Torfinsel im Nonnenmattweiher

TALUF, TALAB: Abtrünniges Inselreich

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Sa, 08. September 2018

Kleines Wiesental

Der Separatismus hat seit einigen Jahren in Europa Hochkonjunktur: die Flamen wollen keine Belgier mehr sein, die Katalanen keine Spanier und die Korsen wollten eigentlich noch nie Franzosen sein. Die Briten wollen nicht mehr zur EU gehören und nur die Hälfte der Schotten möchte im Vereinigten Königreich bleiben. Am Nonnenmattweiher hat sich jüngst ein außergewöhnlicher Fall von Separatismus ereignet. Ein tonnenschweres Torfstück hat sich – ob nun durch Menschenhand angestiftet oder durch Naturgewalt gezwungen – für unabhängig von der Hauptinsel erklärt und sich flugs aus dem Staub gemacht. Weit ist es damit nicht gekommen. Es dümpelt immer noch im gleichen Weiher wie das Mutterstück und ist sogar am Ufer auf Grund gelaufen. Was also tun? Die Aktion der neuen Möchtegern-Insel respektieren und den Dingen ihren Lauf lassen? Mit ihren 35 Quadratmetern ist sie eindeutig zu klein, um von der UN als souveräne Nation anerkannt zu werden. Weil das renitente Torfgebilde den See zum Überlaufen bringen könnte und weil so ein Präzedenzfall schnell zur Nachahmung von anderen Torfrebellen führen könnte, wird das Stück wohl wieder zurück zur "Mutternation" geschleppt werden. Dort wird es dann fest mit Pflöcken und Seilen angebunden. Damit so etwas in Zukunft nicht noch einmal vorkommt. Dann wächst bald wieder zusammen, was zusammen gehört.