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15. November 2017

"Wir wollen den Horizont erweitern"

BZ-INTERVIEW mit Tobias Hauser, dem Gründer der Mundologia-Reihe, die es jetzt auch in Schluchsee gibt.

  1. Kuckuck, da bin ich: Dieser Schnappschuss ist eine der Aufnahmen, die am Donnerstag im Kurhaus in Schluchsee zu sehen sein wird – aufgenommen von Tobias Hauser. Foto: Tobias Hauser/Privat

SCHLUCHSEE. Heiße Geysire, Quellen und Vulkane sprudeln am Donnerstagabend in Schluchsee, wenn Tobias Hauser, Gründer der Mundologia-Reihe, in Bildern, Erzählungen und mit Musik von Neuseeland berichtet. Mit dem Vortrag beginnt die vierteilige Mundologia-Reihe in Schluchsee. Vor 15 Jahren in Freiburg gegründet, hat sie zwischen Waldshut-Tiengen und Rastatt jährlich bis zu 40 000 Fans. Nun soll es sie auch in Schluchsee geben. Susanne Gilg hat sich mit Tobias Hauser über die Ziele der Mundologia-Reihe unterhalten – und darüber, was er sich von Schluchsee erwartet.

BZ: Die Mundologia-Reihe zieht vor allem in Städten viel Menschen in die Veranstaltungssäle, teilweise sind die Karten schon Monate vorher ausverkauft. Schluchsee ist ein eher kleinerer Ort. Was erhoffen Sie sich?
Hauser: Anfangs waren wir skeptisch, als die Hochschwarzwald Tourismus GmbH auf uns zukam, ob das in einer kleinen Gemeinde wie Schluchsee funktionieren kann. Denn wir brauchen schon eine bestimmte Besucheranzahl, damit sich das für uns lohnt.

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BZ: Glauben Sie, dass das Interesse in Schluchsee nicht da ist?
Hauser: Es lag noch nie daran, dass kein Interesse da ist. Man muss den Leuten nur erstmal zeigen, wie toll das eigentlich ist. Wir sind gespannt, ob die Schluchseer kommen oder ob sie schon zu viele schlechte Erfahrungen mit vielleicht langweiligen Vorträgen gemacht haben. Wir versuchen, mit der Mundologia ein hohes Niveau zu gewährleisten. Wir wollen garantieren, dass wir spannende Reportagen bringen. Es soll einfach eine hochwertige Kulturveranstaltung werden.
BZ: Bei Vorträgen denkt man oft an wacklige Bilder und alte Diaprojektoren. Was versteckt sich hinter Ihren Vorträgen?
Hauser: Es war immer schon mein Ziel, dieses Genre, das ein bisschen in den Vorlesungssälen Universitäten versauert ist, wieder in den Kulturkalendern der Städte und Gemeinden zu etablieren. Wir haben durch Technik und Multimedia heute ganz andere Möglichkeiten. Natürlich steht und fällt es mit dem Vortragenden – wenn er live keine Begeisterung rüberbringt, nutzen auch die schönsten Bilder nichts. Doch wenn es ein Referent schafft, live das Publikum zu begeistern, dann kann da kein Fernsehprogramm oder Kino mithalten. Wir sind moderne Geschichtenerzähler – und Geschichten haben die Menschen ja immer schon gerne gehört.
BZ: Mundologia heißt Weltkenntnis. Was ist Ihr Ziel?
Hauser: Wir wollen niemanden zu weiten Reisen verführen, denn da stehen wir natürlich auch im Konflikt mit Fliegen und CO2-Ausstoß. Wir wollen einfach Weltkenntnis vermitteln – daher der Name Mundologia. Unser Grundansatz ist es, spannende und kritische Reportagen zu zeigen, um das Verständnis für Artenschutz, fremde Kulturen, Umweltprobleme und solche Dinge in die Köpfe zu bringen, einfach den Horizont zu erweitern. Wir haben beispielsweise schon über die negativen Folgen von Ananasanbau berichtet – da kamen dann ganz viele Zuschauer, die uns gesagt haben, dass sie das gar nicht wussten. Da beginnt dann der ein oder andere schon auch, über sein Konsumverhalten nachzudenken.
BZ: Was erwartet die Schluchseer am Donnerstagabend?
Hauser: Ich war auf vielen Reisen in Neuseeland unterwegs, habe dort ein halbes Jahr studiert. Ich wollte das Klischee hinterfragen, ob Neuseeland wirklich das Paradies ist, von dem alle immer sprechen. Es ist ein Querschnitt über die Nord- und die Südinsel. Ich versuche, beide Seiten aufzuzeigen. Das Ganze ist eingebunden in die Frage, ob Neuseeland das Paradies am Ende der Welt ist. Der Vortrag lebt von atemberaubenden Bildern, spannenden Erzählungen und stimmungsvoller Musik.
BZ: Gibt es weitere Vorträge?
Hauser: Ja, noch drei im Januar, Februar und März. Ich starte die Reihe in Schluchsee jetzt mal mit meinem Neuseeland-Vortrag. Ziel ist es, die Reihe hier in Schluchsee zu etablieren – wir sind sehr gespannt.

Der Vortrag "Neuseeland – Paradies am Ende der Welt?" beginnt am Donnerstag, 19.30 Uhr, im Kurhaus in Schluchsee. Karten und weitere Infos unter http://www.mundologia.de Karten gibt es auch an der Abendkasse.

ZUR PERSON: TOBIAS HAUSER

Tobias Hauser (48) ist Gründer der Mundologia-Reihe und des Mundologia-Festivals und stammt aus Gurtweil bei Waldshut-Tiengen. Der Fotograf und Fotojournalist, der in Freiburg lebt, hat nach einer Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker an der PH in Freiburg Mathematik, Technik und Sport studiert. Nach dem Studium entschied er sich, seine Leidenschaft, das Fotografieren und Reisen, zum Beruf zu machen. Seit 1999 ist er freier Fotojournalist und war mit der Kamera auf fünf Kontinenten unterwegs. Im Jahr 2003 gründete er die Mundologia (Weltkenntnis), Europas größtes Reportagen-Festival und die Mundologia-Reihe, die in verschiedenen Städten und Gemeinden stattfindet und mit den Themenschwerpunkten Fotografie, Abenteuer und Reisen jährlich bis zu 40 000 Vortragsbesucher anzieht.  

Autor: sgi

Autor: sgi