-Bundes.

Autor: Ines Bode