Potenziale der Region besser nutzen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 26. November 2016

Schönau

CDU-Kreisvorstand informiert sich über das neue Biosphärengebiet / Schuster: "Wer jetzt nicht dabei ist, wird es noch bereuen".

OBERES WIESENTAL (BZ). Das Biosphärengebiet Schwarzwald wird immer sichtbarer für die Öffentlichkeit. CDU-Kreisvorstand, Bürgermeister des Gemeindeverwaltungsverbandes Schönau und Gemeinderäte aus dem Oberen Wiesental informierten sich beim neuen Geschäftsführer Walter Kemkes über den Umsetzungsstand und die weiteren Planungen.

Der Stand der Dinge
Nach der Ausweisung des Gebiets im Januar 2016 steht die formelle Anerkennung durch die Unesco im Sommer 2017 an. Aktuell sind 29 Kommunen mit Schwerpunkt im Oberen Wiesental beteiligt. Kemkes bedauerte, dass nicht alle Gemeinden, die dafür geeignet seien, von Anfang an mitmachen würden, heißt es in einer Mitteilung der CDU. Die nächste Beitrittsmöglichkeit ergebe sich erst wieder in zehn Jahren, wenn das Projekt turnusgemäß evaluiert werde.

Der Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Armin Schuster zeigte sich daher sicher: "Wer jetzt nicht dabei ist, wird es noch bereuen." Geschäftsführer Walter Kemkes bestätigte, dass aus seiner Erfahrung bei anderen Gebieten – in den vergangenen acht Jahren managte er das Biosphärenreservat Bliesgau im Saarland – die Kommunen von einer Teilnahme profitierten. Anfängliche Skepsis sei meist breiter Unterstützung gewichen.

Der Kern der Sache
Möglicherweise klinge der aus dem Englischen übertragene Begriff"Biosphärenreservat" zu technokratisch, die in Baden-Württemberg gebräuchliche Bezeichnung "Biosphärengebiet" sei neutraler. Im Mittelpunkt stehe der Mensch. Daher sei ein Großteil der Gebietskulisse eine "anthropogen" bestimmte Zone. Lediglich 3,3 Prozent umfasse die Kernzone, in der menschliche Eingriffe minimiert seien. In der 68 Prozent umfassenden Entwicklungszone gebe es dagegen keine ordnungsrechtlichen Vorgaben. Der Rückzug der Landwirtschaft aus den Hochlagen und die Abwanderung gewerblicher Betriebe und damit von Teilen der erwerbstätigen Bevölkerung stellten potenzielle Gefahren für den Südschwarzwald dar.

Was die Biosphäre bringt
Walter Kemkes umriss gegenüber den CDU-Vertretern seine Agenda: Das Biosphärengebiet Schwarzwald wolle zu einer Steigerung der Attraktivität der Region beitragen und den Auswirkungen des demographischen Wandels vorbeugen. Die Entwicklung des ländlichen Lebensraumes stehe dabei im Vordergrund. Ein dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg der Landwirte sei sein Ziel. Die Produkte der Höhenlandwirte müssten besser vermarktet werden. So werde das Potenzial des heimischen Hinterwälder Rinds im Vergleich zu anderen alten Nutztierrassen wie dem Schwäbisch-Halleschen Landschwein nicht vollständig ausgeschöpft. Nötig seien auch neue Arbeitsmodelle für die zahlreichen Nebenerwerbslandwirte, damit sie ihre Betriebe fortführen können.

Die Höhenlandwirte trügen erheblich zur Offenhaltung der Landschaft, vor allem der Allmendweiden, bei, so der Geschäftsführer weiter. Von der Bewahrung der typischen Schwarzwälder Kulturlandschaft könne der Tourismus profitieren. Walter Kemkes sprach sich für ein nachhaltiges, naturverträgliches Angebot aus. Bisher gebe es nur sehr wenige Biohotels, obwohl sie ein zahlungskräftiges, qualitätsorientiertes Klientel in die Region bringen könnten.

Armin Schuster lobte den Ansatz und verwies auf das Beispiel Südtirol. Dort sei es mit genau dieser Strategie nach Jahren der Krise gelungen, sich wirtschaftlich neu aufzustellen. "Heutzutage ist Südtirol eine der stärksten Marken im Tourismus überhaupt. Das kann der Schwarzwald auch erreichen", so der Bundestagsabgeordnete.

Die Geschäftsstelle
Walter Kemkes berichtete, dass sich die in Schönau angesiedelte Geschäftsstelle im Aufbau befinde. Für die verschiedenen Arbeitsbereiche würden Fachleute eingestellt, darunter bisher eine Forstwirtin, eine Agrarexpertin und ein Regionalplaner für den Tourismus. Das Besucherzentrum werde in Todtnau in der Nähe des Rathauses entstehen. Auch die Abstimmung mit dem etablierten Naturpark Südschwarzwald entwickle sich gut. Der langjährige Naturpark-Vorsitzende und ehemalige Landrat Walter Schneider hob diese regelmäßigen Treffen positiv hervor, so könnten Doppelstrukturen vermieden werden. Bundesweit einmalig sei, dass die Geschäftsstelle Fördergelder vergeben könne, erläuterte Walter Kemkes. Jährlich würden 320 000 Euro zur regionalen Entwicklung bereitgestellt, für die Startphase sogar 380 000 Euro. "Das Biosphärengebiet Schwarzwald wird ein Erfolgsmodell für die Entwicklung des ländlichen Raums", zeigte sich Armin Schuster überzeugt.

Schönaus Bürgermeister Peter Schelshorn habe das Projekt in den vergangenen Jahren entschlossenvorangetrieben. Nun müssten auch bisher zögerliche Kommunalpolitiker und Bewohner begeistert werden, zum Beispiel indem verstärkt Best-practice-Beispiele aus anderen Biosphärengebieten vorgestellt würden.