Ein emotional gesteigertes Zusammenspiel

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 06. November 2017

Schopfheim

Das Vogler Quartett und Andrea Kauten im Krafft-Areal.

"Eine Welt auf sechzehn Saiten" heißt ein Buch über das Vogler Quartett, das seit mehr als 30 Jahren als eine der führenden Formationen in der Königsdisziplin der Kammermusik gilt. Entsprechend war der Publikumsandrang überwältigend, als dieses renommierte Ensemble aus Berlin in der Reihe "Klassik im Krafft-Areal" in Schopfheim-Fahrnau zu Gast war.

Schon im Streichquartett G-Dur op.77 von Haydn demonstrierten Primarius Tim Vogler, Franck Reinecke an der zweiten Violine, Stefan Fehlandt an der Viola und Stephan Forck am Cello ihre erlesene Streicherkultur und ihr fein und präzise ausgehorchtes Zusammenspiel. Dass die Musiker seit 1985 in unveränderter Besetzung zusammenspielen, führt zu einem wunderbar ausbalancierten Quartettklang, in dem jede Stimme luzide, klar und transparent durchgezeichnet ist. So erlebten die Zuhörer ein schlankes, durchsichtiges Haydn-Spiel von entspannter Gelöstheit und großer Meisterschaft, hellhörig in der analytischen Detailschärfe, voller Vitalität und Leichtigkeit. Nobel und subtil ausgehorcht im Adagio und hochgespannt im Kopfsatz und dem Presto-Finale hatte dieser Haydn große Unmittelbarkeit in der Wirkung.

Höchst eindringlich geriet die Interpretation von Schostakowitschs Streichquartett Nr. 11 f-Moll. Wie die Voglers diese nach innen gekehrte Musik der Trauer spielten war von schmerzlicher Intensität, tiefgründig und extrem geschärft im Klang. Hochdifferenziert gestalteten die Streicher die sieben Sätze dieses Gedenkwerks, loteten den Ausdruck von tiefer Traurigkeit, elegischer Klage, Wehmut und Tragik ebenso bewegend wie feinnervig aus. Auch das Aufbegehren, die dramatische Zuspitzung des Klangs und das langsame Verklingen und Verlöschen, das Zurücksinken ins Pianissimo, wird vom Vogler-Quartett in feinsten dynamischen Nuancierungen umgesetzt. Eine erschütternde Schostakowitsch-Interpretation, die die Zuhörer bis ins Innerste aufwühlte und berührte. Nach einem Moment der Stille setzte lang anhaltender Beifall ein.

Im Hauptwerk des Abends, dem Klavierquintett f-moll von César Franck, tat sich das Vogler-Quartett mit der brillanten Pianistin Andrea Kauten zusammen. Klar und nuancenreich im Anschlag, mit drängender Leidenschaftlichkeit und großer lyrischer Sensitivität leuchtete Andrea Kauten ihren Klavierpart aus. Ihr Spiel hat farbige Ausdrucksfülle, Expressivität und romantische Emphase, klingt im Kopfsatz schwelgerisch, kraftvoll und voller Vehemenz. Im kantablen Mittelsatz bringt sie viel Zartgefühl in die lyrisch fließenden Passagen ein, und im con-fuoco-Finale erfüllt sie diese Musik wirklich mit Feuer, Glut und leuchtenden Farben.

Auch der Streicherklang war geprägt von expressivem, leidenschaftlichem Gestus in den Ecksätzen, von sensitivem Gespür und lyrischer Empfindungskraft im Lento-Mittelsatz und rhythmisch furiosem Spiel im Finalsatz. Die mit fulminanter Spieltechnik und Klangsinnlichkeit agierende Andrea Kauten und die Voglers fanden in diesem ausladenden Werk Francks zu einem rhythmisch und emotional gesteigerten, verdichteten Zusammenspiel, das aufgeladen war von starker Intensität und Expressivität. Große Begeisterung nach einem großen Kammermusik-Abend!