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30. Juni 2012

Schmucke Wegweiser erleichtern Orientierung im Wald

In aufwendiger Handarbeit fertigt Malermeister Erich Kaiser neue Schilder, die die Waldwege namentlich kennzeichnen.

  1. In mühevoller Kleinarbeit fertigt Malermeister Erich Kaiser ehrenamtlich neue Wegweiser an. Schwarze Frakturschrift vor weißem Hintergrund mit hübschem grünen Rahmen zieren nun die Waldwege. Foto: Martha Weishaar

BONNDORF. Dem aufmerksamen Wanderer dürfte es bereits aufgefallen sein: Immer mehr schmucke Wegweiser erleichtern seit geraumer Zeit die Orientierung in den hiesigen Wäldern. Auf weißem Hintergrund prangt kunstvoll akkurate, schwarze Schrift und gibt Kesselberg-, Hinterwieden- Neuhäusleweg sowie vielen anderen Waldwegen wieder sichtbar ihren Namen. Ein tannengrüner Rand rahmt die Schilder aus Douglasien- oder auch Lärchenholz passend ein.

Initiator dieser einheitlichen, neuen Wegweiser ist Malermeister Erich Kaiser, der seit Herbst vergangenen Jahres bereits 60 Schilder anfertigte. Damit hat er erst knapp mehr als die Hälfte geschafft, denn bis alle Waldwege gekennzeichnet sind, bedarf es ungefähr hundert Wegweiser. Erich Kaiser war – wie viele andere seiner Generation – als Kind viel in den Wäldern unterwegs, um beim Holzmachen zu helfen. Damals kannte man die Wegbezeichnungen in- und auswendig. Heute haben Wanderer, Spaziergänger oder Zeitgenossen, die hobbymäßig ihr Holz selbst aufbereiten wollen, vielfach Probleme mit der Orientierung im Wald. Zuweilen finden sich gar keine Hinweisschilder oder die Vorhandenen sind grau, unansehnlich und häufig unleserlich. In solchen Situationen hilft auch eine Wanderkarte nicht mehr weiter.

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Erich Kaisers Onkel Fritz hatte in der Mitte des zurückliegenden Jahrhunderts Wegweiser angefertigt, damals noch vor inzwischen verbotenem weißem Bleifarbenhintergrund, in strenger Textur- schrift. Diese Farbe hatte allerdings den Vorteil, dass die Schilder kaum verwitterten oder infolge von Moosbewuchs unkenntlich wurden. Als nun vor geraumer Zeit Erich Kaiser mehr oder weniger zufällig ein solcher Wegweiser in die Hände geriet, reifte in ihm der Entschluss, neue anzufertigen. Akribisch beschriftet der 79-jährige Malermeister die Tafeln und verwendet dabei klassische Frakturschrift, die gut leserlich ist und daher viele Jahrhunderte lang im Buchdruck als Normschrift Anwendung fand. Die Stadt Bonndorf kommt für die Materialkosten auf. Sein künstlerisches Talent sowie unzählige Arbeitsstunden bringt Erich Kaiser ehrenamtlich ein. Mit Erhard Hölderle, Peter Muri und Karl-Heinz Sowa hat er drei verlässliche Helfer, wenn er die Schilder befestigt und sie mit dem Richtungspfeil vor Ort vervollständigt. Der passionierte Malermeister wirkt mit seinem Engagement ganz bewusst dem viel verbreiteten Zeitgeist entgegen, alles nur möglichst kostengünstig und schnell zu erledigen. Nicht zuletzt hat es auch mit Kultur zu tun, die Namen der Waldwege in der Heimat zu kennen und zu bewahren.

Autor: Martha Weishaar