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07. November 2008 17:53 Uhr

"Störfall mit Charme"

Buch über Schönauer Stromrebellen

Der Super-Gau in Tschernobyl, die Schönauer Stromrebellen und ein Stromnetz in Bürgerhand: Wie das alles zusammenhängt? Der Freiburger Journalist Bernward Janzing hat darüber ein spannendes Buch geschrieben.

  1. Der Journalist Bernward Janzing aus Freiburg hat sein Buch "Störfall mit Charme in Schönau vorgestellt. Foto: Karin Maier

SCHÖNAU. Die Geschichte der Schönauer "Stromrebellen" seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl im April 1986 hat der Freiburger Journalist Bernward Janzing in seinem neuen Buch "Störfall mit Charme" dokumentiert. Am Donnerstagabend präsentierte der Autor das Buch in der EWS-Kulturhalle erstmals der Öffentlichkeit.
Nur knapp gehalten waren unmittelbar nach dem Super-Gau vom 26. April 1986 auch die Meldungen in den Medien über die Atomreaktorkatastrophe im fernen Tschernobyl. Erstaunlich erscheint im Nachhinein die Aussage von Innenminister Friedrich Zimmermann (CSU) in der Tagesschau am Tag danach: "Eine Gefahr besteht nur in einem Umkreis von 30 bis 50 Kilometern".

Am Schauinsland wurden indes entgegen dieser Verlautbarung laut einer Grafik im Janzing-Buch bereits Anfang Mai 1986 ziemlich hohe Radioaktivitätswerte gemessen. Zur Tat, die die Politik offenkundig vermissen ließ, schritt die Bevölkerung . In vielen Orten gründeten sich damals Initiativen gegen den Ausbau der Kernenergie. Viele seien nach dem Sommer 1986 aber wieder versandet, so Janzing bei der Buchvorstellung. Nicht so in Schönau: "Es ist ein einmaliger Schritt, den die Stromrebellen geschafft haben, in eine politische Richtung zu münden", findet Bernward Janzing. Das zähe Rebellentum ausgerechnet "im badisch liberalen und wertkonservativen" Schönau verwundert Bernward Janzing nicht. Der Autor verweist auf die vielen durch Widerstand verhinderten Atomkraftprojekte im Umkreis, beispielsweise die in Breisach, Kaiseraugst und Wyhl.

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Die Details der Gründung der Schönauer Energieinitiativen, der Stromsparwettbewerbe, der beiden zwei Bürgerentscheide, die Stromnetzübernahme von den Kraftübertragungswerken Rheinfelden (KWR) durch die EWS hat Janzing im Buch detailliert beleuchtet.

Dass es bundesweit bereits in den 1970er-Jahren Widerstand gegeben hat durch Zahlungsboykott ("Keine Mark für Atomkraftwerke") zeigt Bernward Janzing in seinem Buch genauso auf wie die Historie der Stromversorgung der Stadt Schönau ab 1905. Nach dem Bau eines ersten Wasserkraftwerks am Flüsschen Wiese war im Schönauer Anzeiger von der Freude über die "helle Lichtflut, die plötzlich der allgewohnten Düsterkeit in den Straßen unserer Amtsstadt ein Ende machte" zu lesen.

68 Jahre hatte die Stadt das Stromnetz inne, dann stimmte der Gemeinderat gegen die Stimmen von Bürgermeister Morath und SPD-Stadtrat Hitz für den Verkauf des städtischen E-Werks an die KWR. Symbolträchtig standen 1996 im Wahlkampf vor dem zweiten Bürgerentscheid zur Stromnetzübernahme (Frisetta-) Zahnbürsten der Netzkauf-Gegner (Faller-)Marmeladengläsern der NetzkaufSympathisanten gegenüber. Das letzte Buchkapitel ist dem "Siegeszug der erneuerbaren Energien" gewidmet. Das Buch enthält auch Gastbeiträge des Energietechnikers Dieter Seifried und des Buchautors Martin Rasper. "Das sehe ich schon auf den ersten Blick dass es ein historisches Werk ist – nicht nur für uns, auch für Schönau", freute sich EWS-Geschäftsführerin Ursula Sladek über das Janzing-Werk.

Die EWS selbst fängt gerade ein ganz neues Kapitel Firmengeschichte an, denn bei der Buchpremiere gab Dr. Michael Sladek bekannt, dass die EWS am Vortag definitiv ins Gasgeschäft eingestiegen sei. Ab Januar 2009 werde der bisherige Stromkunde "Ritter Sport" zusätzlich Erdgas von der EWS beziehen.

Info: Das Buch "Störfall mit Charme" von Bernward Janzing ist für 18 Euro im Buchhandel erhältlich, ISBN-Nr.: 978-3-927677-56-2, Internet: http://www.stoerfall-mit-charme.de

Autor: zubi