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21. Juni 2011 16:25 Uhr

Aus für kleines Krankenhaus im Oberen Wiesental

Das Spital in Schönau macht zu

Das Defizit wird größer und größer, jetzt zogen Stadtverwaltung und Gemeinderat die Reißleine: Das Spital Schönau wird zum Jahresende schließen müssen.

  1. Die nette Atmosphäre im Spital wurde immer gelobt. Ob sie in das geplante Seniorenzentrum hinüberzuretten ist? Foto: dsa

  2. Das Krankenhaus schließt zum 31. Dezember 2011. Foto: dsa

SCHÖNAU. Das Ende des Schönauer Spitals ist beschlossene Sache: Nach dem Willen von Gemeinderat und Verwaltung schließt das kleine Krankenhaus am 31. Dezember seine Pforten. Ein sogenanntes Seniorenzentrum soll dann in das Gebäude einziehen – jedenfalls wird derzeit mit einem Anbieter aus Rheinfelden-Herten über ein Konzept verhandelt.

Bei den Beschäftigten des Spitals schlug die Nachricht der Schließung wie eine Bombe ein – dass das Defizit des Hauses immer größer wurde, war zwar bekannt. Doch von der geplanten Schließung und der Umwandlung in ein Seniorenzentrum habe man erst aus der Zeitung erfahren, sagten Mitarbeiterinnen am Rande der Gemeinderatsversammlung am Montagabend. Der Schrecken über das Ende des Spitals stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Es geht um 29 Arbeitsplätze in Verwaltung, Pflege und Hauswirtschaft (teilweise Teilzeit). Was mit ihnen konkret geschehen soll, war bei der Sitzung nicht zu erfahren – die Beschlussvorlage sah lediglich die Schließung des Spitals und die Umwandlung in das "Seniorenzentrum Schönau" in Zusammenarbeit mit dem St. Josefshaus Herten vor.

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Vor der Abstimmung gab Bürgermeister Bernhard Seger einen detaillierten Einblick in die finanzielle Situation des Spitals. Die Zahlen sprachen eine deutliche Sprache: Das Defizit schießt seit einigen Jahren in die Höhe: Nach einem Verlust von 108 000 Euro im Jahr 2007 beläuft sich das Minus im laufenden Jahr voraussichtlich auf rund eine Million Euro. Die Stadt Schönau haftet für dieses Negativergebnis.

Der Betrieb sei zuletzt nur möglich gewesen durch die Eintragung einer Grundschuld auf das Spitalrundstück (Höhe: 1,082 Millionen Euro), durch Geld vom Sozialministerium (170 000 Euro) und Einnahmen aus dem "Betreuten Wohnen" und der "Verhinderungspflege" (Erträge im letzten Jahr: 121000 Euro). Vor diesem Hintergrund des rasant wachsenden Defizits war es für Verwaltung und Gemeinderat höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen (siehe auch Zitate rechts auf dieser Seite).

Bei der einstündigen Aussprache, in der viele Gemeinderäte ihre Betroffenheit kund taten, war allerdings nicht zu erfahren, wie die nächsten Schritte bei der Umwandlung in ein Seniorenzentrum aussehen. Nur das Ziel ist klar: Im Spital sollen Apartments und Wohngemeinschaften mit betreutem Wohnen entstehen, es soll eine Tagesbetreuung geben sowie Sozialstation und Therapiepraxen.

Bei diesem Modell würde der Spitalfonds das Gebäude weiterhin unterhalten und dafür Miteinnahmen erhalten. Das St. Josefshaus Herten und die Kirchliche Sozialstation Oberes Wiesental sollen eine gemeinnützige GmbH zum Betrieb der Sozialstation bilden – so der Plan.

Für die Mitarbeiter werde es demnächst eine Mitarbeiterversammlung geben, kündigte Bürgermeister Seger an. Eine Personalvertretung, die einen Sozialplan aushandeln könnte, gibt es nicht.

Autor: Dirk Sattelberger