Der neuen Orgel ein Stück näher

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 15. Januar 2019

Schopfheim

Junge Gesangs- und Instrumentalensembles aus Schopfheim und Umgebung spielen und singen für eine neue Truhenorgel in Eichen.

SCHOPFHEIM-EICHEN. Von einem Stern, der heller strahlt als alle anderen, handelte die besondere Dreikönigsgeschichte, die in der Kirche Eichen mit musikalischer Begleitung erzählt wurde. Unter einem guten Stern stand das ganze Festival der musizierenden Jugend, das Ceciel Strouken, die Leiterin der Eichener Sonntagsmusiken, organisiert hatte. Am Samstag und Sonntag traten junge Gesangs- und Instrumentalensembles aus Schopfheim und Umgebung auf, um die Anschaffung einer Truhenorgel für die Eichener Kirche zu unterstützen.

Rund 250 Besucher füllten am Samstag die Kirche, als das Ensemble "String Whistle" unter Leitung von Thomas Schindelin irische Fiddlestücke aufführte. Mit rhythmischem Schwung spielten die Jugendlichen an Violinen, Cello und Gitarre diese folkloristischen Melodien und Tänze. Ein Gesangsensemble der Musikschule Mittleres Wiesental unter Leitung von Jacqueline Forster bezauberte mit schönen, klaren Stimmen in dem geistlichen Werk "In dulci Jubilo" von Buxtehude, dem bewegenden "Hallelujah" von Leonard Cohen und dem traditionellen Lied "The Virgin Mary". Kirchenmusikdirektor Christoph Bogon begleitete die jungen Sängerinnen und Sänger sowohl an der Truhenorgel, die Jens Steinhoff für das Wochenende zur Verfügung gestellt hatte, als auch am Piano.

Der von Agnes Waibel geleitete "Lollipop"-Chor aus Eichen begeisterte mit vielsprachigem Gesang in Liedern aus verschiedenen Ländern wie "Wach auf mein Herz" aus Estland, "Keshet l‘vana" auf Hebräisch und "I sing holy" mit zauberhaften Stimmen. Auch der Jugendchor der evangelischen Kirche Schopfheim/Maulburg hatte unter Leitung von Ines Stenger eine reizvolle Auswahl an Liedern vorbereitet. Mit zarten, hellen Stimmen sang der Mädchenchor anrührende Lieder wie "Listen" und "The Rose", aber auch weihnachtliche Gesänge "Im Stall zu Bethlehem" und "Christmas Wish". Mit freudigem Schwung sang der Jugendchor zum Schluss "My God". Als alle gemeinsam "Winterwunderland" und "We are the World" sangen, schuf dieser Riesenchor in der Kirche eine besondere Stimmung.

Natürlich stand auch vor allem die Truhenorgel im Zentrum. Der 14-jährige Philipp Kröning aus Eichen, der bei Christoph Bogon Orgelunterricht hat, spielte eigene Improvisationen an der Truhenorgel, damit die Zuhörer einen Eindruck bekommen, wie so ein Instrument klingt. Über eine Melodie, die er selbst ausgedacht hat, improvisierte der Orgelschüler mit seinem Lehrer Bogon an zwei Orgeln. Zudem beeindruckte Philipp Kröning an der Truhenorgel mit einer weiteren fantasievollen Improvisation gemeinsam mit dem Celloschüler Milan Bauer, der auf einem selbst gebautem Elektrocello spielte: zwei junge Talente, die viel Eindruck machten.

Bezirkskantor Christoph Bogon erläuterte einiges über die transportable Truhenorgel, die von der Evangelischen Kirchengemeinde für die Kirche Eichen angeschafft werden soll, bei Bedarf in andere Kirchen gebracht werden kann und in der Reihe der Sonntagsmusiken zum Einsatz kommen soll. Ceciel Strouken erklärte am Sonntag ebenfalls Näheres über das Instrument, das "ganz viel kompakt in einer Box" zu bieten hat: 300 Pfeifen und fünf Register finden in einer Truhenorgel Platz. Die bisherige Orgel in Eichen hat nur drei Register.

Beim Konzert am Sonntagnachmittag trug Ceciel Strouken als Erzählerin die Dreikönigsgeschichte "Die drei Narren" von Tonke Dragt vor und ihr Celloschüler-Ensemble "LauterCello" spielte dazu passend arrangierte Musik. Die zahlreichen Zuhörer wurden in Bann gezogen von dieser Geschichte über drei Menschen, die einem alles überstrahlenden Stern folgen und sich auf eine abenteuerliche Reise begeben, von der sie nicht wissen, wo sie hinführt. Eindringlich und atmosphärisch stimmungsvoll wirkte die Verbindung von Wort und Klang, wenn die jugendliche Cellogruppe mit schönem Wohlklang eine elegische Arie von Händel, eine Chaconne von Purcell, eine Polonaise von Johann Christian Bach, ein Morgengebet von Tschaikowsky, einen Choral und das anrührende Weihnachtslied "Stille Nacht" zwischen den Textpassagen erklingen ließ.

Die Botschaft, dass die Narren die Weisen sind, weil sie sich vom Stern als Zeichen Gottes leiten ließen, klang lange nach. Das Programm am Sonntag war etwas kürzer als vorgesehen, da Rafael Lobo wegen Erkrankung nicht mit seinem Streicherensemble auftreten konnte. Insgesamt war es ein sehr gelungenes, schönes Festival der Musikjugend und die Spendenkörbchen füllten sich reichlich für die Truhen-Orgel. Mehr als 1000 Euro kamen zusammen, die Orgel wird rund 50 000 Euro kosten. Kirchengemeinde und Freundeskreis für Kirchenmusik haben davon schon einiges beisammen.