Das Kugellager in der Ast-Spalte

Maja Tolsdorf

Von Maja Tolsdorf

Do, 26. Januar 2012

Schopfheim

Thomas Haug zeigt in der Kulturfabrik Naturkunst unter dem Motto "Leben im Wandel".

SCHOPFHEIM. "Sicherlich hat jeder schon einmal in seinem Leben mit Naturkunst zu tun gehabt", sagte Thomas Haug in seiner Ansprache zur Vernissage seiner Ausstellung "Leben im Wandel" im Obergeschoss der Kulturfabrik. Spielerisch habe er sich bereits als Kind damit beschäftigt. 2005 habe er dann zur Naturkunst zurückgefunden, inspiriert durch eine Fernsehreportage über den schottischen Landart-Künstler Andy Goldsworthy.

Ungewöhnliche Einblicke in eigentlich Alltägliches ermöglichen seine Fotografien unter dem Titel "Leben im Wandel" im Flur der Volkshochschule. Manches Motiv wirkt wie ein Gemälde oder eine Aufnahme von einem anderen Planeten. Ein Astloch erweckt durch ein Netz aus knallgrünen Grashalmen den Eindruck eines Auges, das den Betrachter beobachtet. Eigentlich ist es die Natur, die die Arbeiten von Thomas Haug formt. Der Künstler hat lediglich nachgeholfen und dabei interessante Beziehungen zwischen Kontrasten hergestellt. Bei Kugel-Lager XI sind es weiße Schneekugeln über dunklem Gewässer im Kirchhölzle bei Wiechs. In Kugel-Lager XII hat Haug das Weiß von Pusteblumen dem dunklen Schwarz einer Astspalte gegenüber gestellt.

Mal filigran, mal mächtig, verspielt oder geradlinig kommen die Farben und Formen von Haugs Naturkunst daher. Das Bild "Lückenfüller" lässt aufblicken. Hatte Haug nicht erklärt, dass er die digitalen Fotos nicht nachbearbeitet? Die Fotografie von zwei Baumstämmen, deren Zwischenräume in grellen Farben leuchten, wirkt aber alles andere als natürlich. Doch der Künstler erklärt seine Vorgehensweise auf Anfrage.

"Ich habe den Raum mit Blättern wilden Weins ausgefüllt". Mehrmals sei der Künstler dann an diesen Ort zurückgekehrt und die Natur habe durch unterschiedliche Lichtverhältnisse das Werk beeinflusst. Manche seiner Werke hat der Künstler lange geplant, wie den Wunsch, einmal mit Schnee und Eis zu arbeiten. Das anspruchsvolle Material zwinge dann aber häufig zu Spontaneität. "Meist wird es nicht so, wie man es sich vorgestellt hat, manchmal dafür aber umso schöner". Neben den Lichtverhältnissen und dem Wetter hängt die Naturkunst auch von den Jahreszeiten ab, schließlich bedient sich der Künstler dafür ausschließlich der Materialien vor Ort, einer Fotokamera und seinen Händen. Anfangs sei die Digitalkamera für Haug nur Mittel zum Zweck gewesen. Mit den Jahren habe er dann bemerkt, wie man durch die geschickte Wahl eines Ausschnitts, den Blickwinkel verändern und Nuancen herausarbeiten könne. Viel Zeit nehme ein Naturkunstwerk in Anspruch.

"Schließlich muss ich unter die Oberfläche schauen, um einen Ort wirklich wahrzunehmen". Erfreut zeigt sich auch Katrin Hundorf von der Volkshochschule über die Ausstellung. "Das passt prima zu unserem derzeitigen Schwerpunktthema, das sich mit dem Wandel beschäftigt".

Info: Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind werktags von 8 bis 20 Uhr.

Workshop: Samstag, 10. März, 10 bis 15 Uhr (bei jedem Wetter). Weitere Infos: http://www.vhs-schopfheim.de