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10. Februar 2012

"Spannend wie ein Krimi"

BZ-INTERVIEW mit Hartmut Potthoff zu seinem Bürgeln-Vortrag.

  1. Hartmut Potthoff hat sich intensiv mit der mittelalterlichen Geschichte auf Bürgeln beschäftigt. Foto: Dorothee Philipp

SCHLIENGEN-OBEREGGENEN. Seit an Karfreitag 2011 erstmals interessierte Besucher den freigelegten Stützpfeiler in der Unterkirche auf Schloss Bürgeln besichtigen konnten, ist das Interesse an der frühen Geschichte dieses einzigartigen Anwesens auf halber Höhe des Blauen stark gewachsen. Hartmut Potthoff, einer der ehrenamtlichen Führer auf Schloss Bürgeln, der maßgeblich beteiligt war an der Entdeckung und Freilegung des Stützpfeilers, lässt in einem Vortrag die Zeit der Kaltenbachs und der ersten Pröpste auf Bürgeln lebendig werden. Dorothee Philipp sprach mit ihm über seine Passion.

BZ: Sie haben selbst in eigenen Forschungen interessante und bisher unbekannte Mosaiksteinchen zur mittelalterlichen Geschichte Bürgelns zusammengetragen. Wie geht das?
Hartmut Potthoff: Sie lesen, Sie finden Fußnoten und Anmerkungen, Sie gehen und wühlen in den Archiven...

BZ: Wo überall?
Potthoff: Ich war im Karlsruher Generallandesarchiv, im alemannischen Institut in Freiburg, im Freiburger Staatsarchiv, im Stadtarchiv und im erzbischöflichen Archiv in Freiburg. Außerdem stehe ich in schriftlichem Kontakt mit dem Kloster Sankt Gallen. So habe ich beispielsweise herausgefunden, wo die schweizerischen Besitztümer der Kaltenbachs waren, nämlich im Gebiet der heutigen Kantone Solothurn und Bern. Diese Güter hat Werner von Kaltenbach dann dem Basler Kloster St. Alban gestiftet.

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BZ: Sie werden ein wenig von dieser frommen Familie berichten, die im Lauf der Jahre alles verschenkt hat und ins Kloster eintrat?
Potthoff: Die Geschichte dieser begüterten Familie ist sehr interessant und ein Teil meines Vortrags. Die Schenkungen fanden ja schrittweise statt, ebenso die Klostereintritte von Werner und seinen Söhnen.

BZ: Was hat es mit dieser neu gefundenen Unterkirche auf sich?
Potthoff: Das war zunächst eine Eigenkirche, die Kaltenbachs Vorfahren bei ihrem Rittersitz errichten ließen. Sie hatte wohl ein Holzgiebeldach und wurde nach der Gründung der Propstei etwa im Jahr 1130 überbaut. Der Stützpfeiler und das Gewölbe, das wir jetzt frei gelegt haben, stammt aus dieser Zeit und wurde wohl aus statischen Gründen notwendig. Im Vortrag werde ich auch Grundrisse zeigen, die nahelegen, dass die Kirche über der Unterkirche dann nach dem Bauschema des Klosters Hirsau errichtet wurde.

BZ: Sie werden auch über Bürgeln als Propstei sprechen?
Potthoff: Die Gründung der Propstei war ja auch so spannend wie ein Krimi. Es musste 1130 erst eine Konferenz stattfinden, in der sich Vertreter des Klosters St. Blasien, der Stellvertreter des Bischofs, die Pfarrer aus der Umgebung und der Markgraf von Baden in einem Vergleich einigten, dass den Mönchen die Ländereien und der Bürgelnberg gehörten. Dafür mussten sie in Obereggenen aber eine neue Kirche bauen. Der Konferenzort war übrigens Liel. Aus jener Zeit ist von Bürgeln nur ein einziges Bild bekannt, die Supraporte über dem Prälatenzimmer.

BZ: Und was trieb der Propst dann so den lieben langen Tag?
Potthoff: Der war richtig gut beschäftigt mit der Verwaltung der vier Meierhöfe, mit Reisen, mit politischen Empfängen, und er war auch der Vorsitzende des Dinggerichts, das die kleineren Streitereien in der Umgebung schlichtete. Natürlich musste der Propst auch den Zehnten in den umliegenden Dörfern einziehen.

"Bürgeln im Mittelalter", Vortrag von Hartmut Potthoff am Freitag, 10. Februar, 17 Uhr, Schloss Bürgeln, Gleichensteinsaal. Nach dem Vortrag, der etwa eine Stunde dauert, hat das Publikum die Möglichkeit, den Stützpfeiler und das Kreuzrippengewölbe im Keller des Schlosses zu besichtigen.

Autor: dop