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10. September 2015

Der geheimnisvolle Berg

Eine Exkursion zum Belchen mit dem Biologen und Waldpädagogen Bernd Tochtermann.

  1. Bei einer Belchen-Exkursion erläuterte der Biologe Bernd Tochtermann zahlreiche biologische und geologische Besonderheiten des Schönauer Hausbergs. Hier hat er Bärwurz in der Flasche. Foto: Paul Berger

  2. Alpen-Immigrantin: Die Silberdistel ist eine der botanischen Schönheiten am Belchen. Foto: Paul Berber

BELCHEN. Zu den schönsten und imposantesten Bergen in der Region zählt der Belchen. Mit 1414 Metern ist der Schönauer Hausberg die dritthöchste Erhebung im Schwarzwald und nicht umsonst wird er als der "König des Schwarzwaldes" bezeichnet, der alljährlich zigtausende Touristen aus allen Herren Ländern anzieht. Auf einer Exkursion mit dem Biologen Bernd Tochtermann rücken die geologischen und botanischen Besonderheiten des Berges ins Rampenlicht.

Alleine der Name "Belchen" birgt etwas Geheimnisvolles, ja geradezu Mystisches. Zurückzuführen sein dürfte diese Bezeichnung auf "Belenus", den keltischen Sonnengott und gleichzeitig Gott der Mythologie, so Bernd Tochtermann, Biologe, Waldpädagoge und Geograph bei der von ihm geführten Exkursion hinauf auf den Belchengipfel. Weitere Berge mit dem Namen Belchen wie der Grand Ballon und der Petit Ballon finden sich in den Vogesen westlich des Rheins und einen weiteren Belchen gibt es auch im Schweizer Jura. Manche Historiker nehmen an, dass die vier Berge damals für die Kelten eine Art "Kalenderfunktion" hatten. Was man mit Sicherheit weiß, ist, dass sich die Sommersonnenwende vom kleinen Belchen aus und die Wintersonnenwende vom Schweizer Belchen aus sehr exakt bestimmen lassen.

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Wer von der Talstation zu Fuß zum Belchen-Gipfel hinaufsteigt kann entlang der Wanderrouten interessante Beobachtungen machen. Einen lohnenden Rundumblick auf die einmalige Bergwelt des Oberen Wiesentales bietet sich vom so genannten "Häg-Stutzfelsen". Allerdings ist hier besondere Vorsicht geboten, da die steil aufragende Felswand nicht ganz ungefährlich ist. Gutes Schuhwerk und ein sicherer Tritt sind unbedingt vonnöten. Kurz danach durchquert man auf dem Weg hinauf zum Belchengipfel den so genannten "Bannwald", einen seit Jahren ausschließlich der Natur überlassen Baumgürtel. Dieses Waldstück in dem keinerlei forstlichen Veränderungen, außer dem Freihalten der Wanderwege, stattfinden, soll sich zu einem "Urwald von morgen" entwickeln.

Zahlreiche Alpenpflanzen sind am Belchen zu finden. Zu ihnen zählen neben der Alpenheckenrose der zweiblättrige Blaustern oder die Scheuchzers Glockenblume. Auch die Silberdistel, eine typische Magerpflanze ist dort anzutreffen. Noch immer rätseln Biologen, wie die zahlreich am Belchen vorhandenen Alpenpflanzen sowie verschiedene eiszeitliche Pflanzenarten dorthin gelangten, beziehungsweise die Eiszeit überleben konnten. Schließlich sind die Schweizer Alpen rund 150 Kilometer Luftlinie vom Belchen entfernt. Dass diese von Vögeln oder durch den Wind dorthin gebracht wurden, scheint aus Sicht von Bernd Tochtermann eher ausgeschlossen. Am wahrscheinlichsten ist, dass viele dieser Pflanzen, von denen am Belchen rund 50 Arten vorhanden sind, im Laufe der Jahrhunderte über die landwirtschaftliche Nutzung vom Oberrheingraben bis hinauf auf den Belchen gelangten. Vor rund 1000 Jahren begann man mit dem Abholzen der Gipfelflächen, was auch erklärt, warum auf der Bergkuppe – auch unterhalb der üblichen Baumgrenze – heute keine Bäume stehen.

Einzigartige Tierwelt und seltene Pflanzen

Neben dem Rotwild und Wildschweinen fühlen sich auch Gämsen am Belchen heimisch. Zu den seltenen Bewohnern gehört ebenfalls das eher scheue Auerwild. Es braucht sehr viel Glück und auch Geduld, diese Tiere, vor allem in den frühen Morgenstunden überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Ein typischer Bewohner ist der Kolkrabe, ein im Gegensatz zu den übrigen Raben- und Krähenarten recht beachtlicher Vogel. Ebenfalls am Belchen anzutreffen sind die Singdrossel und der Zitronengirlitz. Um die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt zu schützen und zu schonen, sollten sich Besucher und Touristen, aber auch Wanderer und Skifahrer, an die vorgegebenen Regeln halten und sich – auch zu ihrer eigenen Sicherheit – ausschließlich auf den markierten Wegen und Pfaden bewegen.

Autor: Paul Berger