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26. Oktober 2010
Die Rothirschtage enden mit einer Fachtagung
Die Rothirschtage enden mit einer Fachtagung zum Thema Wildtiere und Freizeitaktivitäten / Kein Touristiker nimmt daran teil.
SCHLUCHSEE. Zum Abschluss der Rotwildtage fand in der Seegemeinde eine Fachtagung zum Thema: "Wildtiere und Freizeitaktivitäten – Wege des Miteinander" statt. Die fast 40 Teilnehmer erhielten Informationen zu diesem Spannungsfeld von hochkarätigen Referenten über die aktuellen Forschungsergebnisse.
Rudi Suchant von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) begrüßte die Zuhörerschaft, die fast nur aus Forstwirten, Naturschützern und Jägern bestand. Suchant drückte ausdrücklich sein Bedauern darüber aus, dass keine Vertreter aus der Tourismusbranche bei dieser Fachtagung anwesend seien. Um den Bedürfnissen von Wildtieren und den verschiedenen menschlichen Interessen gerecht werden zu können, müssten alle Gruppen an einem Tisch zusammen kommen.Das Rotwildgebiet Südschwarzwald zwischen Schluchsee, St. Blasien und Menzenschwand zählt mit 17 500 Hektar zu den kleinsten Rotwildgebieten Deutschlands. Zur Integration verschiedener Interessen wurde für das Gebiet eine Rotwildkonzeption erarbeitet, die das Areal in Kern-, Übergangs-, Wildruhe-, Fütterungs-, Beobachtungs- und Randbereiche einteilt. Aber Pilze- oder Beerensammler dringen im Sommer und Herbst ebenso in die Ruhebereiche ein, wie im Winter die Schneeschuhwanderer den Fütterungsbereichen zu nahe kommen.
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Anhand objektiver wissenschaftlicher Grundlagen müsse, laut Suchant, an der Umsetzung der Rotwildkonzeption weiter gearbeitet werden. Sollten die Wildruhebereiche auf Wanderkarten dargestellt oder im Gelände gekennzeichnet werden ? Wie können Menschen für das Thema sensibilisiert werden ?
Professor Ralf Roth vom Institut für Natursport und Ökologie der Deutschen Sporthochschule Köln referierte zum Thema: "Wie viel Lenkung braucht Natursport ?" Im Schwarzwald herrsche, so Roth, ein großes Sportraumpotenzial mit hoher Kapazität, wie einem engmaschigen Wegeangebot. Der Naturraum werde durch Bewegung erlebbar und die Frequentierung von Räumen sei lenkbar.
Am einfachsten zu lenken seien die Besucher, die zum Wettkampftraining kämen und an Punkten wie dem Notschrei konzentriert werden könnten. Aktive Sporturlauber, die zum Wandern, Radfahren oder Skilaufen in die Region kämen, seien jedoch keine homogene Gruppe mit einheitlichem Verhalten. Doch hätten alle Natursportler Interesse an Natur. Die Natur sei Sport-, Erlebnis-, Erholungs- und Gesundheitsraum für den die Freizeitnutzer, auch im Hinblick auf das Rotwild, durchaus sensibilisierbar seien. Es sei jedoch wichtig, mehr Daten über die Urlauber, deren Aktivitäten und Interessen zu erfassen, um Einfluss auf ihre Verhaltensweisen nehmen zu können.
Ein gutes Instrument zur Lenkung der Wanderer sei das Beschilderungssystem des Schwarzwaldvereins. Der Natursportler suche in Wald und Wiese eine Steigerung des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens. Durch gezielte Angebote ließe sich, laut Roth, dieses Bedürfnis mit den Notwendigkeiten des Naturschutzes durchaus verbinden.
Darüber, was für Wildtiere wichtig ist, referierte Hilmar von Münchhausen von der Deutschen Wildtier Stiftung. Zum Lebensraum der Tiere gehört ein passendes und ausreichendes Nahrungsangebot, geeignete Fortpflanzungsstätten, Schutz vor Fressfeinden, Rückzugsmöglichkeiten und ausreichend Raum.
