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03. Mai 2012

Die Arbeitnehmer zeigen Flagge

Die Gewerkschaft IG Metall rief gestern zu einem Warnstreik bei Hella und Zahoransky auf / 250 machten mit / Zufahrt blockiert.

  1. . Foto: Sattelberger

  2. . Foto: Sattelberger

WEMBACH. Rot-gelbe Fahnen wehen vor dem Werkstor der Firma Hella in Wembach, als ein Autokorso mit elf Wagen aus Todtnau ankommt. "Wir begrüßen unsere Kollegen von Zahoransky", ruft IG Metal-Chef Hermann Spieß ins Mikrofon. Etwa 200 Mitarbeiter der Hella klatschen laut und blasen in die zuvor verteilten Trillerpfeifen. Jetzt kann die Gewerkschaftskundgebung offiziell losgehen. Es ist die erste seit 14 Jahren bei Hella in Wembach.

Laute Rockmusik aus Boxen, ein Buffet mit Brezeln und Kaltgetränken, lachende Gesichter – bei diesem Anblick gegen 13 Uhr dürfte IG Metall-Chef Hermann Spieß aus Lörrach zufrieden sein. "Die Stimmung bei Hella ist hervorragend, die Leute stehen hinter unseren Forderungen", sagt Spieß zu den Journalisten. Mit ein Grund, dass dieser Warnstreik bei Hella und nicht woanders stattfinde. Ein anderer Grund sei, dass die Auftragsbücher bei Hella voll seien und vergangenes Jahr Rekordgewinne gemacht wurden. Jetzt seien die Arbeitnehmer an der Reihe, die zu dem Erfolg beigetragen haben. "Wir wollen kein Päckchen haben, sondern ein Paket", ruft er später den geschätzten 250 Männern und Frauen aus beiden Firmen zu, die für eineinhalb Stunden die Arbeit niederlegen. Die Forderung an die Arbeitgeber lautet 6,5 Prozent mehr Lohn, weniger Leiharbeit und eine Übernahmegarantie für Azubis.

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Wenn es stimmt, was Hermann Spieß und Hella-Betriebsratsvorsitzender Christoph Rudiger sagen, dann steht während der Kundgebung die Produktion still. Für die IG Metall ein Punktsieg. "Die Arbeitgeber haben uns das nicht zugetraut", freut sich Hermann Spieß.

Während der Kundgebung, die an der Zufahrtstraße zu Hella und vor dem Wembacher Rathaus stattfindet, fahren immer wieder Lastwagen aufs Firmengelände oder von dort auf die Bundesstraße B 317. Doch irgendwann parken Pkw mitten auf der Straße. Ein Lastwagenfahrer will durch, schafft es aber nicht, auch weil einzelne Streikende nicht von der Stelle weichen. Der Laster muss warten, bis die Kundgebung nach 14 Uhr vorbei ist.

Auf der improvisierten Bühne aus vier übereinander gestapelten Holzpaletten werden später noch Zahoransky-Betriebsratschef Martin Hinz und Hella-Mitarbeiter Kai Saaler sprechen. Martin Hinz berichtet über die Situation der jüngeren Generation, den Auszubildenden, bei Zahoransky. Die Gewerkschaft will, dass sie unbefristet übernommen werden, auch die Studenten der Dualen Hochschule. Die Streikenden hören aufmerksam zu, viele von ihnen dürften nicht älter als 25 sein und das erste Mal im Leben die Arbeit niedergelegt haben.

Auch beim Thema Lebenshaltungskosten hängen die Zuhörer den Sprechern von Gewerkschaft und Betriebsrat an den Lippen. Für IG Metaller Hermann Spieß ist klar: "Wir wollen in dieser Tarifauseinandersetzung einen kräftigen Schluck aus der Pulle." Wer den Argumenten eine Weile zuhört und sich an der guten Stimmung der Gruppe erfreut, kommt schnell zum Schluss, dass die Gewerkschaftsforderungen nicht ungerechtfertigt sind. Die Firmenleitung ist bei der Kundgebung freilich nicht vertreten; ihr dürfte die ganze Aktion ein Dorn im Auge sein, laut Hermann Spieß wurde sie auf dem Firmengelände untersagt. Deswegen der Auftritt auf einem öffentlichen Grundstück.

Einige Male blicken Männer in weißen Hemden aus dem Fenster hinaus auf die Streikenden. "Beim nächsten Mal seid ihr auch dabei", ruft ein Gewerkschafter jenen Kollegen fröhlich zu, die nicht streiken. Durch die geschlossenen Fenster können sie ihn aber gar nicht verstehen.

Autor: Dirk Sattelberger


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