Schon mit 18 Jahren voll dabei

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Do, 28. Juni 2018

Ringen

Lars Schäfle ist deutscher Meister im Ringen bis 86 Kilo – was für einen so jungen Sportler in dieser Gewichtsklasse ungewöhnlich ist.

RINGEN. Sein Name steht im Gegensatz zu seiner Kampfkraft: Lars Schäfle heißt der junge Mann, von dem hier die Rede ist. Das klingt nach Sanftmut und Verkleinerungsform. Dabei ist der 18-Jährige jetzt schon ein ziemlich Großer – zumindest auf deutschen Ringermatten. Vergangenes Wochenende wurde er in Aschaffenburg überraschend erstmals Deutscher Meister bei den Aktiven, in einer Gewichtsklasse, in der ansonsten gestandene Männer dominieren: bis 86 Kilo.

Wie er das gemacht hat? "Es war gar nicht so schwer", sagt Schäfle, der in diesen Tagen sein Abitur an der Max-Weber-Schule in Freiburg ablegt. Große Worte sind ihm fremd, vielmehr ergänzt er: "Ich hatte Glück bei der Auslosung, und einige starke Gegner haben in den Gewichtsklassen bis 79 oder 92 Kilo gekämpft." Ungewöhnlich ist es dennoch, dass ein solch junger Sportler gewinnt. In unteren Gewichtsklassen, in denen der Kampf gegen die Kilos oft intensiver ist als der Kampf auf der Matte, kommt das öfter vor. Aber im Mittelgewicht ist es eine Ausnahme.

So fuhr der Zweite der deutschen Juniorenmeisterschaft auch nicht mit dem Ziel nach Aschaffenburg, erstmals Deutscher Meister bei den Aktiven zu werden, sondern mit dem Ansinnen, "einfach gute Kämpfe zu machen". Das gelang: Nach zwei überlegenen Punktsiegen stand Schäfle, der für die RKG Freiburg ringt, im Finale – und landete dort den Coup, den 28-jährigen Ergün Aydin mit 10:6 Punkten zu bezwingen.

20 Goldmedaillen haben südbadische Ringerinnen und Ringer in diesem Jahr gewonnen – von der B-Jugend bis zu dem Aktiven. Damit ist der Landesverband der erfolgreichste in Deutschland. Dass Lars Schäfle mal einen Titel bei den Aktiven holen würde, und dann noch im Teenager-Alter, war so nicht zwingend absehbar. "Am Anfang war er ein Bolzer, der seine Gegner über die Kondition zerstörte", sagt Landestrainer Mario Sachs. Lars Schäfle ähnelte da ein bisschen seinem Vater Hartmut Leiber, der sich vor rund einem Vierteljahrhundert selbstironisch als "besten Null-Griff-Ringer der Bundesliga bezeichnete". Von dem aus Furtwangen stammenden Vater, der allerdings den griechisch-römischen Stil bevorzugte, hat Lars Schäfle wohl die Gene und Gabe für außergewöhnliche Kondition erhalten. Und mit viel Fleiß hat er diese geerbten Merkmale zu einer echten Stärke ausgebaut. "Er kann immer sechs Minuten durchhalten – und oft gelingt es ihm, den Gegner zu zermürben", weiß Trainer Sachs – und ergänzt: "In der Gewichtsklasse brauchst du keine 30 Techniken perfekt können." Einige Griffe würden ausreichen, die gelte es aber zu perfektionieren. Zusammen mit der Kondition ergibt das einen Mix, der Lars Schäfle vergangenes Wochenende zum besten Teilnehmer der deutschen Männer-Meisterschaft in der 86-Kilo-Klasse gemacht hat. Hinzu kommt laut Sachs, "dass sich Lars ziemlich gut an strategische Absprachen halten und seine rote Linie durchziehen kann".

Lob für die Verzahnung von Schule und Sport

Als Kadermitglied hat Schäfle hervorragende Bedingungen am Stützpunkt in Freiburg. Und in der Max-Weber-Schule, einer der Partnerschulen des Olympiastützpunkts (OSP) Freiburg-Schwarzwald, findet er eine sportfreundliche Organisation und verständnisvolle Lehrer vor. "Oft können wir trainieren, während unsere Klassenkameraden pauken müssen", sagt der 18-Jährige. Sollte mal Nachhilfe nötig sein, wird sie über den OSP organisiert.

Und trotzdem gibt es auch im Sportler-leben von Lars Schäfle nicht nur Hochs. Dass nicht er, sondern sein Konkurrent Johannes Deml (Mömbris-Königshofen) deutscher Juniorenmeister geworden ist und damit zur EM fahren darf, wurmt den Freiburger dann doch etwas.

Es stachelt aber auch seinen Ehrgeiz und seine Kampfkraft an. An beidem mangelt es Lars Schäfle jedenfalls nicht.