Das Rotwild sei ein tagvertautes Tier, das in sozialen Verbänden bevorzugt in halboffener Landschaft lebe und ein ausgeprägtes Wanderverhalten habe. Per Gesetz sei das Rotwild in begrenzte Gebiete verbannt, bei deren Grenzüberschreitung ein restriktives Abschussgesetz gelte. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordere eine Aufhebung der Rotwildbezirke, um dem Wanderverhalten des Hirsches und dem genetischen Austausch gerecht zu werden. Das Rotwild sei ein Mischäser, der bevorzugt Gräser und Kräuter zu sich nähme. Verbiss- und Schälschäden seien Folge des beengten Lebensraumes. Zur Ablenkung von Nutzbäumen müssten Äsungsflächen geschaffen werden, an denen Jagdruhe herrsche.
Das Rotwild habe ein großes Sicherheits- und Ruhebedürfnis. Störungen müssten für die Tiere kalkulierbar sein, doch ein Mountainbiker, der aus dem Nichts auftaucht, bedeute hohen Stress. Durch Forstarbeiten oder eine laute Wandergruppe hingegen seien die Tiere kaum aus der Ruhe zu bringen.
Beobachtungszonen hält Münchhausen für einen touristisch nutzbaren Ansatz, um über das Rotwild zu informieren. Er berichtete vom Modellprojekt der Wildtier Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern. Im Wildtierland Gut Klepelshagen können röhrende Hirsche beobachtet werden. Ein umfassendes Naturpädagogisches Programm, ein Schullandheim, Themenwege und zahlreiche weitere Angebote bringen die Besucher in engen Kontakt mit der heimischen Natur.
Aktuelle Forschungsergebnisse stellte Anna Rummel vor. So sei das Verhalten der Rothirsche bei Störungen beobachtet worden. Mit Fährtenanalyse, Lichtschranken, Überwachungskameras und der Satellitentelemetrie, bei der Tiere mit einem Sender ausgestattet werden, können Fluchtzeit und –distanz bei Störungen gemessen werden. Joy Coppes ging in seiner Untersuchung der Frage nach, an welchen Punkten im Gelände Wintersportler von der vorgegebenen Route abweichen. Anhand der von ihm entwickelten Methode lassen sich problematische Wegkreuzungen, an denen Schneeschuhwanderer oder Langläufer abbiegen, erkennen. Die meisten Abweichungen seien bei Schildern mit Richtungsanzeige festzustellen. Sein Vorschlag lautet, Schilder an Problempunkten im Winter zu entfernen oder zu verhängen und gesperrte Wege deutlich zu kennzeichnen.
Robert Hagen und Friedrich Burghardt untersuchten das Verhalten der Tiere an den Fütterungsplätzen Rauhalde, Wüstengraben und Bötzberg. An der Rauhalde zeigen die Tiere kein erhöhtes Feindvermeidungsverhalten, obwohl 250 Besucher täglich im Winter den nahe gelegenen Weg nutzen. Dort liegen 300 Meter ohne Sichtkontakt zwischen Tier und Mensch. Auch am Bötzberg ist es für die Tiere angenehm ruhig. Im Wüstengraben seien die Tiere angespannter, obwohl dort nur ein Wanderer pro Stunde vorbeikommt. Die Distanz beträgt nur 70 Meter mit Sichtverbindung. Die Tiere bleiben zwar bei Störung in der Nähe, doch das Leittier weicht stets mit dem Rudel aus. Die für die Tiere unkalkulierbare Störung löst permanenten Stress aus. Besonders Schneeschuhwanderer und Langläufer seien es, die die geräumten Winterwanderwege und Loipen verlassen und dadurch die Tiere in Unruhe versetzen. Hier gelte es, die Natursportler für den Konflikt zu sensibilisieren.
Autor: Ute Aschendorf


