Schon früh die großen Möglichkeiten der Elektrizität erkannt

Volker Münch

Von Volker Münch

Mi, 03. Januar 2018

Schliengen

Als Pionier in der Region auf dem Gebiet der Elektroinstallation feiert das Familienunternehmen Bieg in Obereggenen 90-jähriges Bestehen.

SCHLIENGEN-OBEREGGENEN. 90 Jahre ist es her, dass Hermann Bieg Senior von der Landwirtschaft in die Selbständigkeit als Elektroinstallateur wechselte und damit den Grundstein für einen der führenden Elektroinstallationsbetriebe in der Region legte. Der Firmengründer war unmittelbar dabei, als kurz nach dem Ersten Weltkrieg die Elektrifizierung im Dorf Einzug hielt. Heute ist der Familienbetrieb ein innovatives Unternehmen, das sich besonders mit der Energieversorgung großer Industrieanlagen und bei der Digitalisierung der Elektrotechnik einen Namen gemacht hat.

Hermann Bieg Senior war gerade 16 Jahre alt, als sein Heimatdorf mit elektrischem Strom versorgt wurde. Der junge Obereggener war fasziniert von den Möglichkeiten, besonders mit Blick auf den Betrieb von landwirtschaftlichen Maschinen. Und so war für den jungen Mann, der in dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb aufgewachsen war, schnell klar: Er möchte eine Ausbildung im Elektrobereich machen. Damals lernte er nicht nur, wie eine Elektroinstallation vorgenommen wird, sondern auch, wie man durchgebrannte Elektromotoren wieder flott machen konnte.

Weil in fast jedem landwirtschaftlichen Betrieb bald viele Geräte mit Strom angetrieben wurden, war Biegs Können nach Abschluss der Lehrzeit gefragt. Er machte sich 1927 mit der "Elektromechanischen Werkstätte Bieg" selbständig und legte bei der Handwerkskammer die Meisterprüfung ab. Hermann Bieg Senior startete erfolgreich durch und konnte sogar die ersten Mitarbeiter anstellen. Einen Rückschlag versetzten ihm die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, die 1929 auch die Gemeinden im Markgräflerland erreichten. Es brachen harte Zeiten an, die familieneigene Landwirtschaft half der Familie, sich einigermaßen über Wasser zu halten. Ein Erfolgsrezept, das Hermann Bieg Senior und seine Familie noch weitere 30 Jahre beibehalten sollten.

Im Jahr 1933 heiratete er Anna Maria Stiefvatter, die ihrem Ehemann Hermann bei den Büroarbeiten zur Hand ging. Und mit der Geburt von Sohn Hermann Junior im Jahr 1937 kündigte sich bereits die nächste Generation des Familienbetriebes an. In jenen Jahren kümmerte sich Hermann Bieg Senior auch um den Bau von Hoch- und Niederspannungsfreileitungen, Ortsnetzen, Transformatorenstationen, die Installation von Straßenbeleuchtungen und die Verlegung von Erdkabelleitungen.

Nach dem Krieg, in den Aufbaujahren, gelang es Hermann Bieg Senior wieder, als Elektromeister mit seinem großen Aufgabenspektrum Fuß zu fassen. Wachstum war angesagt: Der erfolgreich agierende Handwerksbetrieb konnte wegen der guten Auftragslage kontinuierlich das Personal aufstocken. Sohn Hermann Junior trat in die Fußstapfen seines Vaters, begann 1951 im elterlichen Betrieb eine Lehre als Elektromechaniker, sammelte in anderen Betrieben Erfahrungen und absolvierte erfolgreich die Meisterprüfung. 1961 trat er als Mitgesellschafter ins Unternehmen ein, das fortan unter dem Namen "Bieg und Sohn OHG" firmierte. Mitte der 1960er-Jahre hatte das aufstrebende Handwerksunternehmen bereits den Fuß in den Türen verschiedener Industrieunternehmen. Seither machte sich der Obereggener Familienbetrieb einen guten Namen für Beratung, Planung und Ausführung von umfangreichen elektrotechnischen Projekten. Entsprechend lang ist die Liste der Firmenkunden, unter denen sich Unternehmen wie Auma, Losan, Vitra und Neoperl und viele weitere finden. Als die Firma 1977 ihr 50-jähriges Betriebsjubiläum beging, hatte sie bereits 40 Mitarbeiter.

Der Name Bieg steht seit vielen Jahren nicht nur für traditionelle Elektrotechnik, sondern auch für innovative Techniken, für Datenvernetzung und für hohe Kompetenz in allen Fragen, die sich beispielsweise mit analogen oder digitalen Signalen für moderne Steuerungen befassen. Zu diesem Themenkomplex zählen heute auch die Möglichkeiten im Bereich regenerativer Energien.

Inzwischen steht mit Frank Bieg die dritte Generation in der Verantwortung. Als zweiter Geschäftsführer steht ihm mit Gerhard Weber ein "Eigengewächs der Firma" zur Seite. Themen wie Messtechnik und virtuelle Entwicklungsumgebungen für Software-Entwickler gehören heute zu den Stärken von "Hermann Bieg & Sohn Elektrotechnisches Unternehmen GmbH" bei der Umsetzung von modernen elektrotechnischen Anlagen. Ihre Innovationskraft und Leistungsstärke wurde 2014 mit dem Innovationspreis der Fachzeitschrift G+H ausgezeichnet. Heute arbeiten für das Familienunternehmen 50 engagierte Mitarbeiter, viele von ihnen bereits seit Jahrzehnten.