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25. Januar 2017

Alpenländischer Klezmer aus dem Hofbräuhaus

Yxalag gastieren putzmunter in St. Agathen in Schopfheim.

  1. Ulrich Zeller am Bass der Klezmerband Yxalag Foto: Martina David-Wenk

Es gibt Klezmer Bands und es gibt Yxalag. Am Sonntag zur Soiree in Schopfheims Agathenkirche machten die Klezmermusiker aus Lübeck den Unterschied. Sie haben die Klezmer nicht neu erfunden, doch sie haben ihn perfektioniert. Zwei Stunden spielten die sechs Klezmorim vor den wieder einmal vollbesetzten Reihen der Agathenkirche.

Es gibt traditionellen Klezmer und es gibt den ganz experimentellen, wie den der Band Kroke aus Krakau. Yxalag schafft die Fusion. Sie interpretieren traditionelle Lieder und bereichern aber auch ihr Repertoire mit eigenen Kompositionen. Es ist moderner Klezmer, der seine Wurzeln nicht hinter sich lässt. Yxalag wagen sich sogar an Legenden wie Giora Feidmann und dessen "Happy Nigun". Darf man nun eine Band, die gerade ihr drittes Album herausgebracht hat, mit einer Legende vergleichen? Natürlich nicht. Doch Yxalag halten dem Vergleich stand. Sie sind mit ihrer Musik so breit aufgestellt, sie sind so putzmunter in ihren Stücken und dabei so lebendig, dass der Spaß, den sie selbst an ihrer Musik haben, ungefiltert ihr Publikum erreicht. Punktgenau und klar spielen sie sowieso.

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"Donna, Donna, Donna" zum Beispiel, den meisten wohl in seiner Interpretation durch den schottischen Sänger Donovan bekannt, erhält bei Yxalag eine Tragik, die ganz ausgekostet wird. Sie interpretieren es ganz emotional, doch die sechs Musiker kriegen die Kurve. Nicht mit Schwulst überziehen sie den Song, schließlich geht es in der Parabel vom Kälbchen, das zum Schlachter geführt wird, um das Schicksal der Juden unter den Nazis. Die Musiker wissen um die Geschichte des von Sholom Secunda komponierten Songs. Wo der Folksänger Donovan auf seine Gitarre und seine Stimme setzt, wollen Yxalag die Tragik und den Schmerz hinter diesem Stück hervorkehren. So schön. Und ein Chor aus Zuhörern, die den Refrain dieses Lieds mitsingen, in einer Kirche irgendwo in Deutschland.

Ja, sie können Emotionen in Töne fassen, weil sie dem Augenblick vertrauen und sich von diesem leiten lassen. Alle Musiker improvisieren nach Herzenslust. Nele Schaumburg an der Violine, und somit neben der Klarinette für den Klezmersound verantwortlich, spielt sich immer wieder frei. Die Sechs bleiben aber nicht beim Klezmer. Sie nehmen alles auf, was sich in ihrer musikalischen Sprache einfinden kann. Klarinettist und Komponist Jakob Lakner lebt mittlerweile in München. Dort im Hofbräuhaus soll es einen Musikerstammtisch geben, an dem sich Musiker aller Couleur einfinden und natürlich endet ein solcher Stammtisch nicht selten in einer großen Jamsession. "Klang aus dem Brauhaus" ist Jakob Lakners Ergebnis eines solchen Abends. Es beginnt sehr alpenländisch mit Jodlermusik interpretiert von Klarinette und Posaune, verändert sich, wird klezmertypisch, wenn alle anderen auch mit einfallen, um beim Zwischenspiel wieder ganz bajuwarisch zu sein. Die Musik ist wie ein Kreisel, bekommt Sogwirkung. Eine Hommage an die Örtlichkeit. Auch ihre Interpretation des Mokka Swing von Quadro Nuevo Saxophonist Mulo Francel, überzeugt mit seiner Spielfreude, seiner breitaufgestellten Klangvielfalt. Klasse, wie stets, wenn Musiker in St. Agathen aufspielen.

Autor: Martina David-Wenk