Große Leidenschaft für besondere Steine

Evamarie Kurfess

Von Evamarie Kurfess

Mo, 20. August 2018

Schluchsee

Peter Küttel hat mit fast 73 Jahren in Schluchsee noch einmal sein privates Mineralienmuseum eröffnet.

SCHLUCHSEE. Für manche Herzensangelegenheit fügen sich die Dinge von alleine. Dass Peter Küttel 2016 mit fast 73 Jahren in Schluchsee noch einmal sein privates Mineralienmuseum eröffnet, war so nicht geplant. Eigentlich hatte der Hobby-Mineraloge eine Wohnung gesucht und war in der Dresselbacherstraße fündig geworden. Der Zufall wollte es so, dass das Ladengeschäft in seinem künftigen Wohngebäude frei wurde. Ein weiterer Zufall sorgte dafür, dass ein guter Freund in der Schweiz gerade seinen Schuhladen aufgab und Steinforscher Küttel ihm beim Ausräumen der Ladeneinrichtung half. "Einen Tag später wäre alles im Container gelandet", erzählt Küttel und schaut sich in seinem Reich um.

Bergkristall, Quarz, Labradorit, Fuchsit, versteinerte Hölzer, vier Milliarden Jahre alte versteinerte Flechten, Magnetschmuck – hier findet sich alles, was Steinliebhaber suchen. In den zwei Jahren, seit Küttel in Schluchsee ist, hat er sich ein feines Netzwerk geschaffen und kann Empfehlungen geben für Steinbrüche, Mineralienmuseen, ehemalige Gruben – jede Menge Tipps für Interessierte, wo man Schönes finden kann. An einem Steinbruch bei Idar-Oberstein könne man am Wochenende die allerschönsten Amethyst-Drusen finden, unter der Woche werde dort Kies gefördert.

Steine hat Küttel immer gemocht und von Wanderungen und Spaziergängen so manchen heimgebracht. Ab und an nahm er teil an Bearbeitungskursen, später gab er selbst Kurse für Kinder. Seit ungefähr zehn Jahren lebt er seine Leidenschaft mit den Steinen richtig aus. In Küttels Laden findet man Minerale und Steine aus der ganzen Welt: Eine gelbe Schwefelpyramide aus Pakistan, norwegische Jade, Lizardit, Tigerauge, Bernstein. Es liegen Bücher aus, in denen sich Interessierte tiefer informieren können. Von der Kraft der Steine ist Küttel überzeugt, aber nicht alle Menschen seien so sensitiv, es wahrzunehmen. Jeder wisse, dass Bernstein zahnenden Kindern helfen könne. Hämatit schleift er nicht gerne, der Blutstein habe viel Energie und mache unruhig.

An den ersten beiden Wochentagen, wenn das Ladengeschäft geschlossen ist, macht Küttel seine Exkursionen. 28 Kilogramm wiegt ein riesiger Brocken Kristallquarz, den er aus einer Flanke des Piz Beverin zuletzt herausgehauen und selbst ins Tal getragen hat. "Pilze oder Steine, eines von beidem habe ich immer im Rucksack", lacht er und legt einen großen, rundgeschliffenen Karneol auf den Tisch, der beinahe lebendig wirkt. Im Sommer ist er mehr im Laden, im Winter wird mehr geschliffen und gearbeitet. In der Werkstatt stehen Schleifgeräte. Die standen auch schon in seinem ersten Laden in Arth, wo sie manchmal so laut waren, dass Küttel nicht immer mitbekam, wenn jemand im Laden etwas wollte. Da sei einmal ein Mann in die Werkstatt gekommen und habe gesagt, bei ihm könne man ja alles klauen. Küttel hat gelacht und gesagt, das sei nicht so schlimm, denn gestohlene Steine brächten dem Dieb Unglück. Die ruhige und freundliche Art des Schweizers musste dem Mann zu denken gegeben haben, denn er kam wenige Tage später noch einmal, um einen Stein zu bezahlen, den er einfach eingesteckt hatte.