Überwältigendes Vertrauen

Dirk Sattelberger und Verena Wehrle

Von Dirk Sattelberger & Verena Wehrle

Di, 16. Januar 2018

Schönenberg

Ewald Ruch ist überraschend zum Bürgermeister von Schönenberg gewählt worden / Jetzt sieht er sich in der Pflicht.

SCHÖNENBERG. Der neu gewählte Bürgermeister von Schönenberg, Ewald Ruch, gab sich am Sonntagabend überrascht von dem großen Zuspruch der Bevölkerung – dabei hatte er sich gar nicht um das Amt im Schönenberger Rathaus beworben.

"Ich habe immer gesagt, sie sollen einen anderen wählen", erzählt Ewald Ruch am Montag, einen Tag nach seiner Wahl. Doch die Bevölkerung sah das offenbar anders und hat dem gebürtigen Schönenberger mit 54 Prozent das Vertrauen ausgesprochen. Ewald Ruch ist alles andere als unbekannt in dem Dorf: Er verbrachte schon seine Kindheit auf dem Schönenberg, hält Mutterkühe, ist seit 16 Jahren im Gemeinderat aktiv und zuletzt auch Stellvertreter von Amtsinhaber Michael Quast. Außerdem hat er einen 40-Stunden-Job im Büro eines Handwerksbetriebs. Trotz dieses Arbeitspensums traut er sich das Ehrenamt zu – nach Rücksprache mit seiner fünfköpfigen Familie und der Unterstützung weiterer Schönenberger Bürger. Auch der Schönauer Bürgermeister und Verbandsvorsitzende Peter Schelshorn habe ihm schon gratuliert und Unterstützung zugesagt. "Ich werde in das Ehrenamt meine Freizeit einbringen", berichtet Ewald Ruch. Zugute kommen dürfte ihm auch das gute Verhältnis zu Noch-Bürgermeister Michael Quast und den Gemeinderatskollegen. Thematisch sieht sich der "eingefleischte Schönenberger" fest im Sattel: "Durch die 16-jährige Tätigkeit im Gemeinderat weiß ich, was in der Gemeinde läuft." Die Wahlbeteiligung war mit 72,4 Prozent (210 Wähler von 290 Wahlberechtigten) hoch. "Im Vergleich zu anderen Gemeinden ist diese hoch, für Schönenberg aber normal", kommentierte Bürgermeister Michael Quast, der sich mit einem "das ist super" über die sehr große Resonanz freute. Das Interesse der Bürger war groß. Schon bei der Auszählung waren rund 50 Bürger dabei, bei der Ergebnisverkündung noch wesentlich mehr. Von 209 gültigen Stimmen gingen dann 113 Stimmen an Ruch.

Einer war beim Stimmenauszählen ziemlich angespannt: Florian Bläsi, denn er war wie Ewald Ruch im Vorfeld im Gespräch und wurde öfters darauf angesprochen. Für ihn war die Erleichterung groß, als klar war, dass er mit 14 Stimmen (6,7 Prozent) nicht gewählt ist. "Ich bin erleichtert, dass es ein Ergebnis gibt", sagte Noch-Bürgermeister Quast nach der Auszählung. Dann schickte er die Bürger "spazieren", damit Ewald Ruch sich in Ruhe Gedanken machen konnte. Nach wenigen Minuten verkündete Quast vor dem Rathaus: "Wir haben einen Bürgermeister" – die Bürger jubelten. Er freute sich darüber, dass mit Ruch jemand Erfahrenes die Nachfolge antritt.

Ruch selbst sei fest davon ausgegangen, dass es im ersten Wahlgang keinen Bürgermeister geben wird, und war selbst sehr überrascht über das Ergebnis. Er fühlte sich wie ins kalte Wasser geworfen. "Doch bei einem solch eindeutigen Ergebnis konnte ich nicht ablehnen, da bin ich als Bürger in der Pflicht, die Bürger von Schönenberg nicht hängen zu lassen", sagte er am Sonntag. Er bedankte sich für das Vertrauen. Die Freude und der Jubel bei den Schönenbergern war dann riesengroß. Und Ruch wird auch von seiner Familie unterstützt: "Wir helfen einander", sagte seine Frau. Die Guggenmusik "Chaibe-Loch-Lärtschi" spielte auf, die Feuerwehr stellte dem Neugewählten den Bürgermeister-Baum vor sein Haus in Entenschwand.

Weitere Vorschläge: 13 Stimmen bekam Roland Stiegeler, 12 Heike Steinebrunner, 11 Manuela Lindenthal, zehn Heinz Gutmann, vier jeweils an Amtsinhaber Michael Quast sowie an Klaus Ruch und Angela Gutmann.