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27. Dezember 2016

Krippenspiel mit Überraschungen

Der Gottesdienst an Heiligabend in der evangelischen Bergkirche bot nebst einer leeren Krippe auch andere Besonderheiten.

  1. Das weihnachtliche Himmelszelt wurde mit leuchtenden Sternen dargestellt – nur eine von vielen Besonderheiten des Heiligabendgottesdienstes in der evangelischen Bergkirche Schönau. Foto: Ronald Kaminsky

  2. Ungewohnter Anblick: die leere Krippe Foto: Privat

SCHÖNAU (BZ). Schon beim Eingang staunten die Gottesdienstbesucher in der evangelischen Bergkirche Schönau an Heiligabend gleich doppelt: Zum einen war die Krippe leer, zum anderen bekamen alle Besucher im Alter von vier bis 96 Jahren einen Zettel oder einen Gegenstand mit in die Kirchenbank.

Schon nach dem ersten Lied wurde dann klar, dass dieses Jahr ein Krippenspiel der besonderen Art stattfinden würde. Alle wurden eingespannt, und jeder Besucher war ein Hirte, ein Schaf oder ein Hirtenhund, sogar "Mäuse" gab es im Stall. Die Kleinsten bekamen einen leuchtenden Stern und repräsentierten zu sphärischen Klängen das weihnachtliche Himmelszelt. Vor dem Start zum Krippenspiel wurden die "Rollen" kurz einstudiert, so durften zum Beispiel die mit Lametta bestückten Engel, die allesamt auf der Empore saßen, kräftig laut jubeln. Der Kirchengemeinderat hatte die vakante Situation der Kirchengemeinde zum Thema gemacht und so war das Krippenspiel betitelt: "Vakanz im Stall – die Krippe ist leer". Die Krippe wurde in der Adventszeit unter der Leitung von Klaus Wuchner und tatkräftiger Mithilfe der Herren Schuhmacher und Kuhny gebaut. Die Figuren werden erst im nächsten Jahr im Rahmen eines Projekts mit einem Dresdener Bildhauer erstellt, so war die Krippe an diesem Nachmittag zunächst leer. Und tatsächlich ärgerten sich dann die Hirten, dass sie umsonst aufgewacht waren, und nur die leere Krippe vorfanden, lautstark untermalt vom Geblöke der 40 "Schafe" und Geräuschen der genauso vielen "Hirtenhunde", "Ochsen" und "Mäuse". Fast alle Besucher nahmen ihre "Rolle" ohne Scheu und mit Begeisterung wahr. Auch die Weisen, dargestellt von drei Jungscharlern der Kirchengemeinde, waren enttäuscht ob der leeren Krippe. Und die Engel, die anfangs noch laut jubelten, telefonierten mit Gott und fragten nach dem Grund der leeren Krippe. "War es ein Termin- oder Ortsmissverständnis"? So erfuhren an diesem Nachmittag alle in Schönau, dass dieses Mal die Krippe mit Absicht "vakant" blieb und Esther Kaminsky besang in einem Lied, dass Jesus heute "im Herzen der Menschen zu finden" ist, die "einsam und verlassen" sind. In einer kurzen Andacht wies Roland Kaminsky darauf hin, dass das Kind in der Krippe bald größer werden würde und dass die Krippe nur der Anfang einer großartigen Rettungsaktion Gottes für die Befreiung der Menschen war. Der erwachsene Jesus gab dann mit einem Bibelzitat (aus dem Matthäusevangelium) selbst die Antwort, wo er denn zu finden sei – bei den Hungernden und Durstigen, bei den Kranken und – heute aktueller denn je – bei denen, die auf der Flucht sind und kein Dach über dem Kopf haben.

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Danach wurde der Anfang der Geschichte aber doch noch richtig in Szene gesetzt, die Krippe wurde mit einer Leihgabe von Krippenfiguren besetzt und in einem zweiten Anlauf wurde die Weihnachtsgeschichte richtig dargestellt. Musikalisch wurde der Gottesdienst gestaltet vom Gitarrenkreis unter Leitung von Steffen Probst und unterstützt von Anne Wuchner (Querflöte), Peter Ander (Violine) und Esther Kaminsky (e-Piano), die beim "O Du fröhliche"-Schlusslied an der Orgel begleitete.

Das Krippenspiel der besonderen Art war so aufregend, dass die jungen Sternenträger bis zum Schluss gebannt vorne stehen blieben.

Autor: Roland Kaminsky