Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

15. April 2017

Zentral im christlichen Glauben

Pfarrer Ralf Otterbach möchte die Auferstehung Christi emotional erlebbar machen und wieder mehr mit dem Ostergeschehen verbinden.

  1. „Ich könnte als Pfarrer an einem Grab nichts sagen, wenn ich nicht an die Auferstehung Christi und damit an den Sieg des Lebens über den Tod glaube würde“, sagt Pfarrer Ralf Otterbach Foto: Dorothee Philipp

EGGENERTAL. Was an Ostern gefeiert wird, weiß kaum noch jemand. Ralf Otterbach, evangelischer Pfarrer für Niedereggenen, Obereggenen und Feldberg, erlebt immer wieder, dass im Bewusstsein der Menschen der Osterhase die Botschaft von der Auferstehung Jesu abgelöst hat. Im Religionsunterricht erzählen ihm die Erstklässler, dass an Ostern der Osterhase Geburtstag hat. Oder doch vielleicht Jesus?

Die Auferstehung ist nach Otterbach das zentrale Geschehen des christlichen Glaubens. Gerade deswegen ist es ihm wichtig, es im Gottesdienst auch als "emotionales Erlebnis" zu vermitteln, um möglichst viele Menschen zu erreichen, auch die, die einer theologischen Auslegung nur schwer folgen können. Der schon lange traditionell in Obereggenen gefeierte Frühgottesdienst zum Ostersonntag ist dafür ideal geeignet. Um 6 Uhr treffen sich die Gläubigen in der dunklen Kirche. Der Gospelchor "Heaven" zieht ein mit Kerzen und singt das "Dona nobis pacem" (Verleih uns Frieden). Dann, nach einem kurzen Text über die Leiden Christi werden die Kerzen gelöscht. Die Gemeinde erlebt, wie die Dunkelheit zunächst durch die hereingetragene Osterkerze und danach durch das Entzünden von vielen weiteren Kerzen die Finsternis dem Licht weicht. "Auf diese Weise erleben die Gottesdienstbesucher die Symbolik von Dunkelheit und Licht, die auf das Geschehen der Auferstehung hinweist", erklärt Otterbach. Durch kurze Texte und die Lieder wird die Verbindung zum Ostergeschehen hergestellt. Dieses ist auch für ihn persönlich das tragende Element des christlichen Glaubens. "Ich könnte als Pfarrer an einem Grab nichts sagen, wenn ich nicht an die Auferstehung Christi und damit an den Sieg des Lebens über den Tod glaube würde", sagt er. Wie man als Pfarrer diese Dimension der Ewigkeit vermittle, sei auch eine Frage des eigenen Glaubens, der eigenen Authentizität. Die evangelische Kirche erlaube es, bei der Gestaltung der Gottesdienste vom liturgischen Gerüst abzuweichen, und genau das macht den Auferstehungsgottesdienst in Obereggenen so lebendig. Während des Gottesdienstes geht draußen die Sonne auf, ihr Licht flutet in die Kirche. Nach dem Segen geht man nicht auseinander, sondern spaziert gemeinsam zur Blauenhalle zum Osterfrühstück mit Kaffee und Hefezopf. "Die Gemeinschaft bildet den Raum, in dem wir leben können", sagt Pfarrer Otterbach. Es gebe natürlich auch "Kaspar-Hauser-Christen", die ihren Glauben im stillen Kämmerlein pflegen, doch erst der Austausch untereinander und das Beisammensein geben einem Leben im Glauben die wichtigen Impulse und vermitteln den Menschen Geborgenheit.

Werbung


Für Pfarrer Otterbach selbst bedeutet die Osterzeit einen vollen Terminkalender. Die Reihe der Gottesdienste eröffnete am Gründonnerstagabend ein Abendmahlsgottesdienst. Zu Karfreitag gab es zwei Abendmahlsfeiern, eine in Feldberg, eine in Obereggenen. Und am morgigen Ostersonntag geht er nach dem Frühgottesdienst in Obereggenen nach Feldberg, wo der Gottesdienst um 9.15 Uhr beginnt und schließlich um 10.30 Uhr nach Niedereggenen. Auch am Ostermontag ist Gottesdienst im Eggenertal, und zwar um 10 Uhr in Obereggenen. Ist er dann urlaubsreif? "Für mich ist der Pfarrerberuf eine Berufung und deswegen keine Last", sagt Otterbach. Die Arbeit mit Menschen mache ihm Freude. Und für ihn als "klassischen Theologen" hat die Botschaft von der Nähe Gottes und von seiner Liebe zu den Menschen einen höheren Stellenwert als die von Sünde und Strafe.

Autor: Dorothee Philipp