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27. Oktober 2010
Der Beifall wollte schier nicht enden
Das Musical "Till Eulenspiegel" in Wiechs war restlos ausverkauft und ein voller Erfolg / Geschichte mit lokalem Kolorit.
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Foto: Monika Weber
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Ein voller Erfolg war die Aufführung des Musicals „Till Eulenspiegel“ in Wiechs. Den großen und kleinen Darstellern des Gesangvereins waren die Rollen auf den Leib geschneidert. Liebevoll waren die Kulissen gefertigt gefertigt worden, die das Stück wunderbar ergänzten. Foto: Monika Weber
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Foto: Monika Weber
WIECHS. Beide Vorstellungen restlos ausverkauft, Mitklatschen bei den Liedern und nicht enden wollender Applaus zum Abschluss: So begeistert waren die Zuschauer am Wochenende in der Festhalle Wiechs beim Musical um die Streiche des Till Eulenspiegel.
Den Sängern und Schauspielern sah man ihre Spielfreude richtig an. Man hätte meinen können, das Stück wäre extra für den Gesangverein Wiechs geschrieben worden, denn die Besetzung der zahlreichen Rollen aus den Reihen des Kinder-, Jugend und Erwachsenenchores war dabei wie maßgeschneidert. Die Rolle des Till spielte die zehnjährige Annika Fischer, die sich auf Schultern getragen, einen enthusiastischen Sonderapplaus für ihre schelmische Schauspiel- und Gesangskunst verdient hatte. Yvonne Brutschin und Jacob Spickermann, die privat gar nicht so "bösartig" sind, brillierten in den Rollen der "Biießzange" von Markgräfin mit ihrem gemeinen Sohn.Den Originaltext des Musicals von Ralf Israel, Gerhard Grote und Bernd Stallmann hatte Lothar Gisin ins Alemannische übertragen und dabei so einige lokale Themen aufs Korn genommen, die begeistert vom Publikum aufgenommen wurden. So beschwert sich der Markgraf, dass es noch nicht einmal einen Gehweg in der Enninger Einöde gibt, der Bauer Steinreich möchte versuchen, demnächst Steine im Buurelade zu verkaufen und die Markgräfin wird auf die Roteburg bei Wieslet ganz in der Nähe der Mülldeponie verbannt. Christine Spickermann, die auch die Idee für die Aufführung dieses Stücks hatte, führte Regie und studierte die Lieder mit dem Kinder- und Jugendchor ein, Chorleiter Andreas Hauri mit dem gemischten Chor. Mit Bravour wurden auch die Gesangssoli dargeboten, sowohl von den Erwachsenen, als auch von den Jugendlichen.
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Liebevoll hatte ein großes Team um Angelika Schühlein und Christine Spickermann die Kulissen auf sechs riesigen Leinwänden hergestellt, auf denen die Burg Rötteln und der Dorfplatz von Ennikon dargestellt waren. Für die einzelnen Szenen wurden dazu unzählige Requisiten gebastelt, von einfachen Hühnerschnäbeln für den Chor der Hühner, sowie riesige Schweinebraten und Hühnchen für den verfressenen Ritter Schlemmersack, über den Seiltanzaufbau und die Bienenkörbe bis hin zum Steinkarren, mit dem Till zur Geburtstagsparty des Markgrafen (Lothar Gisin) auf seinem eigenen Land einfährt, da er zu dieser Zeit das Badnerland nicht betreten durfte. Sogar ein Wachturm, der an die Hohe Flum erinnert, stand prächtig auf der Bühne und bot der stimmlosen Alarmanlage, dem Wachhahn Hannibal (Klaus Feuchtmann) eine gute Aussicht über die Burg des Ritter Schlemmersacks (Otto Faller), der seinen Bediensteten so lange alles wegmampfte, bis Till ihm mit einem Streich die Augen öffnet. Der mittelalterlich gekleidete stimmgewaltige Chor in den Rollen als Volk, Buchstaben, Hühner, Bienenvolk, Landstreicher und Narren, bei dem Sängerinnen und Sänger von vier bis 74 Jahren mitwirkten, wurde von einer extra für die Aufführung gegründeten zehnköpfigen Band begleitet, die von Jörg Wendland einstudiert wurde.
Zur Geschichte: Die Katze Hasenfueß (Anna-Maria Mößner/Marie Kropf) wird vom Hof des Bauern Steinreich ( Jens Hagist) vertrieben, da sie ihre Aufgabe als Mausefänger nicht wahrgenommen hat und die ganze Ernte aufgefressen wurde. Der Esel Emil (Jana Becker/Hannah Spitz) begleitet sie. Dabei erzählt er ihr die Geschichte von Till Eulenspiegel als Schuhputzer und Seiltänzer. Auf dem Marktplatz von Ennikon macht Till erstmals Bekanntschaft mit der Markgrafenfamilie und verliebt sich dabei in die Tochter Emma (Kira Brutschin). In Freiburg gibt sich Till als Professor aus, bringt dem Esel Emil das Lesen bei – zumindest macht er es den Professoren (Chiara Keesman und Sarah El Azzab Ibrahim) weis, dass der Esel lesen kann – "das i und das a kann er schon" – und zieht fortan mit den beiden Ausreißern durch die Lande. Auf der Burg des Ritter Schlemmersack gibt er sich als Turmbläser aus und ersetzt den kranken Wachhahn Hannibal, bis dieser wieder kuriert ist.
Damit dieser zukünftig besser versorgt wird, signalisiert Till einen Feindangriff und sperrt den Ritter aus seiner eigenen Burg aus. Die Markgräfin schickt ihren Sohn Max aus, um "möglischst priiesgünschtig" Essen für die Geburtstagsfeier des Markgrafen zu organisieren. Dieser schickt die beiden Honigdiebe Schluck und Schleck (Hubert Hauri und Stefan Leder) auf die Burg Bärenfels vom Ritter Schlemmersack. Dort werden sie von Till gestellt, der sich in einem Bienenkorb schlafen gelegt hatte und in dunkler Nacht seine Späße mit ihnen treibt. Den Bäckermeister Mehlohr (Martin Brutschin) nimmt Till beim Wort und backt Eulen und Meerkatzen aus dem Brotteig. Da dies die Lieferung für den Markgrafen ist, wird Till vom Markgrafensohn geschnappt und außer Landes gebracht. Beim Bauern Steinreich erwirbt Till einen Karren voller Steine und fährt damit "in seinem eigenen Land" unter großem Jubel zum Geburtstagsfest des Markgrafen ein. Es stellt sich heraus, dass Till von adliger Herkunft ist, so auch Hochzeit gefeiert werden kann.
Nach der Vorstellung am Samstag gab es noch eine zünftige Premierenfeier, bei der die Band bis spät in die Nacht zum Tanz aufspielte. Möglich wurde die Aufführung durch die finanzielle Unterstützung des Arbeitskreis Kultur- und Vereinsförderung.
Autor: Monika Weber


